Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1843)
- Date
- 1843-05-15
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225302--05214-3235854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
290 als Zufälligkeit gelten; wie oft bleibt das Gute eine Zeit laW.verborgen, und will erst gleichsam entdeckt, wenigsteEs^efunden fein. So aber begegnet, dieses vornehme Uebersehcn, dieses verschweigende Nichtbeachten ziemlich allen jüdischen Gelehrten; man lobt es nicht allein nicht, sondern man bekämpft es auch nicht, wenn es irrig ist, was von jüdischen Gelehrten ausgeht,. inan will nichts davon wissen. Gut. Wir haben unfern eignen Grund und Boden, so wollen wir auf ihm verbleiben, auf ihm uns wohl fühlen, da man außen nichts von uns wissen will. Aber ha! um so eibärmlicher, um so nichtswürdiger ist es auch, wenn auch aus diesem eignen Grunde Schelsucht, Eifersucht, blinder Haß, Rohheit und Zanksucht sich herrschend machen, und mit eignen Händen zerfleischt wird, was Edeles und Treffliches hervorsprießt! — Eines dient uns aber bei obiger Beschaffenheit und Sachlage zum Tröste und zum Sporne. Wir müssen mit aller Anstrengung dahin streben, daß man uns nicht entbehren kann, wir müssen so Großartiges und Ueberwältigendes zu schaffen suchen, daß man bei zngedrückten Augen — mit der Nase auf uns stößt. Wie auf nichttheologischen Gebieten ein Meyeebeer, ein Ernst ff. doch am Ende den Lorbeer sich gewannen, so wird, so muß es auch auf unsren nächsten Feldern kommen! Magdeburg, den 8. Mai. Äntrbaueriana. (Schluß.) Der dritte Gegner, der so eben de» Kampfplatz betreten, ist Dr. Samuel Hirsch, Rabb. . . 3) Das Judenthum, der christliche Staat und die moderne Kritik. Briefe zur Beleuchtung der Judenfrage von Bruno Bauer. Leipzig, 1843. Was Lobcnswerthes, Anerkennungswerthes, Verdienstliches an diesem Manne, so weit er sich bis jetzt literarisch kund gethan, ist, hat sich nicht weniger auch in dieser Schrift an ihm bewährt, als das, was ihm mangelt. Philosophische Auffassung und Begründung, ein scharfer Blick in die Tiefe der religiösen Erscheinungen von ihrer historischen Seite machten ihn besonders befähigt, Bauer gegenüberzutreten; eine tüchtige Bekanntschaft mit den philosophischen Schulen der neuer» Zeit, ein Durchdrungenscin von dem philosophischen Gehalte des Judenthums unterstützten ihn. Was ihm mangelt, ist die Befähigung, das, was er vorzutragen hat, in angemessner Anordnung, in logischer Entwickelung uns vorüberzuführen, .so daß die Resultate klar hervortreten, und mit überwältigender Macht uns fesseln. Ohne unklar zu sprechen, indem er sich gar nicht in den Stichwörtern der Schule umherwirft, ist der Rededrang doch so ungeheuer, daß die Gedanken an Klarheit und Schärfe verlieren. Dies ist mit Bedauern zu bemerken, da der Verf. dadurch gegen Bauer verliert, der, weniger Philosoph als Kritiker, so meisterhaft die Massen seiner Ideen in geordnete Schlachtrcihen zu führen versteht. Herr Rabb. Hirsch hat die Form von Briefen gewählt, und schon diese Formkonnte der Bauer'schen Abtheilung in, bestimmte Kapitel und Abschnitte weniger 'schlagend entgegentreten. Es versteht sich von selbst, daß er diese Briefe an Einen richtet, der, ohne von der Richtigkeit der Bauer'schen Jnvectiven überzeugt zu' ftin , doch an der vollständigen Verlheidigung des Judenthums noch zweifelt. Es wäre dies ein guter Hintergrund gewesen, wenn derselbe auch im spätern Verlauf ausgemalt, und als Schatten für das darauf geworfene Licht benutzt worden. Aber Herr Rabb. Hirsch dozirt später nur darauf los, und benutzt jenes im Anfänge nur dazu, um auf die jüdischen Theologen loszuschlagen, die, anstatt „das Judenthum philosophisch zu legitimtren," über nuin 'b^sn, über die Zulässigkeit eines Rabbinen, der diese oder jene talmudische Satzung für unwesentlich hält, - über ■paa und streiten. Ja, er macht es den jüdischen Theologen zum Vorwurf, daß sie die Damasker Beschuldigungen noch als unwahr betheuern müssen. Ich glaube, Herr Hirsch ist da in den Fehler seines Gegners B. verfallen, der den Druck der Juden nur aus dem Gegendruck, de» sie verursachten, erklären will., Herr Hirsch mag auch bedenken, daß die philosophische Legitimation fcef Judcnthums bei weitem nicht den Vordergrund unsrer Bestrebungen einnehmen kann, sondern das Leben ünd die intensive Kraft des Judenthums zu wecken, aus der Erstarrung zu retten, in die es die letzten beiden Jahrhunderte allerdings gebracht hatten; nicht philosophische-Deduktionen, so hohen Werth diese haben, sondern den Gehalt und den Anbau des Judenthums für das-Leben herauszufördern, und eine frische eben wieder erwachte Reproduktionskräft in lebendiger Bewegung zu erhalten. Ueberhaupt finden wir eS lächerlich, zu sagen, „das Judenthum habe nachzuweisen, daß eS mehr als eine unvertilgbare Schmarotzerpflanze sei" — für wen? für uns, die wir innerhalb desselben an seinem markige»