Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-19 · Heft 25 (19.6.1843) · p. Seite 374

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 25 (19.6.1843)
Date
1843-06-19
Page
Seite 374 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225307--05304-3235949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

371 Tritt an den Greis ganz nah Des Urenkels Söhnlein da. Mit Kindes Liebesgekose, In der'Hand die duftende Rose. Und wie der Duft ihn durchdrungen, Und' wie ihm schmeichelt das Kind, Da erwacht in der Brust ihm geschwind Das Licht der Erinnerungen, Der eignen Jugend Bild Zst plötzlich ihm enthüllt. Und wie er lebt' und geliebet, Und was ihn erfreut und getrübet. Da fährt er auf vom Sitze, Vom Boden hebt sich der Bart, Aufallen Foliant und Quart, Und wie durchzuckt vom Blitze, Zu Staub zusammen er fällt: „Mein Leben war verfehlt!" So hat er gefunden die Lösung, Und ihn ergreift die Verwesung. — Kor ref p o n - e n z e n. Briefe aus Paris. - (Schluß.) Man hat dieses sich Lossagen von der Religion — denn so kann man es allerdings nennen — der Emanzipation zuschreiben wollen, aber mit Unrecht; ich kann mir durchaus nicht denken, wie so größere Freiheit zu Jndifferentismus führen soll. Es ist nicht zu laugnen, daß Druck und Leiden stets nur gebient, eine größere Anhänglichkeit am Glauben zu erzeugen, eine innigere Verbindung unter Juden eines und verschiedener Leiden hervorzubringen, aber vom Gegentheil haben wir keinen Beweis. Wer. seiner Religion wahrhaft anhängt, der bleibt ihr treu in allen Verhältnissen des Lebens, und so finden wir denn auch in Paris auch unter den gebildeteren Ständen eine kleine Anzahl, die Juden im wahrhaften Sinne des Wortes geblieben,, denen Verbreitung von Religiosität Aufgabe des Lebens, denen Beschäftigung mit der heiligen Sprache ein Vergnügen, die tief emgedrungen in die Schriften unserer Lehrer, eine gediegene Kenntnkß des Alten mit allen profanen Wissenschaften vereinigen. Und hier müssen wir wieder des Hauses Rothschild gedenken, welches gerade diese Bestrebungen mit besonderem Interesse protegirt, indem die Näherstehenden hier das Ferne stets freundlich vermittlen. Ich spreche Ihnen nicht von den Leistungen des vr. Munk, und einiger Anderer, die bekannt genug sind: weniger bekannt ist es aber in Deutschland, daß wir es dem Dr. Albert Cohen verdanken, daß wir jetzt den Kommentar des (Kimchi) zum Pentateuch haben, weil er sich der Mühe unterzogen, ihn vom Manuskripte in der Pariser Bibliothek zu kopiren. Und vr. A. Cohen ist der Lehrer der Rothschild'schen Familie. — Im Vergleich zu Deutschland sind freilich dergleichen Bestrebungen in Frankreich nur gering, es ist aber doch etwas, und am Ende ausreichend, denn das Interesse für die Religion ist doch bedeutend geringer in Paris, wie in einer-deutschen Stadt. So sind die Archives, deren Redakteur auch die Bibel übersetzt, sehr verbreitet in Frankreich; aber außer einigen Andachtsbüchern, größtentheils nur in französischer Sprache geschrieben, und an denen der Geist des Pariser Judaismus sich schon erkennen läßtwest sie Unkenntniß des Hebräischen voraussetzen und nur eine oberflächliche Kennlniß der Religion und ihrer Vorschriften verbreiten sollen und können, giebt es wenig oder gar nichts in Paris. So dürfen wir uns denn auch nicht wundern, den sogenannten gränd temple oder, wie er gewöhnlich genannt wird, 1e temple du consistoire central leer zu finden *). Mit diesem vonslsloire hat es eine eigene Bewandiß, und ist man in Deutschland sehr im Jrcthum, wenn man sich einen so großen Begriff davon macht. Das französische Konsistorium ist eigentlich nur eine administrative Behörde, denn für die Religion thut es wenig, und was es thut ist sicher eher den pariser'Juden als der jüdischen Religion anpassend. - Als Haupt des Konsistoriums kann man Cremieux betrachten, obgleich er nur Vize-Präsident ist. Was er thut und gethan, ist zu bekannt, als daß ich davon nur sprechen sollte. Man kann sagen, daß durch ihn die jüdische Religion in Frankreich einen Namen erhalten; früher wußte man *) Ausgenommen an hohen Festtagen; am Jomkippur findet sich auch die Rachel auf kurze Zeit ein, sonst hat sie mit ihrer Religion nicht mehr viel zu schaffen. Sie' lebt theils der Kunst, theils ihren Vergnügungen. - " Korresp. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.