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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-22 · Heft 21 (22.5.1843) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 21 (22.5.1843)
Date
1843-05-22
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 stimmt gewesen wäre; allein es wird gewöhnlich gerechnet, daß dasselbe ungefähr mit dem achtzehnten oder zwanzigsten Jahre beginne. Nach dem gemeiniglich angenommenen Verhältniß mag diese .Zahlung als eine Art von Zensus eines Viertheils der Population betrachtet werden. Aber selbst diese Zählungen sind nicht immer richtig, da die Parteilichkeit oder die Nachlässigkeit der Behörde oft die Liste geringer sein läßt als die wirkliche Zahl. — Die Bevölkerung von Jerusalem wohnt in verschiedenen Stadttheilen, je nach ihre.r Religion — Juden, Christen und Muhammedaner. Das jüdische Viertel nimmt den nordöstlichen Tbeil vo.n Zion ein, und erstreckt sich weit genug hinauf, uw.die größere. Hälfte des Hügels innerhalb der Mauern einzuschließen. Nach sorgfältigen Nachforschungen beliefen sich die Nachrichten, die wir am zuverlässigsten fanden, auf Folgendes: I. Von den Juden waren bloß 500 männliche Seelen eingeschrieben, allein es giebt deren in Wirklichkeit viel mehr. Nach'der sorgfältigen Schätzung des Herrn Nicolayson, der 'bessere Gelegenheit hatte sie zu beurtheileu als irgend Einer, belief sich die ganze Zahl der Juden zu dieser Zeit etwa auf 3000. In früheren Jahren hatte die Anzahl bisweilen 5000 betragen. . II. Dhe Muhammedaner werden in den Regiernngsbüchern zu 750 Mann angeschlagen, belaufen sich aber in Wirklichkeit auf 1100. Dies giebt höchstens eine runde Summe von 4500. III. Die Christen. Die Griechen werden von der Regierung auf 400 gerechnet, sind wirklich aber 460 an der Zahl; die Lateiner auf 260; die Armenier auf 130. Im Ganzen 850 Männer. Dies deutet auf eine Anzahl von ungefähr 3500 im Ganzen. Also: Juden . . . 3000. Muhammedaner . . 4500. Christen . . . . . 3500. 11,000. Die Juden sind meisientheils nicht Eingeborne des Landes, und sprechen ein verderbtes Gemisch mehrerer Sprachen unter sich. Ferner: „Von den Juden, die jetzt in Palästina leben, besieht der größte Theil in solchen, die nach dem Lande ihrer Väter gekommen, um den Ueberrest ihrer Tage dort zu verleben und in einem der vier heiligen Orte zu sterben, nämlich Jerusalem, Hebron, Liberias oder Safet. Die in Jerusalem wünschen ihre Gebeine im Thale Josaphat begruben zu lassen. Von allen Theilen der Levante kommen sie hierher, besonders von Smyrna, Konstantinopel und Salonika, an welchen Städten es viele Tausende ihres Volkes giebt. Zwei Jahre vor unsrer Anwesenheit sollen die Juden in Gchaaren nach Syrien, besonders uach Damaskus und Tyrus gekommen sein, wo es ihnen früher nicht erlaubt war, zu wohnen. Allein später da die hohen Preise der Nahrungsmittel und überhaupt Lebensbedürfnisse noch stiegen, verhinderte dieser Umstand einen ferner« Zufluß, und nöthigte Viele zurückzukehren, so daß die Zahl der Juden in Jerusalem sich sehr vermindert hatte. Sie leben hier meist in Schmutz und ArMuth. Eine beträchtliche Summe Geldes wird für sie in verschiedenen Ländern durch ihre Agenten gesammelt; allein da dies in die Hände der Rabbiner kommt und ohne alle Verantwortlichkeit verwaltet wird, so soll es dabei, wie man sagt, ohne besondre Rücksicht und Redlichkeit zugehen, und scheint hauptsächlich ein Mittel zu sein, ihren eignen Einfluß - und ihre Herrschaft über die Aufführung ihrer ärmern Brüder zu verstärken. Die meisten jetzt in Palästina befindlichen Juden scheinen von spanischer oder polnischer Abkunft zu sein,; nur wenige sind aus Deutschland, oder im Stande, deutsch zu sprechen. Das Motiv selbst, das sie hierherzieht nach dem Lande der Verheißung, zeigt ihre starke Anhänglichkeit an ihren alten Glauben. Die Anstrengungen der englischen Mission haben bisher Imr sehr geringen Erfolg gehabt." Wir glauben, die orientalischen Juden wären zu einer großen Rolle berufen, sobald sie durch Bildung und Kraft dieselbe durchzuführen iw Stande wären. Da die christliche Bevölkerung im Orient, insonders auch in Syrien nur durch die europäische Politik unterstützt ist, an sich keine Bedeutung hat, uud als feindseliges Moment vom Muhammedaner gehaßt wird; da die muhammedanische Bevölkerung entweder an Rohheit den amerikanischen Wilden, wie die Bedawinen, gleichen, oder in Indolenz und Dummheit versunken sind: so wäre es den orientalischen Juden Vorbehalten, sowol Träger und.Inhaber höherer Bildung und Zivilisation im Oriente zu sein, als auch als solche eine hohe unj> vermittelnde Stellung einzunehmen. Und wie sehr wären sie hierzu durch ihre eigentümliche Sagazität befähigt! Anstatt dessen sehen wir sie in Vas tiefste Elend, in die schmachvollste Erniedrigung versunken. Ja selbst da, wo sie früher eine bessere Stellung einnahmen, haben sie sich gänzlich verdrängen las-

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