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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-06-05 · Heft 23 (5.6.1843) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 23 (5.6.1843)
Date
1843-06-05
Page
Seite 344 (sequence 12)
Language
German
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344 Israelit treffliche jüdische Arzt vr. Berg findet in ihr eine Charakteristik, wie wir fie einem jeden Tugendreichen wünschen, voll Liebe, Warme und Schärfe. Wer also über die Tugenden eines Verewigten sprechen kann, muß diese selbst besitzen. Belletristik. Rabbi Chaninah^). (Ein jüdisches Mährchen von A. Tendlau.) I. Das Vermächtniß. Im Lande Israel lebte einmal ein Mann, der war der Nächste zum König, ein reicher, frommer und außerordentlicher Mann, der Alles wußte, was geschehen sollte. Er hatte einen Sohn mit Namen Rabbi Chaninah, der das ganze Gesetz kannte. Als der Mann nun alt geworden war und seine Sterbezeit herannahte, da schickte er nach seinem Sohne, that ihm seinen letzten Willen kund, daß er Tag und Nacht das Gesetz studieren, die Gebote üben und den Armen getreu bleiben sollte. „Siehe," sagte er, „ich und deine Mutter werden an einem Tage sterben, und die sieben Trauertage werden am Vorabend von Pesach zu Ende sein. Du sollst nicht viel trauern, und wenn Du von den sieben Tagen aufstehn wirst**), so gehe aus den Markt, und was Du zuerst zu kaufen findest, das kaufe, und wenn es auch noch so theuer sein sollte, und ist es Etwas, das man aufziehen kann, so ziehe es, mit großen Ehren aus, denn Deine Mühe wird Dir bezahlt werden." — Er wollte ihm indessen nicht sagen, was es seim werde, und wie er es vorher gesagt hatte, so geschah es auch; er und sein Weib starben aus einen Tag. 2. Der wundersame Frosch. Der Sohn aber, Rabbi Chaninah, hielt den letzten Willen seines Vaters treulich, und als der Vor- - *) Nach Masse-Buch Kap. 143. . Aus einem noch ungedruckten Merkchen: Mährchen und Sprüchwörter jüdischer Vorzeit. **) Nämlich von der Erde, da es dem Trauernden in den ersten sieben Tagen verboten ist, auf einem Stuhle zu sitzen. abend von Pesach kam, da stund er von den sieben Tagen auf und ging auf den Markt. Da begegnete ihm ein alter Mann, der ein hübsches silbernes Gefäß feil bot: „Wie theuer ist das Gefäß? frug Rabbi Chaninah. „Achtzig Gulden" antwortete der Alte. Der Rabbi bot sechzig Gulden. Aber der Me sagte: „Ich gebe es nicht anders, als um achtzig Gulden." So kaufte es denn Chaninah, obgleich es zu theuer war, weil er seines Vaters Gebot halten wollte. Den Abend, als auf die erste Seder-Nacht*), setzte er das Gefäß auf den Tisch, mp denselben damit zu zieren; wie er es aber öffnete, fand er ein zweites Gefäß darin. Er machte auch dieses auf, da fand er einen Frosch darin, und der Frosch war fröhlich in dem Gefäße und tanzte und sprang. Der Rabbi gab dem Frosch zu essen und zu trinken und ließ es ihm an Nichts fehlen , und als Pesach um war, war der Frosch so gross geworden, daß ihm das Gefäß zu klein war. Da machte Chaninah für denselben ein Schränklein., setzte ihn hinein und ließ es .ihm auch hier an Nichts fehlen, und als auch der Schrank zu klein ward, da baute er ihm eine Kammer, setzte ihn hinein und hielt ihn so gut mit Speise und Trank, daß er mit dem Frosch Alles verzehrte, was er hatte, nur um seines Vaters Gebot zu halten. Und als er nun so arm geworden war,, daß er nichts mehr hatte, ging Rabbi Chaninah mit seinem Weibe in die Kammer zum Frosch und sprach: „Mein lieber Freund! wir können Dir nichts mehr zu essen geben, denn wir haben bereits Alles Deinethalben aufgezehrt." Da Hub der Frosch an zu reden und sprach: „Mein lieber Rabbi Chaninah! sei ohne Kummer. Weil Du mich aufgezogen und ernährt hast, fordere von mir, was Dein Herz begehrt, ich will es Dir geben." „Ich begehre weiter nichts von Dir," antwortete R. Chaninah, „als Du möchtest mir die ganze Tora **) lehren:" „Das soll Dir zugesagt sein," erwiederte der Frosch. Und er lehrte ihm das *) Die erste Nacht des Pesachfestes; von Sadar anordnen, weil mehrere zeremonielle Anordnungen zur Feier der Nacht getroffen werden, wozu denn auch gehört, den Tisch möglichst zu zieren. **) Unter der ganzen Tora, Lehre, Gesetz, wird sowol das schriftliche als das mündliche Gesetz verstanden.

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