Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1843)
- Date
- 1843-06-19
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 rnasker Märtyrer als proces-verhal abdrucken zu lassen — die übrigens schwerlich eine Anklage des Judenthums oder eine Vertheidigung des Christenthums sind — daß ein gewisser Marquard die Heftigsten Stellen jener Broschüre in's Deutsche übersetzte, um daraus eine Anklage aller Juden zu schmieden: der Minister der Justiz und der Kulte verlangte unterm 15. April vom Zentral-Konsistorium Aufklärung über diese Sache. Den 20. April übergab das Zentral-Konsistorium dem Minister die Kopie einer desfalPgen Korrespondenz mit dem Konsistorium in Marseille, zu dessen Sprengel Lyon gehört, die bereits den 8. Januar vor sich gegangen. In einem Schreiben an das Marseiller Konsistorium hatte das Zentral-Konsistorium die Predigt in den stärksten Ausdrückengemißbilligt, den Synagogenöorsteher zu Lyon wegen Zulassung einer solchen Predigt und der Nichtverhinderung ihres Drucks zur Rechenschaft gezogen, und im Namen aller franz. Israeliten dagegen protestirt. Das Marseiller Konsistorium in seiner Antwort vom 25. Januar bekennt zuerst, die Broschüre gar nicht gekannt zu haben (!), daß in Lyon gegenwärtig kein Synagogenvorsteher sei, und Herr F. seine Eigenschaft als Mitglied der administrativen Kommission dieser Gemeinde gemißbraucht habe. Es schloß darauf den Herrn F. von dieser Kommission aus, was es durch einen Anschlag in der Synagoge bekannt machte, in welchem zugleich die Predigt stark gemißbilligt ward. — —. Die Arch. isr. de Fr. enthalten Auszüge aus dem Bericht des Großrabbinen A. Aron über seine erste Rundreise. Wir werden in nächster Nummer Einiges daraus berichten. —. Victor Hugo laßt in den „Burggraves“, seinem neuesten Drama, einen Vater seinen Sohn beklagen, der von den Juden „Behufs des Sabbats" ermordet worden. Es wurden mehre Reklamationen an den — bekanntlich sehr hochmüthigen — Dichter gerichtet, und dieser entschuldigt sich ganz kurz: „Es gab im dreizehnten Jahrhundert Vorurtheile, und das beweist die Geschichte dieses Kindes." — Zum Glück bedarf es der Reklamationen nicht weiter, denn das Stück ist — trotz aller Reklame und Puffe — durchgefallen, und bereits vergessen. —. Gussaph Halphen, der bereits mehre Konsistorialämter bekleidet hat, ist vom Sultan'zum General-Konsul in Paris erwählt worden, und hat vom Könige das Exequatur bekommen. (Arch. isr. de Fr.) Nordamerika. Philadelphia, im Mai. (Privatmitth.) Die erste Nummer der ersten amerikanischen jüdischen Zeitschrift, deren Begründung wir schon früher meldeten, ist erschienen. Sie hat sich als Monatsschrift konstituirt, und den Titel: the Occideut and american jewish advocate, angenommen. Ihr erstes Heft ist „Nissan 5603, April 1843" datirt. Der Inhalt dieses ersten Heftes ist: „Einleitende Bemerkungen," die den, hinlänglich durch sich selbst einleuchtenden Zweck der Monatsschrift erklärt, alles, was das jüdische Interesse, speziell vom amerikanischen Standpunkt, in Anspruch nimmt, zu verfolgen. Diesen folgt eine Predigt „über die Wunder," wie der Red. sagt, die dritte über diesen Gegenstand, allerdings nur ein einfacher Vortrag, ohne künstlerische Anordnung, aber mit Wärme den gläubigen Standpunkt in's Licht stellend. Alsdann einige Uebertragungen aus les matinees du samedi. „Ueber die Gründung einer jüdischen Kolonie in den vereinigten Staaten von I. Stern." Der Herausgeber spricht sich eher gegen als für diesen Plan aus, da er die jüdische Gesetzgebung mit der der vereinigten Staaten für nicht vereinbar hält, und es angemeffner sei, daß wir Gemeinden, nicht aber Staaten bildeten, um so mehr, da den Juden in den V. St. auch nicht das geringste gesetzliche Hinderniß entgegenstehl. Der Verfasser des Aufsatzes hat aber infonders die deutschen Juden im Auge, denen die bürgerliche Gleichstellung in unserm Zeit-- alter doch nicht zu Theil werde, und die in Deutschland zum Ackerbau nicht kommen könnten, weil zu diesem eine vieljährige Erfahrung gehöre, welche bei der Urbarmachung in Amerika weniger nothwendig sei. Der Herausgeber verspricht über diesen Gegenstand ein Mehreres. — „Das Leben eines frommen Israeliten," aus dem Deutschen des Dr. Creizenach. — „Die Juden im Orient," aus dieser Zeitung, jedoch, wie das vorhergehende, aus den Arch. isr. de Fr. — „Die Sonntagsschule für religiösen Unterricht der Israeliten in Philadelphia,"