Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1843)
- Date
- 1843-06-19
- Page
- Seite 373 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225307--05303-3235948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
373 ihm Rabbi Chaninah nach und bat und schrie. Da kam der Hund, dem er im Walde ebenfalls von feinem Brode gegeben, und bellte: „Güter Rabbi, lieb und werth, Bin der Hund, den Du genährt. Was es sei, bedarfst Du mein. Will Dir gern zu Diensten sein." „Du bist mir willkommen," sagte Rabbi Chaninah; ich habe da ein Ringlein verloren, da ist ein wildes Schwein gekommen und hat es mir hinuntergeschluckt. Sogleich eilte der Hund dem Schweine nachzerriß dasselbe in zwei Stücke, und der Rabbi fand sein Ringlein wieder und zog damit fröhlich und wohlgemuth zu der Fürstin. Die Fürstin erschrak gar sehr, als sie das Ringlein sah; denn sie hatte nicht geglaubt, daß es möglich wäre, dasselbe wieder zu finden. Sie hielt aber -Wort und sagte zum Rabbi: „Ich habe Dir zugesagt, wenn Du mir die zwei Bedingungen erfüllst, so will ich mit Dir ziehen. Du hast sie mir erfüllt, so will ich auch halten, was ich Dir zugesagt habe, und will mit Dir ziehen." Und so zog sie sammt ihren Rathen mit dem Rabbi zum König. 6. Der Tausch. Als die Fürstin vor den König kam, gefiel sie ihm gar wohl, so daß er noch denselben Tag Rabbi Chaninah umhersandte und die Leute auf seine Hochzeit beten ließ. Als aber die Aelteften, welche dem Rabbi feind waren, sahen, wie demselben Alles so wohlgelungen sei, daß er wieder ein und aus bei dem Könige ging und noch angesehener war als vorher, da paßten, sie ihm auf und erschlugen ihn. Die Königin erschrak sehr, als sie dieses erfuhr; sie eilte indeß sogleich selbst zu dem Erschlagenen hin und sagte: „Er ist nicht tobt, er ist nur ohnmächtig." Dann zog sie das Krüglein mit dem Gan Eden- Wasser hervor, wusch den Rabbi mit dem Wasser, und siehe, er ward wieder so lebendig, als wäre er nie tobt gewesen. Das wunderte den König sehr, so daß er sagte: „Ich nehme sie nicht zur Gemahlin, sie schlage mich denn zwar todt und mache'mich auch wieder lebendig." „Thue das nicht mein lieber Herr und König!" bat die Königin; „wenn ich Einen wieder lebendig machen soll, so muß er ein vollkommen frommer und gottesfürchtiger Mann sein." Aber der König wollte ihr nicht glauben und gebot seinen Knecht, ihn todt zu schlagen. Da nahm die Königin statt des Gan Eden-Wassers das Gehinnvm-Wasser, goß davon auf .ihn und er verbrannte und wurde zu eitel Asche und Pulver. „Seht!" sagte die Königin zu den Rathen und Weisen des Volkes, wäre er recht fromm gewesen, so würde er, eben so wie Rabbi Chaninah, wieder lebendig geworden sein; doch ihr wißt recht ^ut, daß er ein großer und arger Tyrann war." Die Räthe aber und die Weifen, als sie sahen, wie weise Rabbi Chaninah sei und zugleich so fromm, wählten denselben, nachdem sie sich berathen, zum König über Israel und gaben ihm, da unterdeß sein Weib gestorben war, die Königin zur Gemahlin, und er richtete Israel lange Zeit. Die N o f e. Eine Sage. *) In alterthümlicher Zelle Sitzt eine hohe Gestalt, Von weißem Talar umwallt. Und mit dem Blick so Helle Schaut hin sie unverwandt Auf großen Foliant, Es fließt bis zum Boden der Zelle Des Silberbactes Welle. So saß sie der Jahre viele, Jahrhunderte sie schon zahlt, Doch ihrer Forschung fehlt Es immer noch am Ziele; Es ziehet Geschlecht auf Geschlecht, Es wandelt Herr und Knecht: So lang nicht gefunden die Lösung, Ergreift ihn nimmer Verwesung. Doch wie aus vergangnen Zeiten Der alte Rabbi da ruht, Nur innen wogt die Fluth, Und die Gedanken streiten: •) Ln Prag.