Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1843)
- Date
- 1843-06-12
- Page
- Seite 359 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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359 Algerien. Nismes, 17. Mai. Der Namenstag des Königs der Franzosen ward in Algier in der Synagoge der Juden besonders' feierlich begangen. Nach dem Gottesdienste, welchem die höchsten Autoritäten der Stadt Algier beiwohnten, hielt der erste Rabbiner, Amar, welcher zugleich Adjunkt des Maire der Stadt ist, eine Rede, worin er im Namen seiner Glaubensgenossen die Dankbarkeit derselben gegen die Regierung des Königs aussprach, wodurch die Juden der Regentschaft aus der tiefsten Erniedrigung zu den Rechten eines freien Volks erhoben worden seien. (D. A. Z.) —. Indem der Herr Großrabbine von Straßburg uns den Empfang der kleinen kollektirten Summe zum Besten der sehr verunglückten Juden in Oran und Maskara anzeigt, bemerkt er uns, daß vor Kurzem das Straßburger Konsistorium 1362 Fr. an den Unterdirektor des Innern in Oran zur zweckmäßigen Vertheilung gesandt, und dieser von ihrer bedauerungswürdigen Lage noch immer eine trübe Schilderung macht. PersonaLrrachrrchten. P aris, im Mai. (Privatmitth.) Obgleich Sie, und nicht ohne Grund, von dm jüdischen Virtuosen jetzt wenig Notiz nehmen, und zwar weil ans diesem Gebiete die Sache bereits entschieden ist, erlaube ich mir doch, Ihnen zu bemerken, daß jetzt ein junger, (21 Jahre alt,) deutscher Israelit, Herr B. Cossmann aus Deßau, hier als Violoncellist nicht wenig Aussehn macht, und bereits den größten Meistern auf diesem Instrumente beigezählt wird. Vor Kurzem gab er ein stark besuchtes Konzert, das in den meisten Blättern, im 8iee1e, Courr. franc., Phalangc etc. außerordentlichen Beifall fand. Literarische Nachvichterr. Magdeburg. (The Concilialor of R. Manasseh heu Israel. Fortsetzung.) Das Thema des Werkes ist nun: Widersprüche, die in der heil. Schrift sich finden, auszugleichen. Ec geht zu diesem Zwecke die ganze h. Schrift durch, stellt in „Fragen" die betreffenden, sich widersprechenden Stellen einander gegenüber, und fügt die Fragen, die den Widerspruch hervorheben, hinzu; in „Ausgleichungen" versucht er dann die Widersprüche auszugteichen. So beginnt. R. Men. mit 1 M. 1, 1. im Gegensatz zu 1- M. 2, 4., und bringt zu den 5 BB. M. 168 Fragen, zu Josua 25, zu Richtern 8, zu Samuel 49, zu Königen 61, zu Jesaias 29, zu Jeremias 17, zu Ezechiel'12, .zu den 12 kl. Propheten 11, zu Psalmen 30, Sprüchw. 5, Hiob 3, zu den 5 Megilloth 20, zu Daniel 1, Esra 4, Nehem. 1, Chron. 6 Fragen. Allerdings sind die Fragen oft nach unserm jetzigen Standpunkte nicht wesentlich, z. B. die erste Frage: 1 M. 1, 1. steht Himmel vor Erde, I M. 2, 4 Erde vor Himmel, was nun zuvor geschaffen sei? Öder auch der Widerspruch sehr weit hergeholt, z. B. die eilfte: 1 M. 1, 31 „Gott sah .Alles, was er gemacht, und siehe, es war ■ sehr gut" und Kohel. 1, 2: „Alles ist eitel." Oderauch sehr kleinlich, z. B. die zwölfte 1 M. 1, 31: „Gott sah Alles, was er gemacht, und siehe, es war sehr gut," und 1 M.^2, 18: „Es ist nicht gut für den Menschen, daß er allein sei." Namentlich sind es die objektiven und subjektiven Stellen der h. Schrift, die, in scheinbarem Widerspruch begriffen, von R. Men. hervorgehoben werden, z. B. 1 M. 2, 18. in Widerspruch mit Kohet. 7, 26. 1 M. 1, 31 mit Koh. 4, 2: 3. und darum sind es auch die anthropomorphistischen Ausdrücke, welche R. Men. den objektiven Sätzen gegenüberstettt, z. B. 1 M. 6, ß. „und es reuere Gott, daß er den Menschen geschaffen" mit 4 M. 23, 13: „Gott ist nicht Menschensohn, daß er bereue." 1 M. 8, 1: „und Gott erinnerte sich Noah's mit Jes. 49, 15. „Ich will dich nicht vergessen, Spr. 5, 21: „die Wege des Menschen sind vor dem Herrn," ff. So beschäftigt z. 35. den R. Men. wiederholentlich der Ausspruch IM. '1,26 „laßt uns den Menschen machen in unserm Ebenbilde, in unsrer Aehnlichkeit," in Widerspruch mit Jes. 40, 25: „mit wem wollt ihr mich vergleichen, daß ich ihm ähnlich sein soll?" ebenso wieder mit 5 M.4,15. Eine weite Thätigkeit entwickelt aber R. Men. auch ift in allen chronologischen, lokalen und historischen Schwierigkeiten, wo er in die feinsten Nüanzirungen an den verschiedenen Stellen einzugehen versteht. In den Ausgleichungen und Lösungen der aufgeworfenen Fragen geht nun R. Men. so zu Werke, daß et zuvörderst die Meinungen der früheren Kommentatoren anführt, zumeist der jüdischen, vom Talmud und Midrasch an, dann auch nicht selten bet diejenige Ansicht, die ihm die bedeutendste und richtigste scheint, hervorhebt, oder auch die seinige weitläufiger aus-