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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-05 · Heft 23 (5.6.1843) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 23 (5.6.1843)
Date
1843-06-05
Page
Seite 346 (sequence 14)
Language
German
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846 Hausung, um sich nach echt deutscher Weise gütlich zu Ihun. Man ist wirklich ganz erstaunt, in Paris dieses alte deutsche Judenthum in den kleinsten Aeußerlichkeiten wieder zu finden: und geht man am Sonnabend durch die rue Beaubourg, durch einige kleine Straßen im inarais,,selbst durch die noch nicht einmal vollendete rue Bambutoau, welche in gewissen Theilen am Sonnabend förmlich von Juden eingenommen ist oder bei schönem Wetter auf dem doulevarci tu teinple und noch in^vielen andern Straßen^ so fragt man sich wirklich, ob man in Parks oder in Deutschland ist. Eben so trifft man in diesen Stadtrheilen Cafes, in denen man namentlich am Freitag Abend und Sonnabend Nachmittag nur Juden findet, und nicht selten wird der Ruhetag hier beschlossen, indem die nothwendige Anzahl Zusammentritt, um zu betenj was weder dem katholischen Wirthe, noch seinen Leuten auffällt.— So zerfällt der Judaismus in Paris in zwei Theile. Diese Trennung, diese Spaltung tritt in Allem hervor, im äußern sowol wie im innern Leben, und findet in keiner Gemeinde so auffallend statt, wie hier. E)er reiche Israelit fühlt nicht mehr das Bedürfniß, sich seinen Glaubensgenossen anzuschließen, seine Wünsche und Bestre- 'bungen sind anderer Art, und treten die Glaubensbrüder um so mehr in den Hintergrund, je günstiger das Terrain anderweitigem Streben ist. Aber auch die Religion muß weichen, und selten habe ich bei den reichen Parifer Juden etwas Sympathie für ihren Glauben, im Ge- , gentheil in den allermeisten Fallen, die höchste Indifferenz gefunden. Religiosität findet man nur bei der bemittelten und armem Klasse, eben bei denen, die fast allgemein einige Straßen im quartier du temple und im marais zu ihrem Wohnort sich auserwahlt. Mit Rech« sagte ich auserwählt, denn alle die Juden, die jetzt hier wohnen, haben sich erst seit höchstens fünfzig Jahren angesi'edelt. Es ist hier nicht der Ort, auf die Geschichte der Juden in Paris einzugehen: aber es ist keinem Zweifel unterworfen, daß Paris einst eine blühende Gemeinde gewesen, und wenn die alten Namen der Straßen nicht lügen, .so hat man sich — ich weiß nicht, warum? — dieselben Stadttheile wieder auserwählt , um darin zu wohnen. Danken wir Gott, daß sichere und ruhigere Zeiten gekommen sind. — Die Pariser Gemeinde hat sich ursprünglich aus dem Elsaß und aus Lothringen gebildet: war einmal der Anfang gemacht, so lockte der leichtere und ausgebreitetere Verkehr der Hauptstadt viel Andere herbei, so daß wohl keine Gemeinde sich so stark vermehrt hat, wie Paris. Der größte Theil derselben besteht heute noch, aus den Bewohnern des Elsaß und Lothringens oder stammt doch daher, außerdem finden sich eben hier Juden aus aller Herren Ländern. Wer sich Juden gern anschließt, der wohnt in den genannten Stadttheilen, und so kommt es, daß man hier das echte Elsaß treu, wicdersindet. Hier sind denn auch die kleinen Synagogen, wohl ein Dutzend an der Zahl, meistens nur aus einem großen Zimmer bestehend, und gewöhnlich in sehr schlechtem Zustande. Der Gottesdienst wird" hier nach alt herkömmlicher. Weise mit recht viel Geschrei, aber doch nicht ohne Andacht abgehalten: hier herrscht Stabilität, im eigentlichen Sinne des Wortes. Ich glaube nicht, daß das Gemälde, welches ich von diesem Theile der Pariser Gemeinde gezeichnet, sobald eine andere Form annehmen wird: schließt sich das jüngere Geschlecht auch nicht immer an und verfolgt, lieber die reizenden Pfade Pariser'Hohlheiten, so ist doch Elsaß und Lothringen fast unerschöpflich, und immer noch kömmt neuer Zuwachs nach der Hauptstadt, und so kann es wohl noch lange dauern. — Was allen diesen Verhältnissen. namentlich günstig, das ist die Toleranz der Regierung. In Frankreich ist das Volk minder tolerant, als die Regierung; in Deutschland ist es umgekehrt. Doch ist diese Intoleranz des Volkes kein Haß, sondern nur Vorurtheil, das sicher schon langst verschwunden wäre, wenn die Ignoranz des Volkes nicht gar zu stark, und in dieser Hinsicht kann man sehr oft die anscheinend Gebildeteren dazu rechnen. Der Franzose hat so sonderbare Ideen von den Juden, daß er manchmal erstaunt, wenn diese Ideen zu den ihm vorkommenden Bekanntschaften nicht passen. Es ist aber nicht zu läugnen, daß diese Vörurtheile sehr oft zu Mißtrauen führen, namentlich soll dieses Mißtrauen im Handel sehr oft Vorkommen. Deßwegen ist es gut, , daß die Zahl der Juden im Ganzen so unbedeutend, daß sie sich in dieser ungeheuren Masse verlieren, und als besonders vortheilhaft muß ich noch die Aehnlichkeit des orientalischen mit dem französischen Typus erwähnen.. Es ist diese äußere Aehnlichkeit von größerer Bedeutung als man glaubt, sie bewirkt sehr oft, daß Familien verschiedener Konfessionen in größter Freundschaft mit einander leben, ohne daß man nur an eine Verschiedenheit des Glaubens denkt, und be. den Vorurtheilen der geringeren Klasse, würde sicher eine größere Abneigung herrschen, wenn der äußere Unterschied auffallender wäre.

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