Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1843)
- Date
- 1843-06-19
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225307--05299-3235944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
869 spräche, als diese. Ich habe aber das Einzelne genau dargelegt , weil frühere Reifende, diesen Punkt nur obenhin berührt haben, und weil es bis auf den heutigen Lag unter den Gelehrten eine gewöhnliche Meinung ist, daß es keinen freien Raum zwischen diesen Bergen gebe. Wir waren auch überrascht und erfreut, hier tief im Innern dieser finstern Granitklippen diese schöne Ebne vor dem Berge ausgebreitet zu sehen. Ich weiß nicht, wann mich je eine starrere Bewegung durchzuckt hat, als da wir zum ersten Male über diese Ebne zogen, und während die dunkeln Felswände des Horeb in feierlicher Erhabenheit vor unsern Blicken aufstiegen, die Ueberzeugung über mich kam, wie vollkommen der ganze Schauplatz sich für die Zwecke, für welche der große Gesetzgeber Israels ihn wählte, eignete. Moses ist ohne Zweifel während der vierzig Jahre, da er die Schaafe Iethro's hüthete, oft über diese Berge gewandert, und war mit den Thälern und Liefen Gründen eben so gut bekannt, wie die jetzigen Araber. Auf jeden Fall hatte er den Ort besucht, wohin er sein Volk führen sollte, (2 M. 3, 1.), — dieses Adytum mitten in dem großen Kreise der Granitumgebung, mit einem einzigen, nicht beschwerlichen Zugänge versehn, ein geheimer, heiliger Ort, von der Welt durch einsame öde Gebirge abgeschlossen." „Die Israeliten nahten sich dem Berge Sinai wahrscheinlich durch den Wady Feirün, und traten durch das obere Ende des Wady es-Shrikh in die Ebne. Wenigstens giebt es keinen begreiflichem Grund, warum sie südlich vom Berge Serbül gegangen sein, und den schwierigen Umweg bei Tür und durch den Wady Hibrün gemacht haben sollten, wie man oft gemeint hat. Von der Wüste Sin, für die ich oben die große Ebne längs dem Uferangenommen habe, bis zum Sinai werden drei Stationen genannt, Dophkah/ Alus und Raphidim. (4 M. 83, 12—15.) Dies gilt so viel als vier Tagereisen für ein solches Heer, und stimmt ganz mit der Entfernung von 26 bis 28 Stunden überein, in welcher Zeit die Kameele sie gewöhnlich zurücklegen." „Die Benennungen Horeb und Sinai werden im Pentateuch abwechselnd gebraucht, um den Berg zu bezeichnen , auf welchem das Gesetz gegeben wurde, und dieser Umstand hat den Auslegern von jeher viele Mühe verursacht. Die gewöhnlichste und naheliegende Erklärung ist, den einen (Sinai) als den allgemeinen Namen für die ganze Gruppe, und. den andern (Horeb) als Bezeichnung eines besvndern Berges anzusehn; ziemlich ebenso, wie von den heutigen Christen dieselben Namen gebraucht werden. So brauchen auch jetzt' die Araber die Benennung Iebel et-Tür, um die ganze innere Granitgegend zu bezeichnen, während die einzelnen Berge/ aus denen sie besteht, Iebel Kütherin, Jede! Müsa u. s. w. heißen. Indem ich darüber während unsers Aufenthalts im Kloster Untersuchungen anstellte, kam ich zu einem ähnlichen Schluß, doch mit einer andern Anwendung der Namen, indem ich Horeb als den allgemeinen und Sinai als den besondern Namen ansehe. Zwei Umstande scheinen diesen Schluß zu begünstigen. Der eine ist, daß vor und während des Zuges der Israeliten aus Aegypten nach der Stelle, wo das Gesetz gegeben worden, diese letztere nur Horeb genannt wird, gerade ebenso wie die Araber jetzt von der Reise von Kairo nach Iebel et-Tür sprechen; jedoch während des Aufenthalts der Hebräer vor dem Berge, dieser mit einer einzigen Ausnahme nur als Sinai bezeichnet, und -nach ihrer Abreife wieder ausschließlich Horeb genannt wird. Der andre, und hauptsächlichste Umstand ist, daß, während die Israeliten sich in Raphidin^elagert hatten, Mose den Befehl erhielt, mit den AEflen vor dem Volke herzugehn und den Fels in Horeb zu schlagen, um Wasser für's Lager zu bekommen. Die nolhwendige Schlußfolge hieraus ist, daß.ein Theil des Horeb nahe bei Raphidim lag, wahrend der Sinai noch eine Tagereise davon entfernt war. (2 M. 17, 1. 5. 6. 19, 1. 2.)." Die Lage von Raphidim kann man auch nur aus denselben Schriftstellen entnehmen, die so eben angeführt sind. Wenn wir zugeben, daß Horeb . der allgemeine Name für die innere Berggruppe ist und daß die Israeliten durch den großen Wady Sheikh sich ihm näherten, dann kann Raphidim nur an irgend einer Stelle in diesem Thale, nicht weit von den Vorbergen des Horeb gewesen sein, etwa einen Tagemarsch von dem eigentlichen Berge Sinai entfernt. Solch' eine Stelle findet sich da, wo der Wady Sheikh aus den hohen, inner» Granitklippen heraustritt. Wir haben die Stelle nicht besucht, aber Burckhardt beschreibt sie beim Hinaufsteigen durch Wady Sheikh nach , dem Kloster zu auf folgende Weise: „Wir näherten uns jetzt derr im Mittelpunkte stehenden Gipfeln des. Sinai, die wir mehrere Tag lang schon im Auge gehabt hatten. Diese-Granitklippen , 6—800 Fuß hoch , deren Oberstache die Sonne geschwärzt hat, umgeben die. Zugänge), welche zu der erhöhten Plattform, die (jetzt) im engem Sinne Sinai genannt wird, füh- 25»