Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1843)
- Date
- 1843-06-12
- Page
- Seite 354 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kommune ficht m dieser Anstalt den Sieg des intelligenteren Prinzips, und segnet die Menschenfreundlichkeit der Behörde, als den Urquell des bessern Gedeihens. > Aber selbst die- Masse durchdringt Achtung des Guten, wie ein Fluidum, die Handwerker lieferten alle Arbeiten unentgeidlich, das Streben jedes Einzelnen nimmt eine wohlthätige Richtung, und die zur. Fondsvergrößerung gelieferten, mittelst Lotterie auszuspielenden weiblichen Handarbeiten, zeigen, nebst der edleren Herzensrichtung, auch von dem gediegenen Kunstfleiße des Frauenvereins. Wir haben nur noch der mit dem Waisenhaufe in Verbindung stehenden Handwerkslehrlinge zu erwähnen. Das Waisenhaus als solches, hat zum Zwecke, jene Knaben aufzunehmen, welche bei Handwerkern, ihres zarteren Alters halber, da die Aufnahme in demselben nur bei Kindern, die nicht unter acht und yjcht über zehn Jahre alt sind, bedingt ist — nicht untergebracht werden können, wo erst nach deren Austritt aus dem Waisenhause die Verpflichtung, ein Handwerk zu ergreifen, eintritt. Um aber früher Lehrlinge für die Gewerke zu gewinnen-, wurden, außer den im Waisenhause untergebrachten zwölf Zöglingen, noch einige erwachsene Waisenknaben wirklich bei Handwerkern so untergebracht, daß Letztere am Mittwoch Nachmittag, durch den ganzen Samstag und Sonntag im Waisenhause unterrichtet werden , die übrige Zeit aber bei den Meistern arbeiten, und auf Kosten der Waisenkaffa in dem Falle bespeist werden sollen, wenn sie hei einem christlichen Lehrherrn aufgedungen werden; mbstdem wurde die h. Regierung um Gründung von zehn Handwerksstipendien im Gesa mmtbetrage einer aus der Domestikalsteuer zu erhebenden Quote von 500fl. C.M. ersucht, nach deren Bewilligung man sich in der Lage fand, noch fünfzehn Knaben, theils mit Stipendien, theils mit Waisengelder zu betheilen; worunter zwei Stipendisten hei einem christlichen Böttcher, — zwei bei einem christlichen Tischler, — einer bei einem Schlosser in Tarnopol; ferner ein Waisenknabe bei einem Seifensieder, — vier bei Schustern, — drei bei Schneidern, einer bei einem Handschuhmacher — und e.iner bei einem Buchbinder kontraktmäßig aufgedungen sind. Wie gehen zum schonen Denkmale brüderlicher Liebe über, welches der Herr k. k. Feldkriegs -Dberkommiffar und ökonomischer Referent beim hohen galiz. k. k. General-Kommando- Witibald Schiesler, durch Kreirüng der ersten ifraelit. Kleinkind erbewahranstalt gründete. Obgleich diese vom Vorstände nicht basirt wurde, und sich daher nicht unter der Ueberfchrist dieses Aufsatzes subfumiren läßt, können wir doch nicht umhin ,, im aufgerollten Buche der Vergangenheit diese Novität zu überschlagen. Der edle Gründer hat zu diesem Zwecke ein Lokal, bestehend aus vier Zimmern, einem Saale, eigner Küche, einem Garderobe-Zimmer und einem Garten, in dreijährige Miethe genommen, solches mit allen Requisiten und Utensilien herrlich ausgestattet, so daß diese Anstalt nicht nur den von demselben Gründer in's Leben gerufenen zwei christlichen Bewahranstalten nichts nachgiebt, sondern in Bezug auf Dekorum, Lokalgröße, Adaptirung zum Lehrzweck und innere Einrichtung um ^vieles über dieselben hervorragt. Als Vorbild wurde die ismelit. Prager Kleinkinder-Bewahranstalt angenommen. Der Zudrang war so stark, daß die. zahlungsfähigen Familienväter abgewiesen werden mußten; da, dem Willen des Gründers gemäß, diese. Anstalt zunächst als Asyl gegen Kälte, Hunger, geistige und physische Entartung für Unbemittelte dastehen soll. Die Zahl der bereits aufgenommenen Kinder beläuft sich auf 170. Am 17. Dezember v. I. wurde zum Besten dieler Anstalt im gräfl. Sk arbekischen Theater eine Vorstellung gegeben, von deren Ertrag, nach Abzug der Kosten, 150 fl. C. M.. für sie entfiel. Die Wohlthat der Kleinkinder-Bewahranstalt bei der armen Judenschaft ist unbestreitbar; denn da bei dieser der Unterricht schon, mit Kindern, von drei Jahren beginnt, so müssen bei der Beschränktheit der Judenbezirke, der Unwissenheit der Elementar-Lehrer, die nicht selten in häufiger Anzahl vorhandenen Kinder der armen Judenschast in dem dumpfen Keller, oder in der, den Wohn - und Unterrichtssäal des armen Lehrers bildenden feuchten Stube den Keim verderblicher Krankheiten, den Stoff ihres künftigen Siechthums einsaugen; oder aber, aus Mangel am Unterrichtsgelde, in der engen Behausung ihrer El-