Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1843)
- Date
- 1843-06-19
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225307--05298-3235943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
368 dem Augenblick sich in unsre Seele drängten, waren fast überwältigend. So wie wir weiter gingen, stellten sich neue/ interessante Punkte unfern Blicken dar. Zur Linken des Sinai zieht sich ein tiefes, enges Thal Südsüdost zwischen hohen Felsenmau. rn fort, als ob es die Fortsetzung des südöstEMWnkels der Ebne wäre. In diesem Thale, etwa eine chalb?Ätünde tief hineinwärts steht das Kloster. Das dunkle Grün seiner Fruchtbäume und Zypressen lächelt dem Wanderer schon aus der Ferne entgegen: — eine schöne Oase mitten in schauriger Oede! An dem südwestlichen Winkel der Ebne treten die Felsklippen zurück und bilden einen Einbug oder freien Platz, der sich von der Ebne nach Westen hin noch etwas weiter erstreckt. Von diesem Einbug aus zieht sich fast ein eben solches Thal auf der Westseite des Sinai hin. Dieses Thal heißt el-Leja und lauft parallel mit dem, in welchem sich das Kloster befindet. Hier steht das verlassene Kloster el-Arba'in mit seinem Garten von Oliven und andern Fruchtbaumen; es ist von der Ebne aus nicht zu sehn. Ein dritter Garten liegt am Auslauf von el-Leja, und ein vierter noch weiter westlich in dem so erwähnten Einbug. Die ganze Ebne heißt Wady er- Rüha, und das Thal des Klosters kennen die Araber unter dem Namen Wady Shu'eib, d. i. Thal desIethro.— Als wir weiter gingen erhob sich der Horeb wie eine Mauer vor uns. Man kann ganz nahe an den Fuß desselben herantreten und den Berg anrühren. Dicht vor seinem Fuße ist das tiefe Bett eines Gießbachs, durch welchen zur Regenzeit das Wasser von el-Leja und von den Bergen rings um den Einbug, quer über die Ebne nach Osten geht. Dies ist der Anfang des Wady esh- Sheikh, welcher dann durch eine Oeffnung in den Felsklippen des östlichen Gebirges ausläuft, ein schönes, breites Thal, das den einzigen bequemen Zugang zur Ebne und zum Kloster bietet,— Indem wir so über die Ebne schritten, wurden wir davon sehr ergriffen, daß wir hier so unerwarteter Weise einen Fleck fanden, der so ganz zu der biblischen Erzählung von der Gesetzgebung paßt. Kein Reisender hat diese Ebene beschrieben, keiner sie anders ahs in flüchtigen und allgemeinen Ausdrücken erwähnt;' vielleicht weil die Meisten auf einem andern Wege das Kloster erreichten, ohne über dieselbe zu gehn; und, vielleicht auch deshalb, weil weder der höchste Gipfel des Sinai (jetzt Iebel Müsa genannt) noch die noch höhere Spitze St, Katharina von irgend einer Stelle derselben sichtbar sind." — „Wir maßen quer über die Ebne, wo wir auf der Wasserscheide standen- und fanden, daß die Breite an jener Stelle 2700 englische Fuß, oder 900 Uards betrug, obgleich sie an andern Stellen breiter ist. Die Entfernung bis zum Fuße des Horeb, ebenso gemessen, betrug 7000 Fuß oder 2333 Pards. Den nördlichen Abfall der Ebne (nördlich von unserm Standpunkte aus) schätzten wir etwas weniger als ein? englische Meile lang und eine Drittel-Meile breit. Wir können daher die ganze Ebne recht gut zwei engl, geograph. Meilen lang und ein bis zwei Drittel-Meile breit schätzen, oder so viel als die Fläche von wenigstens einer solchen Quadrat- Meile. Dieser Raum wird fast verdoppelt, sowol durch den ofterwahnten Einbug im Westen, als durch die breite, ebne Fläche des Wady esh-Sheikh im Osten, der rechtwinklig aus der Ebne auslauft und auf gleiche Weise von der Vorderseite und dem Gipfel des jetzigen Horeb gesehn werden kann." „Die Untersuchung überzeugte uns, daß hier Raum genug war, um allen Erfordernissen der biblischen Erzählung zu genügen, nach welcher die Israeliten hier versammelt waren, *um das Gesetz zu empfangen. *Auch kann man das Passende jenes Befehls, ein Gehege um den Berg her zu machen, recht wol einsehen, damit nämlich weder Mensch noch Thier ihm zu nahe käme. (2 Mos. 19, 12. 13.) Das Lager „gegen dem Berge" möchte, wie schon vorhin angedeutet, nicht unwahrscheinlich blos aus dem Hauptquartier des Mose, der Aeltesten und eines Theils des Volks bestanden haben, während die Uebrkgen mit ihren Heerden in den nahe gelegenen Thalern zerstreut waren." „Wir kamen mit einigem Unglauben zum Sinai und mit dem Vorsatz zu untersuchen, ob außer der klösterlichen Ueberlieflrung noch irgend ein wahrscheinlicher Grund vorhanden sei, den jetzt dafür gehaltenen Berg als den Sinai zu betrachten. Das Obige wird den Leser mit den Gründen bekannt gemacht haben, die uns zu der Ueberzeugung brachten, daß die beschriebne Ebne ec-Rahah der Ort sei, wo die Gemeinde Israels versammelt wurde, und daß der darüber hereinragende Berg, der jetzige. Horeb, die Stelle war, wo die erhabenen Erscheinungen statt fanden, unter denen das Gesetz gegeben wurde. Nach langer Prüfung und Forschung waren wir davon völlig überzeugt, daß es an keiner andern Stelle der Halbinsel, und wenigstens nicht um irgend eine der hohem Spitzen eine Stelle giebt, die auch nur einigermaßen so ganz der geschichtlichen Erzählung und den bei der Begebenheit obwaltenden Umständen ent-