Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1843)
- Date
- 1843-06-05
- Page
- Seite 340 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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840 ner Mägde, die den Feuerherd des Lehrzimmers umlagerten, nicht aus dem Munde eines verwahrlosten, dem Leichengeruche folgenden Klausners mehr hören, nicht mehr die Sklavenpeirsche derselben fühlen; wahrlich, eine Aufgabe, deren Lösung Jenen, welche den Geist der früheren Gemeindeschule kannten, nicht leicht scheinen wird. Daher ließ man diese Idee nicht in abstracto, wie einen Morgenstern im Gedankenhorizonte, aufflimmern, auch in concreto wurde dieselbe zur Ausführung gebracht. In Kurzem ward der Lehrplan, die Statuten, wornach die heilige Schrift in einer reinen deutschen Uebersetzung, das Rechnen und Schreiben, die hebräische Grammatik und die deutsche Sprache gelehrt werden sollen, entworfen, eine Klasseneintheilung veranstaltet, Schulkanzeln, Banke, Bücher und sonstige Requisiten angeschafft, das frühere Lehrpersonal entfernt, die Bewilligung der einsichtsvollen Behörden eingeholt, und siehe'-da, ein neuer Phönix tritt die Schule aus ihrem Schutte. Die bestellten einsichtsvollen Lehrer beseelt ein heiliger Eifer, und die Jugend schreitet vorwärts. Die erste Prüfung in der Gemeindeschule, vor eintretendem Neujahrsfeste, zeigte von den Fortschritten in allen Lehrfächern, und der dabei sichtliche, durch Pramien-Vertheilung aufgestachelte Wetteifer'der Zöglinge, läßt das Bessere für die Zukunft erwarten. Aber nicht bloß der Unterricht als geistige Erstarkung ist es, auf den die Aufmerksamkeit haftet, auch für die leibliche Kräftigung der Armen, wird thätigst gesorgt; an 130 Kindern wird lüglich die Kost gereicht; ein hochherziger Frauenverein besorgt die Spende und Einkaffirung der monatlichen Beiträge, und rettet auf diese Art unglückliche Wesen vor dem Verderben und dem Hungertode"). Diese Bespeisung begann am 1. Juni v. I. und kostete vom Monate Juni bis Dezember 1842 144 fl. C. M. Der jährliche Subskriptionsbetrag aber ist. auf 620 fl. C. M. konstituirt, der Ueberrest wird auf sonstige wohlthätige Zwecke verwendet. *) Die Zahl der die Armenfchule in diesem Jahre besuchenden Kinder beläuft sich auf 300. Die Bespeisung in dem angegebenen Kostenpreise ward aber nur dadurch möglich, daß durch die erfolgreiche Verwendung des Herrn H. Zipper israel. Pol. Bez. Aufsehers, eines von Seiten feines Cha-, rakters sehr ehrenwerthen Mannes, die hiesigen, so wie die auswärtigen Bäcker, wöchentlich 40 Laib Brot, die Viktualienhändler wöchentlich 18 bis 19 Quart Haidekorn, die hiesigen und auswärtigen Mehlhändler.wöchentlich 4 Metzen Mehl, und die Fleischer wöchentlich 7 Pf. Rindfleisch, welche Beiträge im Reluizionswerthe wenigstens 250 fl. C. M. werth sind, beizutragen sich verpflichteten, und gewissenhaft beitragen. Die vollständige Bekleidung von 141 armen Schulkindern kostete 430 fl. C. M. Einen Theil dieses Betrages formirten, die vor dem Versöhnungsfeste gesammelten Spenden; auch hat Herr Zipper selbst, theils bei Hiesigen, theils bei Fremden 197fl. C.M., und vor eintretendem Neujahrsfeste am Thore des Friedhofes 40 fl. C. M. gesammelt. Man muß sie gesehen haben, die armen Kinder, die kaum irgend eine Körperbedeckung anhatten, man muß das Wonnegefühl, das in den Augen derselben nach der Bekleidung funkelte, beobachtet haben, um die Folgen des nach dem wörtlichen Sinne wiedergebornen Vereins „zur Bekleidung der Nackten" ganz zu empfinden/ Der obangegebene Bekleidungsbeitrag von 43Ofl. C. M. könnte aber keineswegs die das dreifache werthen Bekleidungskosten decken. Es brauchte hiezu wieder der liebevollsten Zusprache Zipp er's, der mehrere Stück Leinwand, mehrere, an 250 fl. C. M. werthe Stoffftücke geschenksweise erhielt, die Einkäufe um 170 fl. C. M. unter dem Kostenpreise besorgte, und für verschiedene Humanitatszwecke an 25OOfl. C. M. sammelte! Ueberflüffig scheint es, den edlen Frauenverein zu ermuntern *), auch künftighin die Fittige der Mildthätigkeit über die Armen auszubreiten, da das Gute,. Edle und Nützliche seines Wirkens sich bis nun auf eine unwiderlegbare Weise herausstellte. An diese Anstalt reihet sich das neukreirte israelitische Waisenhaus, dessen Statuten, Jnstruk- *) Bestehend aus 200 Mitgliedern.