Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1843)
- Date
- 1843-07-03
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225309--05323-3235970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
391 Preußens, trotz dem in dem Besitznahmepatente vom 5. April 1815 feierlich ertheilten Versprechen des Schutzes Aller Vorgefundenen Religions - Parteien — gänzlich verschwunden ist. Statt der damals gehofften, und in Frankreich wirklich erfolgten, Aufhebung des letzten Ueberbleibsels hundertjähriger Unduldsamkeit, wurde das als Uebergangsmaßregel für nur zehn Jahre eingeführte sogenannte Juden-Dekret vom 17. März 1608 von Neuem auf unbestimmte Zeit verlängert, und wir sehen jetzt diese durch Fleiß und Talente ausgezeichneten Bekenner eines andern Glaubens in tausend Dingen, die mit der Religion in gar keiner Verbindung stehen, eben wegen dieses Glaubens beschränkt und bedrückt. Zu jedem Staatsdienste unfähig erklärt, ist ihnen Ln späterer Zeit die Hauptzuflucht ihrer Talente, der Katheder und die Advokatur versperrt worden. Ohne Antheil an der Verfasiung, an dem Gemeinde-Haushalt, faktisch von dem ehrenvollen Amte der Geschwornen ausgeschlossen, beschränkt in jeder Beziehung, müssen sie dennoch alle Lasten des Staates und der Gemeinde tragen, alle,Pflichten des Bürgers erfüllen, und noch hat sie kein Vorwurf der Säumigkeit in Erfüllung dieser Pflichten getroffen. Der Haß und die Verfolgungen früherer Jahrhunderte, und die in den letzten Jahrzehnten nach kurzer Hoffnung erfolgte Zurücksetzung konnten nanatürlich an dem' Charakter eines sonst tüchtigen Volksstammes nicht spurlos vorübergehen, und es tragen unleugbar viele Israeliten auch jetzt noch in Charakter und Gesittung die Folgen eines unerhörten Druckes. Mit Aufhebung der Ursachen werden aber auch — davon sind wir innig überzeugt, und finden die Wahrheit täglich jenseits der nahen Grenze bewährt, — die Folgen schwinden. Mit Gleichstellung aller Bürger in allen Rechten, werden, nach kurzem Uebergange, die Israeliten, wenn sie auch, gleich den Christen ihre Religion als heiligstes Gut festhalten, in allem Uebrigen diesen nicht nachstehen. Ob zur Erleichterung dieses-Uebergangs einzelne Maßregeln nothwendig erscheinen, das zu begutachten und Sr. Maj. dem Könige vorzuschlagen, überlassen wir dem Ermessen einer erleuchteten Ständeversammlung, müssen uns aber gegen die vielseitig als höhern Orts beabsichtigt bezeichnete Maßregel der Errichtung eigner Korporationen für die israelitischen Bürger, zur Verwaltung und zur Ausübung der Rechte Einzelner durch die Vertretung der Gesammtheit, so wie überhaupt gegen jedes eine fortdauernde Jsolirung in bürgerlicher Beziehung begünstigendes System aussprechen, da die Verschmelzung der Interessen und Ansichten, die gleiche Entwickelung des Staatsbürgerthums aller Unterthanen, ohne Unterschied der Religion, unmöglich durch äußere Absperrung und Errichtung neuer Scheidewände oder gar durch Aufbringung eines die Ehre des Bürgers und Vaterlandsvertheidigers herabwürdigenden Privilegiums erzielt werden kann. Möge es deshalb einer hohen Ständeversammlung gefallen, Sr. Maj. unserm allergnädigsten Landesherr«, die unterthänige Bitte der Unterzeichneten Bürger Trier's um Erlassung eines, die alsbaldige Gleichstellung der Israeliten mit den Bürgern der christlichen Konfessionen in politischen und bürgerlichen Rechten, bezweckenden Gesetzes vorzutragen. Einer hohen Ständeversammlung ehrerbietigste Bürger der Stadt Trier. (Folgen die Unterschriften.) (Noch einiges Spezielle über diesen Gegenstand in der nächsten Nummer. Red. d. A. Z. d. I.) Deutschland. LZtterberg (Pfalz), 18. Juni. (Privatmitth.) Bei der Anwesenheit Sr. Majestät des Königs von Baiern am 13. d. allhier, begab sich dieser Monarch nach beendigtem Gottesdienste in der kathol. Kirche in unsere vor fünf Jahren von der hiesigen, aus fünfzehn Mitgliedern bestehenden Gemeinde erbaute Synagoge, erkundigte sich nach der Zahl und dem Wohlstände der Gemeindemitglieder bei demisrael. Lehrer C. Mandel, gab feinen Wohlgefallen zu erkennen, und fügte hinzu: „Das alte Testament hüben auch wir, und noch das neue." Die israel. Gemeinde fühlte sich durch die Aufmerksamkeit Sr. Majestät höchst beglückt. Frankfurt am Main, im Juni. Die hiesigen Blatter sprechen wiederholt von den Wahlumtrieben, die jetzt wieder in der israel. Gemeinöe behufs der Erneuerung des Vorstandes stattfinden.