Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-19 · Heft 25 (19.6.1843) · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 25 (19.6.1843)
Date
1843-06-19
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225307--05295-3235940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

865 Maßregel des Ober-Präsidenten v. Merckel gegen den hiesigen-Rabbiner, dürfte die aktenmäßig beglaubigte Lhatsache erregen, daß unter den Augen der hiesigen Regierung mehrere Hundert selbstständige Individuen hier ansässig sind, von denen es unbekannt ist, ob sie ChristeK oder Juden sind, da sie zur christlichen Kirche sich nicht halten, aber auch bei der hiesigen Judengemeinde nicht inkorporivt sind. Eben so unglaublich e muß es auswärts erscheinen, daß die hiesige Gemeinde, obgleich sie seit undenklichen Zeiten das Exekutionsrecht gegen säumige Kontribuenten besitzt, gleichwol von der Vorgesetzten Behörde an der Geltendmachung dieses Rechtes gehindert wird, während in Berlin, im Großherzogthum Posen, am Rhein, überall dieses Recht ungehindert geübt wird, die Berliner Juden- »gemeinde sogar ihren eigenen Exekutor für die Eintreibung der rückständigen Beiträge besitzt und besoldet. Wie es heißt, beabsichtigt der hiesige Gemeindevorstand, sich zur Regulirung der Gemeinde- Verhaltnisse vom Ministerium einen Königl. Kommiffarius aus Berlin zu erbitten; eine Maßregel, die unseres Dafürhaltens, am geeignetsten wäre> das durch Hemmnisse mancherlei Art in Verwirrung gekommene Gemeindewesen wieder zu ordnen und die faktische Existenz einer Gemeinde in der Gemeinde zu verhindern. Düsseldorf, 7. Juni. (M. Z.) In der am 30. Mai gehaltenen achten Plenar-Sitzung des Rheinischen Provinzial-Landtages wird die Verlesung der eingegangenen Anträge wieder ausgenommen. — Fünf Anträge behandeln die- Verhältnisse der Juden und verlangen: . 1) Aufhebung jeder Rechtsungleichheit für die Juden der Rheinprovinz, namentlich Aushebung des .Judendekrets vom 17. März 1808, unter Hinzufügung von Petitionen aus den Städten Bonn, Düsseldorff und Köln; allmälige Einsetzung der Juden in den Genuß derjenigen politischen und bürgerlichen Rechte, wozu ihre eigene fortgeschrittene Bildung sie befähige, die Gleichheit der Lasten sie berechtige und welche der humane Geist der Zeit und des Christenthums ihnen willig gewähre; beigefügt ist eine Bittschrift einer Anzahl Einwohner aus Saarbrücken,.St. Johann.und Umgegend. 3) Entfernung derjenigen Bestimmungen aus dem Gemeinde-Ordnungs-Entwürfe, welche die Juden von den Gemeindeämtern ausschließen, mit einer Vorstellung des israelitischen Konsistoriums zu Crefeld. Die Anträge werden an die Ausschüsse für Gesetzgebung und für Kommunal- und Polizeisachen verwiesen. Oesterreich. Aus Mähren, 8. Mai. (Privatmitth.) Der wohlthätige Einfluß, den Ne deutschen Predigten der Rabbinen Fasset — Rabbiner zu Proßnitz — Neuda — Rabbiner zu Loschitz — Schmieds — Rabbiner zu Hotzenplotz — üben, erstreckt sich nicht nur aus die resp. Gemeinden, sondern auch auf andere Städte Mährens, ja auf manche Stadt, in welcher eine deutsche. Predigt noch ein Kuriosum ist. So wurde am vergangenen Pesach-Feste in den Städten Gewitsch, Ungarisch-Brod, Proßnitz gepredigt, und zwar, was vielleicht Ihre Leser noch mehr überraschen wird, predigten Rabbinatskandidaten. Wenn das Detail der Predigten nicht mehr vor das Forum der Oeffentlichkeit gehört, so muß ich doch die Predigt des Kandidaten M. Steinschneider, der durch seine literarischen Arbeiten rühmlichst bekannt ist — besonders hervorheben, indem Herr Steinschneider in kühner und offener Sprache den Jndifferentismns der jungen Leute und die Orthodoxie der Alten bekämpfte und auf die Förderung der gottesdienstlichen Verbesserungen drang. Frankreich. Paris, im Mai. (Privatmitth.) In diesen Blättern wurde vor einiger Zeit einer Predigt des Herrn A. Fabius zu Lyon Erwähnung gethan, die unter dem Titel offrandc au Dieu de rUmvers auch gedruckt erschienen, und die heftigsten Jnvektiven gegen den christlichen Kirchenglauben enthielt. Wir wollen hier Herrn Fabius durchaus nicht vertheidigen, allein man weiß, wie oft das Judenthum beschimpft und auf's gräßlichste mißhandelt worden». ohne daß man von oben herab davon Notiz genommen. Abgesehen davon, daß i’Univers, auf's tiefste choquirt, die Broschüre des Herrn F. zur Veranlassung genommen, die Foltergeständnisse der Da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.