Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1843)
- Date
- 1843-06-05
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Köln, 18 Mai. Unter den sechs Petitionen, welche von hier aus an den Landtag abgehen sollen, hat eine die Emanzipation der Juden zum Gegenstand, sie verlangt die Gleichstellung derselben in ihren bürgerlichen Rechten mit den christlichen Bewohnern der Monarchie, und somit die Aushebung aller gesetzlichen und faktischen Beschränkungen, denen sie seither unterworfen waren. (M. Z.) Breslau, 17. Mai. (SBerl Zeit.) Bei der feierlichen Installation unsers Oberbürgermeisters sollte dem Festprogramme gemäß, auch der Rabbiner der jüdischen Gemeinde seinen Platz im Zuge einnehmen. Eine Verfügung des Oberpräsidenten verhinderte die Ausführung der Anordnung: der Rabbiner mußte von dem Zuge ausgeschlossen werden. Der Vorfall hat hier einen peinlichen Eindruck gemacht. Man fragt nach den Gründen der Verfügung, welche in so grellem Widerspruche zu dem Geiste steht, mit dem die bürgerliche Stellung der jüdischen Gemeinden in neuester Zeit betrachtet worden ist und an dessen Einwirkung so viele Hoffnungen von denselben geknüpft werden. Grfurt, 17. Mai. Die D. A. Z. enthält folgenden Artikel von hier: „Bis jetzt war es nur der Handelsstand, oder Personen, welche dem Handel zugethan sind, die sich über die hiesigen israelitischen Bürger beschwerten und gegen sie eiferten, und oft ohne alle Rücksicht. Jetzt sind es aber auch die Gewerbtreibenden, die sich über Handwerker mosaischer Religion, besonders über jene israelitischen Kleidermacher beschweren, deren raffinirender Geist sich über den gewöhnlichen Handwerksschlendrian hinaufschwingt, und welche arbeiten bis sie ermatten, nicht bis die Feierstunde schlägt, welche die Arbeit suchen, ihre Kundschaft nicht durch Zögerung verscherzen, sondern sich durch möglichst schnelle, gute und billige Bedienung empfehlen. Es ist vorauszusehen, daß bei der zunehmenden Vermehrung der jüdischen Handwerker das ganze Heer der nicht-jüdischen Produzenten gegen sie in die Schranken treten werde. Allein das thut nichts; Vernunft und Menschenrecht wollen einmal zum Wohle der Gesammtheit diese hervorragende Wirksamkeit der Juden. Benutzen wir diese gleichsam als einen gährenden Stoff, um die lethargische Masse so vieler Handwerker in Bewegung zu bringen und sie aufmerksamer auf ihren Vortheil und stolzer auf sich selbst zu machen. Größere Sparsamkeit und weniger Luxus in ihren Haushaltungen,, höherer Fleiß, Raffinement und Thätigkeit wird sie in den Stand setzen, wohlfeiler im Handel und Wandel abgeben zu können, gleich den Juden. Bei diesen Eigenschaften werden-sie von der hervorstechenden Industrie der jüdischen Handwerker nur prositiren, wenigstens nichts zu befürchten haben. Aachen, 25. Mai. (A. Z.) Wie in den meisten Städten der Rheinprovinz, so zirkulirt auch hier eine Petition für bürgerliche Gleichstellung der Juden mit den andern Staatsbürgern. Es ist eben \o wenig zu bezweifeln, daß dieselbe allgemeine Lheilnahme, als daß sie auch bei dem Landtage die kräftigste Unterstützung finden werde. Wo ein so entschiedenes Gefühl für das Recht spricht, kann der Gedanke nicht einleuchten, daß gleiche Pflichtleistungen verschieden behandelt werden könnten. Wo es allgemein für wünschenswerth erachtet wird, daß Staat und Religion als etwas wesentlich Verschiedenes betrachtet werde, kann der Grundsatz nicht begünstigt werden, daß das Bürgerwohl von der Religion abhängig gemacht werde. Düsseldorf, 25. Mai. (Magd. Zeit.) Seit gestern zirkulirt auch hier eine Petition, welche die Emanzipation, resp. Gleichstellung der Juden vor dem Gesetze und also die Aufhebung des Napoleonischen Reskripts gegen dieselben bezwecken soll. Viele Notable, Literaten und Doktoren haben sie bereits unterzeichnet. Oesterreich. Lemberg, 4. Mai. (Privatmitth). Ich übersende Ihnen anbei mehre Aktenstücke zur neuesten Geschichte unsrer hiesigen Gemeinde, insbesondere die Stiftung eines israelitischen Waisenhauses vermittelst eines Frauenvereins betreffend, das bereits mit zwölf Waisen eröffnet worden. Außerdem hat der neue Vorstand der hiesigen Gemeinde vor Kurzem einen Bericht über feine Wirksamkeit von seinem Amtsantritte am 18. Februar 1842 bis zum Schluffe desselben Jahres veröffentlicht, der sowol als Beleg der