Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-03 · Heft 27 (3.7.1843) · p. Seite 390

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 27 (3.7.1843)
Date
1843-07-03
Page
Seite 390 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225309--05322-3235969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

890 Trier, 21. Juni.. (Privatmitth.j Folgender ArE Wsrep hiesigen Zeitung No. nimmt Vy^ In grosse g^ewiß in Anspruch. — So wi.e in den mehrsten größern Städten unserer Provinz ward auch in der unfern zu wiederholtenmalen in Erwägung gezogen, ob. nicht an den rheinischen Provinzial-Landküg eine,' die politische Gleichstellung der jüdischen Staatsbürger mit den christlichen beantragende Petition einzureichen sei. Obschon die Gerechtigkeit und Notwendigkeit dieser politischen Maßregel allgemein anerkannt wurde, so zog man es doch anfänglich vor, die Beantragung derselben erst bei dem nächstfolgenden Landtage eintreten zu lassen, hauptsächlich aus dem Grunde, weil dem.gegenwärtigen Landtage so viele höchst wichtige Zeitfragen zur Besprechung vorliegen, daß die gründliche Erledigung derselben alle disponible Zeit desselben in Anspruch nehmen dürfte, der durch Verschiebung dieser Angelegenheit auf die nächste Versammlung der Stände herbeigeführte. Zeitverlust dagegen durch eine sicherere Aussicht auf günstigen Erfolg hinreichend ausgewogen würde. Ankündigungen jedoch von neuen gesetzlichen- Maßregeln in Bezug auf die jüdischen.Verhältnisse, und der Erfolg der in Köln, Aachen und andern Städten Unterzeichneten Petitionen, welche auf jeden Fall die Sache schon währenddieses Landtages zur Sprache bringen müssen, wo sie dann von Lrier aus nicht unterstützt worden wäre , änderten den ersten Entschluß, und die nachfolg ende-Petition, von 150 trierschen Bürgern unterzeichnet,-war die Folge. Man würde Unrecht haben, wenn man aus. der Zahl der Unterschriften auf eine bedeutend geringere Theilnahme unserer Mitbürger in Bezug auf die jüdische Frage schließen wollte, da die früher abgeschickten Petitionen'immer die doppelte Anzahl aufzuweisen hatten. Allerdings war diese Theilnahme bei der Mittelklasse nicht sehr lebhaft, dagegen ergriffen die gebildeten Bürger unserer Stadt diese Gelegenheit auf's eifrigste, ihre wahrhaft christlichen Ansichten vom Stastsbürgerthum zu betätigen, und die Zahl der Unterschriften hätte sich gewiß noch viel höher belaufen^ wäre nicht die Eile, womit die Sammlung derselben betrieben werden mußte, ein Hinderniß gewesen/ Der Inhalt der Petition ist folgender: Hohe Ständeversammlung! Tner's Magistrat und Bürgerschaft haben bereits ihre, aü die diesjährigeMirksamkeit Einer ho.heLVM sammlung geknüpften Wünsche und Hoffnungen'aÄsgesprochen. Nie — seit Entstehen unserer ständischen Verfassung war diese Wirksamkeit , eine so schwierige, vlelumfaffende, und in die Verhältnisse des Vaterlandes und der Provinz tief eingreifende, wie jetzt. Diese Betrachtung, nicht aber Gleichgültigkeit gegen den Druck, unter welchem noch immer ein Th eil unserer Mitbürger schmachtet, war die Veranlassung, daß die Unterzeichneten bei Abfassung der frühem Petition, die aus inniger Ueberzeugung entsprungene Bitte um Befürwortung der politischen und bürgerlichen Gleichstellung der Bekenner des israelitischen Glaubens mit den christlichen Bewohnernder Staats, nicht hinzufügten, vielmehr die ernste und reifliche Berathung dieses, von vielen Seiten angefeindeten Gegenstandes dem kommenden Landtage Vorbehalten' wollten. Gesetzliche Veränderungen, welche als nahe bevorstehend und die ganze bürgerliche Stellung der Israeliten, jedenfalls aber ihre. Kultus - und Schulverhältniffe betreffend, von Wohlunterrichteten bezeichnet werden, haben die übrigen Städte des Rheinlandes bewogen, schon jetzt ihre, auf den, keinerlei Einschränkung duldenden Prinzipien der Rechtsgleichheit, wie auf der in den benachbarten Landen gemachten Erfahrung beruhenden/Ansichten und Wünsche verfassungsmäßig zur Kenntniß Sr. Maj. des Königs zu bringen. Eine hohe Ständeversammlung wird alsbald zur gründlichen Erörterung der gegenwärtigen Verhältnisse der Israeliten und der-zum gemeinsamen Heile zu ergreifenden Maßregeln schreiten. Eine längere Verschweigung der Gesinnungen, welche Trier's Bewohner in dieser wichtigen Angelegenheit siegen, würde daher eine Versündigung an den, von ihnen in Betreff aller übrigen Zeitfragen ausgestellten Grundsätzen, und eine Verdunkelung ihres imrner bewährten humanen Geistes sein. Es kann nicht geleugnet werden, daß die. unter der Herrschaft der französischen Gesetzgebung eingetretene, beinahe völlige Gleichstellung der hiesigen Israeliten in politischen und ibürgerlisien Rechten, seit der Einverleibung der Rheinprovinz mit der Krone

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.