Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225303--05232-3235873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
307 feu, z. B. in Konsiantinopel durch die Armenier. Und wodurch? Weil sie noch unwissender sind als die Türken, und aller geistigen Bildung entbehren, selbst der jüdisch-theologischen. Ohne Sprachkenntniß, — man erinnre sich der Aufforderung des Konstantinopolitanischen Chachams an die türkischen Juden, türkisch zu lernen — ohne Bewußtsein der Verhältnisse, ohne Bewußtsein ihre«.- eignen Nichtigkeit, ohne irgend ein Wissen und Können, das sie geltend machen könnten — was kann da anders Folge sein, als Armurh und Schmutz?- O, so verlohnt es sich wol der Mühe, europäische Glaubensgenossen, unsrerseits einen Versuch zu machen, unsrerseits die Hand zu bieten,'um, ganz im Heiligthum unsrer Religion, au der Erhebung, an der Erlösung so vieler Tausenden zu albeiten, sei es auch nur mit kleinem Anfang, mit langsamen Erfolgen — ausbleiben können diese nichtI Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 8. Mai. (Privatmitth.) Am vorgestrigen Sabbat wurde in der Hauptsynagoge, so wie im neuen Tempel die Gedächtnißfeier des vorjährigen großen Brandes durch angemessene Predigten und Gesänge begangen. Der Rath hatte eine solche Feier auf.gestern, Sonntag, für die Stadt und das Gebiet angeordnet und sich bei dem desfallsigen Aufruf des Ausdrucks „die christliche Gemeinde" bedient, wodurch die gesammte Judenschaft sich verletzt fühlte und beschloß den Denktag für ihre Mitglieder, auf dem Sabbat zu halten, zumal da dieser dem deutschen Datum nach der Tag war, an dem die beiden Synagogen abgebrannt sind, indem die Feuersbrunst vom 5ten bis 8ten dauerte. Von Vorbereitungen zum Wiederbau der Synagogen hört man übrigens noch nichts. —. Am 30. April fand hier eine seltene und rührende Feier statt, die des fünfzigjährigen Bestehens der Jsler'schen (Privat-) Schule. Die zahlreichen, ehemaligen Schüler, größtentheils Familienväter, überreichten dem Jubilar, ihrem alten Lehrer Herrn I. A. Jsler im Lokal der Ressource einen Pokal, ein anderer wurde von den jetzigen Schülern und eine Pendüle von dem Lehrerpersonale überreicht. Es wurden mehrere Musikstücke aufgeführt und Reden gehalten, unter denen die des jetzigen Dirigenten der Schule, vr.,M. Jsler eine kurze Uebersicht des hiesigen jüdischen Erziehungswesens feit diesen fünfzig Jahren gab, in der der Kontrast der Verhältnisse und der Fortschritt zum Besseren lebhaft hervorgehoben, wurde. Es ist nur zu bedauern, daß dieser Fortschritt zum Besseren nicht so durchgedrungen hat, als zu wünschen wäre und daß Motive der Schicklichkeit den Redner abhielten, sich hierüber speziell zu äußern; denn leider giebt es noch heute^in unserer Mitte Schullehrer, die für jede gebildete Gesellschaft völlig unbrauchbar sind. Schulen, wo man um . Gotteswillen "sein nnps , np-> nicht ohne bedeckten Kopf hersagen darf, wo die Einführung von Sing - und Turnübungen wie Gottesläugnung verpönt ist, wo die Knaben ihre halbe Lehrzeit zubringen, um im Hebräischen und Rabbinischen —nichts zu lernen u.s.w. Und Mädchenschulen existiren, außer zwei für Arme, gar nicht; vielmehr ist jeder Vater, der seine Töchter im Judenthum will unterrichten lassen, in der größten Verlegenheit. —. Der junge Jacob Bernays, ein Sohn unseres geistlichen Beamten, hat vor Kurzem unser Johanneum verlassen und als Abiturient eine lateinische Rede mit vielem Beifall gehalten. —. Die judenfeindlichen Schriftsteller haben wieder einen bedeutenden Alliirten erhalten. Es ist nämlich (si fabula vera) ein Schreiben von dem ehemaligen Räuberhauptmann Schubri eingegangen und in unseren Blättern veröffentlicht worden, worin derselbe seinen hiesigen Freunden berichtet, er sei jetzt Apotheker in einer Stadt Nordamerika's. Er habe es vorher mit dem'Hausirhandel im Lande versucht; allein dies nur für die Kinder Israels paffende Gewerbe habe ihm nicht zugesagt. —. Es ist abermals eine bedeutende mildthätige Stiftung für unsere Gemeinde im Werden. Frau Lorette Leo, geborne Behrens, als eine der wohlthätigsten Damen bekannt, hat ein Kapital von 40,000 MB. ausgesetzt, deren Zinsen an Unbemittelte zur Bezahlung von Hausmiethe vertheilt werden sollen. Die Statuten sind noch nicht publizirt. —. Ueber unsere bürgerliche Verbesserung verlautet noch nichts weiter. Daß uns das nominelle