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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-15 · Heft 20 (15.5.1843) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 20 (15.5.1843)
Date
1843-05-15
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 auch unser Vers, die Anschauung des Judenthuws über das Verhältniß des Juden und Nichtjuden, und weist die Beschuldigungen B.'s, die übrigens hier nur die, ganz gewöhnlichen, schon unzählige Male widerlegten sind, zurück. Indem der Vers, so die hauptsächlichsten Jnvektiven B.'s entwaffnet hat, wird eS ihm zum Bedürfniß, ein positives Bild jenem cntgegenzustetlen, und so sucht er im fünften Br. die Frage zu beantworten: was denn der jüdische Geist sei und wie er mit Nothwendigkeit diese und keine andere Erscheinungen hervorgebracht hat"? Er setzt dies vor Allem darin fest, daß das Judenthum den Naturdienst als Majestätsverbrechen ansieht, und war diese Erkenntniß das Werk der Patriarchen. Darauf wurden die Juden das erste Volk, das seiner Natürlichkeit nicht diente, sondern sie zum Dienste des Geistes verwendete. Diese Wahrheit sollte allen Völkern werden, jedoch nur freiwillig, nicht durch äußere Mittel, durch das Beispiel Jsrael's. Hierzu wurde ihm ein Mittel in der Symbolik, den Völkern gegenüber seine Volksausgabe zu erfüllen. Die Zeit bis zum Fall des ersten Tempel ist der Kampf um das Prinzip. Zur Zeit des zweiten Tempels war das Prinzip anerkannt, aber noch nicht ausgeführt. Wir hätten gewünscht, daß, anstatt vieles Nebensächlichen, das das Buch enthält, der Verf.. dieses Prinzip in den einzelnen Partieen des Judedthums näher nachgewiesen, und dies der historischen Skizze vorangeschickt 'hätte. So steht es zu nackt und eindruckslos da. Es hätte dies sehr wohl auf einigen Seiten geschehen können. Zwar hat der Verf. im Vorausgehenden schon manchen Wink gegeben, aber er hätte es an diesem Orte zu einem kräftigen Gemälde zusammenstellen sollen. Er kann auch in einer Streitschrift nicht verlangen, daß wer feine Religionsphilofophie nicht genau kennt, sie bei jeder Seite zur Hand nehmen solle. Er hätte Nachweisen sollen, wie dieses oberste Prinzip sich im Moral - und Sozial-, wie im Zeremonialgesetze des Judenthums abspiegelt und diese als nothwendig produzirte. — Im sechsten Br. zeigt der Verf., wie die christliche Kirche durchaus nicht die Konsequenz des Judenthums läugnet werden soll. Oft genug wird er auch angedeutet, z. B. beim Blut, bei den Zizzith u. A. Aber es ist leicht einsichtlich, daß, so lange noch ein Symbol als solches lebendig ist, eine Aussprache über dessen Bedeutung nicht nothwendig ist; denn sobald über den Inhalt des Symbols reflektirt wird, ist das Symbol als solches schon todt. ist, sondern dieses gegen jene protestirt; er scheidet die chnstl. Kirche von Jesus, (wo er aber.die Grenzlinien hätte viel schärfer zeichnen sollen,) und sieht den historischen Jesus als den klassischen Charakter des! Monotheismus an, den aber die Apostel völlig umgestaltet hätten. Zuletzt kommt der Verf. mit Wenigem auf den „christlichen Staat" zu sprechen, den er erst mit der Reformation beginnend ansieht. Die Ansicht des Verf. ist schön, aber er hat es vernachlässigt, den Unterschied zwischen dem kirchlich-christlichen Staate und dem geistig-christlichen Staate scharf bemerkbar zu machen, wodurch denn Begriffsverwirrung sehr leicht möglich ist. — In einem Anhang bespricht der Verf. noch den Nachsatz B.'s in seiner Broschüre, doch ist daraus nichts Wesentliches zu vermerken. Wie nun dieses Werk so vor uns liegt, nimmt, es jedenfalls Ln der Geschichte dieser Polemik einen vorzüglichen Raum ein. Es giebt den christlichen Theologen, so wie dem Nichttheologen Bauer ein Zeugniß, wie redlich es die heutigen Juden mit ihrer Aufgabe meinen, wie sie sich deren wohl bewußt sind, und' ernstlich an ihrer Lösung arbeiten. Es ist zwar traurig, daß erst Streitschriften ihnen die Augen öffnen müssen, während dies doch die positiven Schöpfungen längst hätten thun sollen: da sie aber von diesen einmal keine Notiz nehmen, so -mnß auf indirektem Wege geschehen, was auf direktem nicht geschieht. Zeigt doch eben Bauer in seiner Schrift, indem er sich in den Arbeiten der neueren jüd. Theologen bewandert zeigen will, wie er nur kümmerliche Brosamen aufgelesen. — Frägt man mich nun, was ich wol nun in diesem Streite noch wünschen könnte? so will ich nicht zurückhalten: ich wünschte noch eine einfache Entgegnung, die, ohne die Syllogismen Bauer's mit Syllogismen zu beantworten, in klarem, derbem Tone seine Sophisterei am Spiegelbilde der Wirklichkeit, des praktischen Lebens treffend zu Schanden machte. Denn am Ende haben die Gegner B.'s doch das Einfachste nicht hervorgehoben: daß es^sich in der Judenfrage doch nicht bloß um Wort und Schluß/ sondern um Freiheit und Recht, um Menschenglück und Unbeschränktheit der Ueberzeugung handelt!

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