Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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310 den könnten, führen den teilnehmenden Beobachter zu dem Schluffe, daß das Rabbinat bei uns gehoben, und in die ihm gebührende, würdige Stellung gebracht zu werden verdiene. Die mährischen Rabbiner haben seit Jahrhunderten Männer in ihrer Mitte gehabt, die bei allen Israeliten Deutschlands in hohem Ansehen standen. Mendel Kruchmal (p-iL nnL), David Oppenheimer, Gerson Aschkenasi (Ultimi nna»), Beresch Eskeles, Sckmelka Horwitz, Markus Benedikt gehörten zu den ersten jüdischen Gelehrten ihrer Zeit, i und verdienten im hohen Grade die Achtung, deren sie sich zu ihrer Zeit zu erfreuen halten. Die Synagoge Mährenskann und darf auch in unfern Tagen nicht Zurückbleiben. Sie muß vielmehr den Ruf der Vergangenheit vernehmen, die Anforderungen der Gegenwart würdigen- und den Entwickelungen der Zukunft weise entgegenkommen. Höret die Stimme eines wohlmeinenden Freundes/ Israeliten Mährens! Begreifet und beherziget es: unwissende und halbgebildete Rabbinen können unsere heilige Religion, dem gegenwärtigen Geschlechte gegenüber, nicht mehr vertreten; sie können den Jndifferentismus und Materialismus unserer Zeit nicht mit Erfolg bekämpfen. Darum lasset alle kleinlichen Nebenabsichten, alle persönlichen Ehrsüchteleien fahren; wendet Euch an unsertz väterliche Negierung, und suchet vor Allem die kaiserliche Resolution zu erlangen, daß künftighin alle" Rabbinen Gymnasial- und philosophische Studien gemacht haben, und geprüfte Schulmänner sein müssen. Diese Anordnung soll schon gegenwärtig auf den zu wählenden Landes-Rabbiner, oder auf die anzustellenden Kreisrabbinen in Anwendung gebracht werden. Erst wenn dieses kaiserliche Regulativ besteht, läßt sich für das Rabbinerwesen eine radikale Verbesserung erwarten. Erst dann wird der Wirkungskreis eines Rabbinen gehörig bezeichnet werden können, erst dann wird der Umfang seiner Pflichten und Rechte ganz zu überschauen sein, und erst dann wird die Frage erledigt werden können, ob die kirchlichen Interessen unserer Gemeinden von einem Landrabbinate oder von Kreisrabbinaten eine heilsamere Förderung zu erwarten haben. A. C. Rußland. Petersburg, 24. April. (Privatmitth.) Die Mitglieder für die Allerhöchst bestätigte Rabbinerkommiffion zur Bildung der Juden in Rußland ist nun ernannt, und besteht unter der besondern Aufsicht des Ministers der Volksausklärung aus folgenden Mitgliedern: Präsident: Se. Exzellenz, der Wirkliche Staatsrath und Ritter von Wrontschenko; Berichterstatter: Der Kollegienrath, Ritter von Dukstadukschinski; Ministerialkommissär: Dr. Lilienthal; Sekretär: Der Kollegienaffessor Kusnezow; Mitglieder: Der Rabbi Jitzchak Jitzchaki von Wolosni, Der Rabbi Mendel Schneyersohn von Lübawitz; Der erbliche Ehrenbürger und Direktor der Odeffaer Ebräerschule, Bezahl Stern, Der Banquier Israel Heilpern in Berditschew. Die Letzteren treffen heute in der Kaiserstadt ein, und in der nächsten Woche wird die Eröffnung, der Sitzungen statt finden. Genaue Berichte werden Jh- - nen zukommen. Algerien. In einer Reihe von Artikeln, die der Raum uns nicht gestattet wieder zu geben, bespricht der Advokat I. Cohen in den Arch. israel. de Fr. die Israeliten Algier's. Unparteiisch, begabt mit Scharfblick der Beobachtung, in dem Eifer für die Veredlung und Zivilisirung dieser Volksklasse, bespricht er. das Böse und das Gute derselben. Wir heben hier nur hervor, was er über die Moralität der Algier'- schen Juden Beweisliches heranbringt. „Man hat viel von der Prostitution unter dieser wichtigen Bevölkerung gesprochen, und als wir Frankreich verließen, glaubten wir in den verschiededenen Klaffen derselben die erschreckendste Jmmoralitat zu finden. Wir haben nicht angestanden, diese übertriebene Ansichten auf ihren wahren Werth zu- . rückzubringen. Es ist gewiß, daß ein plötzlicher Uebergang von einer Zivilisation zur andern niemals vor sich geht, ohne daß die öffentlichen Sitten darunter leiden. Die moralische Mißstimmung, . der Mangel und oft das Elend, die die Folge sind, führen untergeordnete Intelligenzen leicht zum La-,