Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1843)
- Date
- 1843-06-26
- Page
- Seite 381 (sequence 5)
- Language
- German
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881 kennung bethätigte. Hierauf wurde der Beschluß von der Versammlung, in welcher sich nur ein Jude befindet, gefaßt. — Berlin, im Juni. (Privatmitth.) Die Armen-Kommission hiesiger jüdischer Gemeinde hat durch ihren Vorsitzenden, den Herrn Carl Heymann, einen Bericht über die Jahre 1839—1841 geben lassen, der sowol von dem Wohlthätigkeitsstnn der Berliner Juden für ihre lokalen Institute, als auch von dem schönen und regen Eifer gedachter Kommission ein rühmliches Zeugniß giebt. Ganz besonders zu loben sind die Prinzipien, von denen die Kommission ausgeht, und die der Bericht so ausspricht : „Daß Arbeitsfähigen kein Almosen gereicht, sondern vielmehr Gelegenheit zu einem ihren Kräften angemessenen Erwerb gegeben werden müsse, daß auch den Kindern der Dürftigen und Arbeitsscheuen eine große Sorgfalt zu schenken und ein besonderes Augenmerk darauf zu richten sei, daß das Beispiel der Aeltern sie nicht verderbe, und daß sie körperlich und geistig nicht verkümmern; so wie, daß man stets bemüht fein müsse, das Selbstvertrauen des Armen zu heben, ihn auf seine eigene Kraft zu verweisen, und bei der Gewährung von Unterstützungen aus öffentlichen Fonds, sich nicht vom Mitleid Hinreißen zu lassen, das Empfangen nicht so leicht zu machen, und mit den Gaben sparsam zu fein, damit diese Unterstützung als das letzte Mittel erscheine, und nicht eher in Anspruch genommen werde, als bis die andern, auf eigene Thätigkeit beruhenden, vergeblich versucht worden und erschöpft sind: das sind Prinzipien, über welche man einig ist, und deren Ausführung und Anwendung überall mit mehr oder weniger Glück versucht wird." Diesen Prinzipien treten aber allerdings Mißbräuche entgegen, die zu bekämpfen schon schwierig ist: „Wie aber die edelsten Gefühle oft zur Ueberspanntheit führen, wie Sparsamkeit leicht in Geiz, Freigebigkeit in Verschwendung ausarten kann, so hat der schöne Gebrauch des Wohlthuns bei den Juden, auch viele nur mühsam und schwer zu bekämpfende' Nachtheile herbeigeführt. Die Bereitwilligkeit zu geben hat Almosen-Empfänger erzeugt, und das geräuschlose, oft heimliche Entgegenkommen die Scham besiegt, welche Bedürftige gelehrt hatte, Jahre lang in Benutzung ihrer eigenen Kräfte auf Unterstützung von Außen zu verzichten." Dies bewährte sich denn auch für die Kommission thatsächlich. Wahrend in den Jahren 1839 bis 1841 14456 Lhlr. als Unterstützungen überhaupt für 757 Familien verausgabt wurden, so erhielt von dieser Summe die Beschäftigungs-Abtheilung 2279 Lhlr., wodurch 74 Familien ihren Erwerb fanden— allein letzteres fand in so abnehmender Proportion statt, daß 1839: 44 -Familien, 1840:17, 1841: 13 Familien solchen Erwerb suchten. Auf diese Weise kann das Resultat der eifrigen Bemühungen der Kommission, noch zur Arbeit fähige Subjekte zu dieser heranzuziehen und zu veranlassen, noch kein günstiges genannt werden. Jndeß gab damit die Kommission, ein angemessnes Ziel auch hierin zu erreichen , nicht auf. Der Bericht spricht sich darüber so aus: „Die Armen-Kommission hatte die Erfahrung gewonnen, wie nothwendig eine Einrichtung sei, vermöge welcher Armen, die Beschäftigung und Arbeit verlangen, oder solchen, die Unterstützung begehren, während sie noch arbeitsfähig sind, Erwerb durch Arbeit nachgewiesen werden könne, auch mit der Ansicht der Beschäftigungs-Abtheilung übereinstimmend, Gewöhnung an Thätigkeit bei den Armen und Verweisung auf deren eigene Kraft wiederholt für eine der wichtigsten Aufgaben der Armen-Kommission erklären müssen. Sie konnte sich deshalb trotz der nur geringen Erfolge nicht entschließen, das mühsam Gewonnene gleich aufzugeben und das Institut eingehen zu lassen; sie begnügte sich vielmehr damit, für das Jahr 1841 nur eine kleine Summe zur Fortsetzung desselben zu bewilligen, und von der Beschäftigungs-Abtheilung Vorschläge zu verlangen: wodurch der Thätigkeit ärmerer Gemeinde-Mitglieder, vielleicht auch ohne große Geldopfer, eine nutzbringende Richtung gegeben werden könne? Da durch den Abgang des Vorstehers der Beschäftigungs-Abtheilung diese Vorschläge erst im Jahre 1842 eingereicht wurden, so konnte die Wirksamkeit der Beschäftigungs-Abtheilung im Laufe des Jahres 1841 natürlich nur gering sein, sie hat sich bloß auf die Waschanstalt beschränkt, in welcher 13 jüdische Arbeiterinnen zusammen 46 Lage beschäftigt gewesen sind und damit 174 Thlr. 26 Sgr. erworben haben. Eine derselben zeichnete sich durch Fleiß und Thätig-