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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-05 · Heft 23 (5.6.1843) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 23 (5.6.1843)
Date
1843-06-05
Page
Seite 347 (sequence 15)
Language
German
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347 Desto toleranter ist nun freilich der gebildete Franzose; das Bekennen einer positiven Religion ist bei ihm eine so große Nebensache, daß es ihm unbegreiflich scheint, wie nur darauf sich ein Unterschied gründen kann. Daher fällt es gar nicht auf, Männer die höchsten Stufen der Politik erklimmen zu sehen, und nur in Deutschland wundert man sich, man freuet sich und ist stolz darauf, daß so angesehene Männer in Frankreich Juden sind. In Parks denkt man nun gar nicht daran, ob Halevy oder Rothschild Juden oder Katholiken sind, das fallt gar Niemandem ein. Und sollte es doch einmal vorfallen, so ist es ein schlechter Journalist, der einmal gar nichts mehr zu schreiben weiß, und dessen schlechte Witze nirgends Anklang finden. Freilich sind diese hervorragenden Größen auch wohl nur dem Namen nach Juden, sie bewegen sich in so glänzenden Kreisen, - sie werden von so mannichfachen Bestrebungen fortgerissen, daß man es gar nicht anders erwarten kann. Um so mehr verdient es Anerkennung, wenn einzelne dieser hervorstehenden Größen, gerade die bedeutendsten, ihren Glaubensgenossen nicht fremd bleiben. So ist das Haus Rothschild in Paris ein wahres Glück für dortige Israeliten, und Frau von Rothschild die edle Beschützerin jedes besseren Strebens; so bedeutend ihr Ansehen und ihr Einfluß auch in Paris ist, so vergißt sie doch die Genossen ihres Glaubens keinen Augenblick, und viel Gutes ist schon von diesem einem Hause gestiftet. Es ist wirklich schade, daß man Aehnliches nur von einer sehr geringen Anzahl sagen könnte, während viele angesehene Juden' in Paris ihre Glaubensgenossen förmlich verläugnen. — (Schluß folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ein noch unverheiratheter, in Funktion stehender, von Einer Königl. Preuß. Regierung concessionirter Religionslchrer, der von mehrenglaubwürdigen Rabbinen Preußens und Polens als Schächter geprüft ist, eine angenehme Stimme im Vorbeten besitzt und bei nicht zu hohen Anforderungen deutsche Vorträge halten kann, wünscht zum bevorstehenden Winter-Semester eine seinen Fähigkeiten angemessene, Gemeindestelle, Hierauf Reflektirende belieben gefälligst ihre Anmeldungen franco an die Redaktion dieses Blattes ergehen zu lassen. Ein junger, unverheiratheter Mann, der eine regelmäßige Schulbildung genossen, in München sich als Kantor gebildet hat, und nun seit vier Jahren als Lehrer, Kantor und Chorführer in einer bedeutenden Stadt Preußens fungirt, auch über seine Leistungen in diesen Fächern die schönsten Zeugnisse vorlegen kann, wünscht.seine jetzige Stelle mit einer einträglichem zu vertauschen. Gemeinden, welche besonders auf einen geregelten, zeitgemäßen Gottesdienst sehen, wollen sich an die wohllöbl. Redaktion dieser Zeitung wenden. Nekrolog. Am 14ten dieses entschlummerte nach kurzem Krankenlager unser geliebter Bezirksrabbiner Moses-Cohen zu Kaiserslautern. Geboren im Jahre 1785 zu Märzbach in Unterfranken, bezog er in seinem fünfzehnten Jahre die damals noch blühende jüdische Hochschule in Fürth, und nachdem er zwei Jahre da zugebracht, setzte er seine Studien neun Jahre in Prag weiter fort. Als im Jahre 1828 das Bezirksrabbinat zu Kaiserslautern gegründet wurde, berief man ihn zu diesem Amte, bei welchem er als Geistlicher und als ein wahrer Priester (Cohen) des Ewigen fünfzehn volle Jahre hindurch wirkte. Der Verblichene gehörte zu den seltenem, ausgezeichneten Persönlichkeiten. Außer seinen theologischen und linguistischen Kenntnissen, hatte er sich noch besonders in Mathematik und Geschichte hervorgethan. Alle seine heilsamen Verbesserungen, die er namentlich beim Schul- und Synagogenwesen in's Leben ries, suchte er nicht durch Gewalt, sondern langsam auf dem Wege der Liebe und Besserung durchzuführen. Noch nie habe ich einen großem Leichenzug erblickt. Den Glaubensgenossen des Verewigten, die aus allen Orten in und außer des ausgebreiteten Bezirkes herbeigeströmt waren, hatten sich die christlichen Bewohner der Stadt Kaiserslautern in Masse angeschlossen: die Beamten, die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen, die Lehrer der Volksschulen, die Zögling des Seminars und der Gewerbschule, sie Me waren hecbeigekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor der Stadt machte der Zug Halt, und nachdem die Semina-

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