Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1843)
- Date
- 1843-06-19
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225307--05300-3235945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ren. Diese--Klippen umschließen den heiligen Berg auf drei Seiten, und lassen blos noch die östliche und nordöstliche Seite nach dem Meerbusen von Akabah zu dem rAttge frei. — Wir kamen durch ein enges ungefähr 40 Fuß breites Defilee, mit Granitfelsen zu beiden Seiten, in die obenerwähnten Klippen. (In diesem Defilee -fiüdet sich der sogenannte Mosis-Sitz). Weiter, hinauf öffnet sich das Thal. Die Berge treten auf beiden Sek-' ten von dem Wege zurück, und der Wady esh-Sheikh steigt in südlicher Richtung noch immer in die Höhe." -Der Eingang zu diesem Defilee von Westen her ist fünf Stunden von der Stelle entfernt, wo der Wady Sheikh von der Ebne er Rühah ausgeht. Das würde der Entfernung von Raphidim ganz entsprechen; und dann würden die geschwärzten Klippen die Vocberge des Horeb sein. Ich kenne keinen Einwand, der gegen diese Ansicht gemacht werden könnte, ausgenommen einen, der 'aber auf jede Stelle des Wady Sheikh und der Umgegend angewandt werden könnte, nämlich, daß weder hier noch auf diesem ganzen Striche gegenwärtig ein besonderer Wassermangel statt findet. Es giebt^ÄMen Brunnen dicht am Defilee selbst; und eine Stundeaberhalb desselben ist eine Quelle, Abu Suweirah genannt, die wir besuchten; außer mehrern andern an verschiedenen Stellen. Diese Schwierigkeit kann ich nicht anders lösen, als durch die Annahme, daß, da das Volk längere Zeit zu Raphidim geblieben zu sein scheint, der geringe Wasservorrath bald erschöpft war." „Es geschah, wahrend sie in Raphidim gelagert waren, daß AMalek heraufkam und mit Israel stritt. (2M. 17, 8.) Man braucht sich dazu nicht nach einer großen, freien Ebne umzusehn, wo die Schlacht nach den Regeln der neuern Kriegskunst statkgefünden haben möchte. Die 'Amalekiter waren eine Nomaden-Horde, die einen ungeordneten Angriff auf eine Masse machte, welche wahrscheinlich nicht viel besser als sie selbst eingeübt war; und 'zu solchen Treffen bieten die niedrigen Hügel und das freie Feld rings um diesen Theil des Wady esh-Sheikh hinreichend Raum dar." „Nach dem Abzüge der Israeliten vom Berge Sinai hört man weder Ln der Schrift noch sonst wo anders, daß ihn irgend ein Jude wieder besucht habe, ausgenommen der Prophet Elias, als er vor den Nachstellungen der Jsebel floh (1 Kön. 19, 3—8). Das ist um so merkwürdiger, da diese Gegend der Sitz der Offenbarung ihres Gesetzes gewesen, an dem sie so hartnäckig festhielten; und weil die vom Geiste Gottes beseelten Sänger -Israels von der Herrlichkeit und ' der Furchtbarkeit jener Begebenheit die erhabensten Bilder zu entlehnen pflegten."-— ' (Fortsetzung folgt.) BelletrL st L k. Rabbi Chaninah. (Ein jüdisches Mährchen von A. Tendlau.) (Fortsetzung und Schluß.) 3. Die goldlockige Braut. Zur selben Zeit hatte der König von Israel keine Frau; er war aber ein großer Tyrann. Da kamen die Aeltesten von Israel zu ihm und sagten, er möchte doch eine Frau Nehmen; denn es sei nicht hübsch, daß ein König ohne ein Gemahl lebe. — Sie meinten nämlich, wenn er eine Frau hätte, sollte er sanft und fromm werden. — „Kommt in acht Tagen wieder," sagte der König zu ihnen, „so will ich euch Antwort geben." In demselben acht Tagen trug Rabbi Chaninah seinen Schülern die Satzungen über die Vögel vor, welche rein und welche unrein seien *). Da kam ein schwarzer Rabe hergeflogen und betete laut: „O möchtest, Gott! du nicht vermehren, Zu sehr Chaninah's Gut und Ehren." Nach einer Weile.-kam ein anderer Vogel und schrie dasselbe. Darüber verwunderte sich der Rabbi sehr, denn er verstand wohl, was die beiden Vögel geschrieen, da der Frosch ihm ihre Sprache gelehrt hatte. Als nun die acht Tage um waren, welche der König festgesetzt hatte, gingen die Aeltesten wieder zu ihm, um Antwort zu erhalten. Während sie so mit dem König sprachen, flog ein Vogel daher, der ein goldgelbes Haar im Schnabel trug, schwebte einige Augenblicke über dem König, dann ließ er*das Haar auf des Königs Achsel fallen. Der König nahm das Haar von seiner Achsel, besah es, und siehe, es war so lang, als er groß war. Da sprach der König zu den Aeltesten: „Ich werde kein ande- *) Die reinen dürfen gegessen, die unreinen, wie eben der Rabe, dürfen nicht gegessen werden.