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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-19 · Heft 25 (19.6.1843) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 25 (19.6.1843)
Date
1843-06-19
Page
Seite 375 (sequence 15)
Language
German
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fast gar kichjs davon. - Wie im. Allgemeinen in Frankreich eine Sache erst dann bedeutend wird und Ansehen erlangt, wenn sie zur Oeffentlickkeit kommt, wenn sie die Presse einige Zeit in Bewegung gesetzt, so auch das Judenthum. Man kann sagen, daß die Vorfälle der letzten Zeit so unglückbringend sie auch waren — erst dazu beitragen mußten, die jüdische Gemeinde dem französischen Volke bekannt zu machen. So ist auch immer noch Cremkeux's Streben darauf gerichtet, der jüdischen Gemeinde, vielleicht auch der Religion, einen Namen zu machen im französischen Lande. Er verfährt dabei, als ob die Religion eine politische Frage ist, und — am Ende hat er nicht ganz Unrecht. Daß aber das Gebäude der Religion dadurch nicht fester wird, steht zu erwarten, und am Ende könnte es kommen, daß es wol Juden giebt in Paris, aber keine Religion. So wenigstens sind die Bestrebungen. Insofern die Juden eine vom Staate anerkannte Religion bekennen, zu einer dem Staate angehörigen Gesellschaft sich gebildet, ist es nicht unangenehm, Jude zu sein, aber es ist wenigstens nicht angenehm, die jüdische Religion zu bekennen, weil französische Ignoranz immer noch Vorurtheile gegen die Lehren unseres Glaubens hat. So erklären wir uns denn auch die Sucht des französischen Konsistoriums, im jüdischen Gottesdienst so viel als thunlich den katholischen Ritus nachzuahmen; man geht in dieser Nachahmungssucht mitunter zu weit, so daß es in's Lächerliche fällt. Bei Gelegenheit des Todes des Herzog von Orleans z. B. hielt man in dem Tempel eben so gut einen Gottesdienst, wie in den Kirchen: das ist sicher in Ordnung. Wozu man aber einen Sarkophag errichtete, ein Gebrauch, der dem jüdischen Ritus so ganz zuwider ist, begreife ich heute noch nicht. Nur muß ich dabei noch bemerken, daß damals der große Tempel ausgebauet wurde, und man feierte diesen Gottesdienst in dem kleinen dabei liegenden Tempel der Portugiesen, und hatte also um so weniger Ursache, so viel Umstände zu machen, denn so recht feierlich konnte der Gottesdienst schon nicht sein, da der Raum beschränkt war. — Beim Tode des sel. Rabbinen Deutz ward die Leiche sogar in den Tempel gebracht, was doch ganz gegen unsere Vorschriften ist. So wie hier im Großen, äußert sich diese Nachahmungssucht überall im Kleinen. Daß trotz solcher Bestrebungen der Gottesdienst im großen Tempel kein würdiger genannt werden kann, ist sicher kaum glaublich. Wenn ich nicht gar zu oft gehört hatte, wie in der großen Synagoge die Mizwot in einem schlechten Deutsch verkauft werden,' ich gestehe Ihnen, ich würde es nicht glauben. .Und daß es — wie man behauptet — richtig sein soll, um die Kosten des Gottesdienstes zu bestreiten, ist der stärkste Beweis von der hier herrschenden Indifferenz. Es ist bekannt, daß der Staat jährlich eine bedeutende Summe giebt, die hinreichend ist, alle Beamte zu besolden; vor Kurzem sagte mir noch Herr Cremieux, daß er eine bedeutende Erweiterung des Budjet in seinem Bureau bewilligt erhalten. Niemand tragt etwas zur Gemeinde bei in Frankreich: seitdem das Budjet genehmigt, haben alle Beitrage aufgehört. Der Tempel war verschuldet, der Staat hat 4 der Schuld übernommen, und um das letzte Viertel zu bezahlen, oder vorläufig um die Zinsen zu erschwingen, verkauft man die Mizwot. Das würde in keiner deutschen Gemeinde vorfallen. Der Gottesdienst ist fast gar nicht geändert, doch hält man auf einen schönen Vorsänger, das Chor ist von geringer Anzahl. Neuerdings hat man einen Vorsänger engagirt, der früher Opernsänger war, und jetzt erst anfängt, hebräisch zu lernen. Es -ist der Sohn des ersten Küsters. Daß von Ruhe und Andacht beim Gottesdienst keine Spur, läßt sich nicht anders erwarten. Für Schulen wird schon.mehr gethan, doch werden sie wenig besucht. Christliche Pensionats halten jüdische Lehrer, um die israelitischen Zöglinge ihrer Anstalt in ihrer Religion unterrichten zu lassen. Solche' Pensionäre sind mehrere in diesem Viertel. Neben dem Haupttempel ist der Tempel der Portugiesen,Mein einfacher, kleiner Saal, indem nur an Ruhe- und Festtagen Gottesdienst gehalten wird. — In den südlicheren Provinzen Herrscht em weit-sicherer Grad von Religiosität; doch könnte ich von dort-Ihnen nur von Hörensagen berichten, und das liebe ich nicht. Was ich Ihnen aber von Paris geschrieben, habe ich, wie Sie wissen, aus eigener.Anschauung, und würde ich noch ausführlicher erzählt haben, wenn ich nicht befürchten müßte, die Grenzen eines einfachen Berichtes schon'zu sehr überschritten zu haben. Frankfurt am Main, Mai 1843. Louis Simon.

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