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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-15 · Heft 20 (15.5.1843) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 20 (15.5.1843)
Date
1843-05-15
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 vergessenes Uebel bei einer so hochwichtigen Angelegenheit scheuen? Seit JS31 ist zwar den Gemeinden die Willkür zur Entlastung der Lehrer beschränkt, und jetzt sogar ganz in die Hände der Regierung gelegt, jedoch weiß man Ausflüchte genug der Ausführung des Gesetzes hindernd in den Weg zu treten, und sind sogar authentische Fakta vorhanden, daß Privatgehässigkeiten die Entlassung manches Lehrers bewirkt haben, besonders durch verwerfliche Kalumniationen aller Art, namentlich daß man das zeremonielle Leben der ehrenwerthesten Männer zu verdächtigen gesucht, und solcher Mittel zur Abkühlung der Leidenschaft angewendet hat, durch welche man dieselben für das Amt des Schächters unfähig zu erklären hoffte. So lange daher die Lehrer nicht gesetzlich von jener Funktion befreiet sind, werden sie de facto, wenn auch der Buchstabe des Gesetzes schützen will, der Willkür oder der Laune jedes übelgesinnten oder scheinheiligen Gemeindemitgliedes bloßgestellt bleiben. — Möge dieses offene, auf -Wahrheit begründete und nur in wohlwollender Absicht geschriebene Wort ein offenes Ohr finden bei denen, von welchen das Wohl unserer Jugend abhängt, und deren Fürwort ein vielvermögendes an der rechten Stelle ist. Preußen. Berlin, 8. Mai. (Prwatmitth.) Der Jahresbericht des Kultur-Vereins liegt uns vor, und entnehmen wir daraus Folgendes. In der Einleitung sagt der zeitige Direktor des Vereines, 1)r. Zunz : „Es will unser Verein das Talent aufmuntern, Geleistetes würdigen, da wo die Verhältnisse des Lebens das eine nicht gewähren, das andere versagen: ein Jeder, der sich dem Vereine anschließt, hat kund gethan, daß er dasselbe anstrebt, daß er Theil nimmt an Bestrebungen dieser Art. Allein diese Bestrebungen sind nicht um ihrer selbst willen vorhanden, sie dienen einem höhern Zweck: den Fortschritten des Judenthums. Wer die Vernachlässigung des Juden, als solchen, mitempsindet, den treibt es, so viel an ihm liegt, Unrecht auszugleichen nicht blos, sondern Unrecht zu vertilgen durch unablässige sittliche Thätigkeit. Von einer Theilnahme dieser Art wird die Mitgliedschaft am Kultur-Verein immer einen Beweis abgeben, vorausgesetzt, daß nicht in dieser Mitgliedschaft allein die Theilnahme besteht. Denn könnten wir wol im Ernst dafür hakten, ein mäßiges jährliches Geschenk, das sei der ganze Tribut, den wir dem Wohle der Glaubensgenossen darzubringen haben? Wir dürften den verlassenen Künstler, den-darbenden Lehrer, den sich opfernden Gelehrten, mit dem Beitrage abseitigen, den unser Aufwand und unsre Eitelkeit so oft Hundertfach verschlingen? Nimmermehr! Noch vieles, noch Großes ist zu thun, das von den Mitgliedern außerhalb' des Vereins gethan werden muß; trotz unfern regelmäßig gezahlten Beiträgen, ist die verlassene jüvische Wissenschaft eben nicht reicher geworden an Gönnern. Und dennoch kann der Verein des Eifers der Einzelnen nicht entbehren, wenn irgend Großes geleistet werden soll, so wenig die besten öffentlichen Anstalten das eigene Wohllhun überflüssig machen, oder die besten Gesetze die häusliche Sittlichkeit und Eintracht. Als Mitglied der Gesellschaft ist jeder von uns nur ein Beitragender; zu einem Wirkenden erhebt ihn die eigene freie Thätigfcit. Um in Gleichgesinnten den Eifer für das, was wir anstceben, zu wecken, ward der Kultur-Verein gebildet, nicht um solchen Eifer einzuschläfern. Möchte darum, m. H., Ihr Beitritt die Kundgebung sein Ihrer Wärme für Alles, was Ehre des Judenthums und Wohl der Juden heißt; dann wird diese Theilnahme ein Panier werden, um welches diejenigen sich sammeln, die unsrer Aufmunterung würdig und bedürftig sind, und die anerkannte Leistung wird mit.doppelter Gewalt uns anziehen und zu weiterer Vervollkommnung beseelen." „Aus dem ersten Jahre waren vier Gesuche unerledigt geblieben und Hwar: eines Ungenannten, der eine Handschrift eingesandt, die er nachher wieder zurücknahm; ferner eines Herausgebers, eines Kunstbeflissenen und eines Erfinders; von diesen ist der erste, Gottl. Stern in Pucho, der das hebr. Wörterbuch des Sal. Parchon edirt, so wie der z ceite durch namhafte Unterstützungen aufgemunter!, der letzte abgewiesen worden. Hiezu kamen nun vom 18. Febr. 1842 bis 1. Febr. 1843 noch 21 Gesuche, nämlich: 1 Ungenannter sandte eine Partitur in der Handschrift ein; dies Gesuch ist noch nicht erledigt. 1 Herausgeber, der den Druck eines ihm überge-

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