Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1843)
- Date
- 1843-06-05
- Page
- Seite 339 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225305--05267-3235910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
339 den Realität fmktifi'zirlich anzulegende Kapitalien und die gesammelten Subskriptionsbeiträge. Die Anfertigung des Bauplanes übernahm der Herr Bauinspektor Salzmann für die Gottessache aus Gefälligkeit, und somit ertheilte das Kreisamt die Bewilligung zum Baue auf dem um 3500 fl. C. M. erkauften wohlgelegenen Bauplatze sub Ko. 557-1 mit dem Voranschläge einer für 2500. Personen bestimmten Arka und zweier Gallonen. In diesem Frühjahre beginnt der in technischer und architektonischer Hinsicht Aufmerksamkeit erwekkende Bau, dessen eifrige Ueberwachung von vielen ansehnlichen Gemeindegliedern übernommen wird. Bereits sind zu diesem Zwecke viele Materialien und sonstige Utensilien vorbereitet. .In Verbindung mit diesem Unternehmen steht auch die Sing sch ule, in welcher der Unterricht für Choralgesang durch einen besoldeten Musiklehrer an mehrere Hur Mitwirkung beim Gottesdienste verpflichtete Zöglinge ertheilt wird. Die Fortschritte der Letzteren sind erstaunlich, da bald das zu diesem Zwecke bereits angeschaffte Gesangswerk des Wiener Oberkantors Herrn Sulzer (Schir Zion) einstudirt werden wird. Wir leben im Hochgenüsse, den uns die bevorstehende Einweihungsfeier des Bethauses unter der versprochenen Fungirung der berühmten Herren Mannheimer und Sulzer verschaffen wird, und sehen mit Sehnsucht der Vollendung eines Werkes entgegen, das uns als seliges Wonnegefühl der Gegenwart, als unvergängliches Vermächtniß der Zukunft entgegenwinkel. Wir können die wohlthätigen Folgen, welche dieses Unternehmen, und das in Folge desselben hervorquillende lebendige Wort auf Sitten, auf das Nationalgefühl, aus die öffentliche Meinung fremder Religionsparteien, auf die Anhänglichkeit an alle Staatsinstitutionen und Würdigung derselben wecken wird, mit Gewißheit im Voraus bestimmen, ja die Alles bewältigende Zeit, welche im Menschen die moralische Thatkraft zur Verewigung seines Wirkens und Erhebung desselben über alle Endlichkeit niederlegte, wird es lehren, daß das Streben, in der Hauptstadt dieser Provinz als dem Mittelpunkte alles geistigen Wirkens, ein der Ehre Gottes und seiner Verherrlichung angemessenes religiöses Institut in's Leben zu rufen, kein unedles gewesen sei. Mögen die geehrten Lempelvereine unserer Monarchie, mit denen wir in gemeingeistige Verwandtschaft treten, unsere schwache deutsche Gemeinde einer Unterstützung werth finden, deren wir um so mehr bedürfen, als wir ohne dieselbe unserer Idee nicht in dem Umfange, als wir es wünschten, für die Zukunft Haltbarkeit und Permanenz verschaffen könnten. Wir gehen zu den Erziehungsanstalten über, unter denen wir obenan die Armengemeindeschule stellen, j-mn Titabn. Die Reorganisirung derselben ward seit einigen Jahren ein leiser Anflug der früheren Gemeindevertreter, dem aber aus Anlaß verschiedener Hemmnisse, das Realitats-Substrakt abging, und so verkrüppelten, unter falschen Geburtswehen, die armen Kinder in den Gemächern des Schmutzes an Leib und Seele, bis endlich auch hier die menschenfreundliche Regierung zur Vornahme einer wirksamen Aenderung, Mt Hindeutung auf die in der Monarchie bestehenden Waisenhäuser und Handwerksschulen, ermunternd aufforderte. Nach vorausgeschickter Lokalbeschau und Sanitätsbefund schritt man zur Reform. Geleitet von dem Grundsätze, daß bei Erfüllung testamentarischer Vermächtnisse und sonstiger einem Wohlthätigkeitsfonde zugesicherter Zuflüsse*) möglichst dem Willen des Erblassers entsprochen werden solle, konnte in dem Hauptzwecke der Anstalt, als eines Institutes zum Unterrichte der heiligen Schriften, im Wesentlichen Nichts, wohl aber in der Methode und Hinzufügung neuer Lehrfächer eine Aenderung getroffen werden. Zudem war Reinlichkeit und eine gewisse Schulordnung das Hauptaugenmerk. Der unglückliche Knabe unseres Glaubens soll erst jetzt sitzen, stehen, reden, antworten, grüßen lernen, er soll aus dem dumpfen, finstern, von mephitischen Dünsten umnebelten Grabgewölbe, möchte man sagen, in ein lichtes, reines, bloß'zum Lehrzwecke eingerichtetes Zimmer wandern, er soll die heilige Schrift nicht unter dem babylonischen Gewirr schreiender Kinder, gebückter Mütterchen, ungezoge- *) Die Fonde der Gemeindeschule bestehen in den auf 550 fl. C. M. bestimmten Einkünften eines Hauses No. 587£ und den Interessen versicherter Kapitalien, die zusammen bei 800 fl. C M. jährlich betragen.