Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1843)
- Date
- 1843-06-05
- Page
- Seite 343 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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343 die so durch natürliche Mittel hervorgerusen war, langer als drei oder auf's Höchste vier Stunden gedauert habe. Die Israeliten mochten sich beeilen hud den Durchzug begannen, so bald nur der Weg gangbar war; da aber dieser Wind einige Zeit zuvor thätig gewesen sein muß, ehe die erforderliche Wirkung hervorgebracht werden konnte, so kann man nicht gut annehmen, daß sie früher als gegen Mitternacht aufgebrochen waren. Vor der Morgenwache, oder um zwei Uhr, hatten sie wahrscheinlich den Durchzug schon vollendet; denn die Aegypter waren nach ihnen hineingegangen und wurden vernichtet, ehe der Morgen anbrach. Da nun die Israeliten mehr als zwei Millionen Menschen waren, außer den Heerden von großem uud kleinem Vieh, so konnten sie natürlicher Weise nur langsam durchziehen. Wenn das Trockene breit genug war, das tausend Mann neben einander zugleich hinübergehen konnten, was etwa einen Raum von mehr als einer halben englischen Meile erfordern würde (und dies ist vielleicht das Höchste, das man annehmen kann), so würde dennoch, der Zug mehr als zwei tausend Mann hoch gewesen sein und aller Wahrscheinlichkeit nach einen Raum von nicht weniger als zwei englischen Meilen eingenommen haben. Es würde dann wenigstens eine Stunde gedauert haben, ehe die Hintersten bis zum Meeresufer gekommen waren. Wenn man nun dies von der längsten Zwischenzeit, die da verflossen sein mußte, ehe die Aegypter ebenfalls den Meeresgrund betraten, abzieht, so wird nur eben so viel Zeit übrig bleiben, daß unter den gegebenen Umstanden das Heer der Israeliten höchstens über einen Flächenraum von drei bis vier englischen Meilen gehn konnte. Dieser Umstand wirft die Hypothese, daß die Begebenheit am Wady Tawärik statt gefunden habe, ganz über den Haufen, da die Meeresbreite an dieser Stelle, nach Niebuhr's Messung, drei deutsche oder zwölf geographische Meilen beträgt, die einer ganzen Tagereise gleich kommen. Dies Alles führt zu dem bestimmten Schluß, daß der Ort des Durchzugs auf die Nähe von Suez beschränkt werden müsse. Der trocken gelegte Theil kann zu dem Arme gehört haben, der sich von dem Meerbusen hinaufzieht, und an seiner schmälsten Stelle zwei Drittel einer englischen Meile breit ist, früher aber wahrscheinlich breiter war; oder er könnte südlich von diesem Arm gewesen sein, wo jetzt noch die breiten Untiefen zur Zeit , der Ebbe trocken liegen und das Wasserbett zuweilen durchwatet werden kann. Wenn man annehmen darf, daß vor Alters ähnliche Unriesen sich hier befanden, so möchte die letztere Annahme noch wahrscheinlicher werden. Die Israeliten würden dann natürlicher Weise von dem Ufer, westlich von Suez in schräger Richtung herübergegangen sein, eine Entfernung von drei, oder vier engl. Meilen von Ufer zu Ufer. Auf diese Weise wird allen Bedingungen, unter denen dies Wunder statt fand, völlig Genüge geleistet. Gegen die Annahme, daß der Durchzug über Hen Arm des Meerbusens oberhalb Suez statt fand, hat man zuweilen eingewandt, daß jener Theil nicht Raum und hinlängliche Wassertiefe darbietet, um den Untergang der Aegypter, in der Art, wie er erzählt wird, zu verursachen. Man muß aber hierbei bedenken, daß dieser Arm vor Alters breiter und tiefer war, und daß das Meer bei seiner Rückkehr nicht bloß mit der gewöhnlichen Kraft der Fluth, sondern mit einer viel größern Macht und Tiefe herankam, weil es durch den Nordost-Wind auf eine so außerordentliche Weise Hinausgetrieben war. Ueberdies scheint das Siegeslked Mose's bei dieser Gelegenheit darauf hinzudeuten, daß bei der Rückkehr des Meers der Wind sich gleichfalls drehte und die Fluth über die Aegypter zu bringen mit thätig war. (2.M. 15, 10. vgl. mit V. 8.) Selbst jetzt gehen die Karavanen, nie durch die Fluth oberhalb Suez, und man hält es-^immer für gefährlich, ausgenommen bei ganz niedrigen Wasserstande. Unsre eignen Beobachtungen an Ort und Stelle haben sowol meinen Gefährten als mich' zur andern Annahme geneigt gemacht, daß der Durchzug über die Untiefen nahe bei Suez auf der Südseite statt fand. Aber bei den vielen Veränderungen, die im Lause der Zeit sich hier ereignet-haben, ist es natürlich unmöglich, mit Gewißheit genau den Ort anzugeben; auch bedarf es dessen nicht. Beide eben angeführte Annahmen genügen allen Bedingungen dieses Vorganges; bei beiden ist die Errettung der Israeliten gleich groß und der Arm Iehova's auf eine gleich herrliche Weise geoffenbart. (Fortsetzung folgt.) Magdeburg, im Mai. (Privatmitth.) (Biographisches.) vr. Ludwig Berge Ein Denkmal der Erinnerung für seine Freunde. Gesprochen in der Gemeindeschule zu Schwerin a. d. W. am 17. Dez. 1842. Wir sind dem Herrn Verf. dieser, für den Buchhandel nicht bestimmten, ausgezeichneten Rede, (Hrn. vr. Jos. Mayer,) für deren Uebersendung sehr verbunden. Der I verstorbene, sowol' in seiner Kunst, wie als Mensch und