Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
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809 in manchen Blättern laut werden lassen; und ein seichtes Raisonnement soll mehrern Wortführern dazu dienen, den einen oder den andern Kandidaten in Vorschlag zu bringen. Wir sind weit entfernt, für unsere Meinung die Unfehlbarkeit Ln Anspruch zu nehmen; bescheiden uns vielmehr gerne, dieselbe als eine persönliche der Aufmerksamkeit der Gemeinden und der löbl. Kreisämter zu empfehlen. Ein Blick auf die jüdisch-kirchlichen Angelegenheiten unserer Provinz muß jeden Unbefangenen überzeugen, daß dieselben noch der ersten, dringendsten Verbesserungen bedürfen. Was namentlich das Rabbinerinstitut betrifft, so liegt dasselbe bei uns leider so sehr im Argen, daß wir in dieser Beziehung gegen alle übrigen Provinzen der österreichischen Monarchie in bedeutendem Nachtheile sind. Die östreichisch-italienischen Israeliten erfreuen sich ihres Colleg-io Rabbinico unter der trefflichen Leitung Luzatto's und «io la Tore’s. Böhmen hat Kreis-Rabbiner, welche ordentliche Gymnasial- und Universitätsstudien gemacht haben. Und gesetzt, daß hie und da in der Besetzung der Kreisrabbinate ein Mißgriff geschieht, so ist doch die gesetzliche Verordnung, die nur wissenschaftliche gebildete Männer zu Rabbinaten zuläßt, sehr weise und lobenswerth, und ihre Heilsamkeit kann durch einzelne Mißbräuche nicht bestritten werden, denn abusus non tollit usum. In Galizien werden, — nach einer kaiserlichen Verordnung, — philosophische und pädagogische Studien schon in wenigen Jahren den Rabbinen obligat sein. Selbst in Ungarn, wo keine gesetzlichen Verfügungen der Art bestehen, nimmt, zuverlässigen Nachrichten zufolge, die Zahl der Gemeinden immer mehr zu, welche von ihren Rabbinen wahrhaft wissenschaftliche Bildung fordern. Haben ja unsere, anerkannt tüchtigsten Theologen sich veranlaßt gesehen, dem Rufe ungarischer Gemeinden zu folgen! Nur wir Mährer fühlen uns, . jeder tüchtigen geistlichen Leitung entbehrend, in unseren religiösen Angelegenheiten eben so sehr zurückgesetzt, als wir es durch die bürgerlichen Beschränkungen sind. Es ist sehr traurig und niederschlagend, aber es ist nur zu wahr : Alle unsere Rabbinen zusammeygenommen sind nicht im Stande nur Einen korrekten deutschen Aussatz zu liefern. Wie das Feld der Homiletik bebaut werde, zeigen die gedruckten 'Predigten des Rabbiners F.s des mährisch-jüdischen Predigers par excellenceü Eine Katechese vorzunehmen, — wird wol der Eine oder Andere geneigt ffein, so bald man ihm nur begreiflich gemacht hat, worin die katech'etische Methode bestehe, welche Forderungen sie nach Inhalt und Form zu stellen habe; aber — von Geneigtsein zur Ausführung, vom Wollen zum Können ist eine gar gewaltige Kluft, die, wie überall,. so auch hier, nur durch Kenntniß, Gesinnung und Eifer ausgefüllt werden kann. Schulkenntniffe, d. h. Kenntnisse, welche in Volksschulen, gelehrt werden, werden von unseren Rabbinen noch immer als Bagatellen behandelt; daher der geringe Einfluß, welchen sie auf die Schulen ausüben, welche sie, — und das nicht immer, — nur an Prüfungstagen als Gäste besuchen. Bei den Religionsprüfungen, welche mit Verlobten vorzunehmen sind, haben die-Rabbinen vorschriftsmäßig die Examinatoren zu machen; aber die vielen Anekdoten, die von derlei Prüfungen im Umlaufe sind, zeigen zur Genüge, wie würdig und geschickt die Herren diese Prüfungen abzuhalten verstehen. Will man nun noch auf den Antheil Rücksicht nehmen, den unsere Geistlichkeit an den besseren Bestrebungen der Gegenwart nimmt, so fühlt man sich gedrungen auszurufen: iryn nnni I'pnii w» nb Die sogenannten Alten, — nun mit denen ist nicht zu rechten; aber die Neuen, die sich als die Repräsentanten einer bessern Zeit geriren, wie steht's mit diesen? — Venia concedi potest, qui 86 non esse sapientes fatentur; his vero non potest, qui, sapientiam prol'essi stultitiam potius exhibent. Wir erinnern hier nur an die „dürre Trockenheit" der Streitschrift, welche, gegen einige Nebendinge des „Horeb" gerichtet, einen-Rabbinen unserer Provinz zum Verfasser hatte. Diejenigen, welche dem genialen und gemächlichen, in manchen Eigenheiten allerdings extravaganten und irrenden Hirsch in allen seinen Seitengängen nicht zu folgen vermochten, haben jene polemische Schrift, bei all ihrer Unwiffenschaftlichkeit günstig ausgenommen. Hirsch hat seitdem gezeigt, daß der unberufene Gegner auch in den meisten Spezialitäten fehl geschossen habe^ und das Breslauer Gutachten des Letzter», welches vor Kurzem erschien, hat seinen kaum gebornen Schriftstellerruhm wohl auf immer zu Grabe getragen. All' diese betrübenden Thatsachen, die noch mit anderen, eben nicht sehr erfreulichen,; vermehrt wer-