Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1843)
- Date
- 1843-05-13
- Page
- Seite 286 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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286 Ko rre fp o n S en z e n. - Strelitz, im April. Unausbleiblich und unwiderruflich. ist" der Sieg der Freiheit- und bes Fortschritts gegen äußere Gewaltthat, wie' geM Geistesverdunkelung nach Innen! . Die,sehnlichst herbeigcwü-nschte Emanzipation, mag sie noch so lange hinausgefchoben werden , mag noch so lange die Bevorzugung Einzelner' in" der Gesellschaft forldauern: — unser ist dir Zukunft; '.die Zukunft) die ein neues Geschlecht heranbilden Wird, den 'Werth des Menschen .nicht nach dem Zufälle seiner' Gebürt zu schätzen, den Willkür und jahrhund'ettlanges " Vorürtheil geschaffen, sondern nach dem, was seinem Innersten entsprossen: seiner Bildung, seinen Tugenden. Und giebt uns, die wir seit tanger Zeit im Mecklenburg - Strelitzschen ohne bürgerliche Rechte leben) das im'Ganzen vorherrschende und gottlob! nicht vergebliche Streben nach Geistes¬ und Herzensbildung die Bürgschaft, daß es auch" hier beffer werden muß, so hat es sich'bewahrt, daß wie überall, ' so c^rifaUö ‘ bet utiö bic tüchtigeren Geister, Männer, die ein Herz hatten für das Gesammtinteresse ihres Vaterlandes' und nicht bloß' für die Bevorrechteten in demselben-^- und waren ihrer noch so viele — auf der 'Sekte der verkannten, ' unterdrückten 'Partei standen und ihrer Sache, als 'der Sache' der Allgemeinheit und dem Allgemeinen nützend, daS'Wort redeten. — Diese so oft schon und von Vielen beffer ausgeführten Gedanken bemusterten sichunser, bei Lesung eines vor mehr als 40 Jahren. anonym erschienenen Schriftchens, betitelt: „Ueber Ausnahme und Konzessionirung der frernden und einheimischen Juden, in-, rechtlicher und staatswirthschaftlicher Hinsicht, .mit besonderer Beziehung auf M. Strelitz. Von einem Mitbürger dieses Staats. Berlin, 1802,", das dem damals als Kanzlei-Rath bei der Justiz-Kanzlei zu Neustrelitz angeftellten, spaterem preußischen . Justiz - Minister v. Kamptz, zugeschrieben wird.' — Fordert der Verfasser für die. Juden nach einer kurzen Besprechung ihrer früheren Lage im Allgemeinen und ihrer lokalen m' M. StreliH insbesondere, vorerst auch nur ein'Weniges:' die Erlaubniß des Umzugs nach allen Städten, ' Erwerbung von Grundeigenthum kn denselben, ihre Aufnahme als Meister in die Zünfte, welche letztere) wie er berichtet, zur Zeit' der Abfassung seiner Broschüre, wenn auch ruw ausnahmsweise bei Einzelnen stattfand/zumalE dabei nicht an Aufhebung des.Schutzverhältnifles-denkt,:--das er freilich als unfern»' humanen.Jahrhundert.nicht ziemend beklagt, — so würden doch bei der zur Zeit noch so trüben Stellung der Bekenner des Judenthüms im Strelitzschen, diese Rechte, wenn sie noch ein Mehreres., für die Folgezeit in Aussicht" stellten,..'. freudig,, und, dankbar entgegen genommen werden. ' Ohne hier das für die damalige Zeit gewiß nicht geringe, weil seltene Verdaust jener Schrift, die gegen uns vorherrschenden Vorurtheile zu . beleuchten und als verwerflich zurückzuwelsen, als schon zu oft wiederholt, näher zu erörtern, erwähnen wir nur noch, - daß dieselbe die aus einem frühern Herzoglichen Erlasse etwa zu folgernde Meinung, Juden--seien nicht inalle Städte aufzunehmen , durch : eine nicht viel - spatere Festsetzung des . sogenannten -Erbvergleichs vom 18. April 1755-als unkraftig geworden nachweist, und gehen über zu dem, was sie Won uns, - ober im Falle - der! Unvermögenheit der Judenvon den Städten ): im denen sie leben, als Entgelt): Und. Garantie für: düs: zu Gewahrende verlangt. Es darf':mit redlichstem) Bewußtsein- -behauptet werden, daß seit. Errichtung unserer nun beinahe sechzehn Jahre wirkenden Gemeindeschule-, die vrü uns gestellte: Forderung, für einen.zw'L ck-'nüä:ß.i-g'süSchü l'-Ün't e'vri ch t zu sorgen durch die Theilnahme unsererhohen Landesregierung) wie durch die .anstrengendsten ' Opfer unserer nur unvermögenden Gemeinde: erfüllr-wird; und'erst vor Kurzem gab uns ein am Schluffe -'-des Semesters abgehaltenes zweitägiges. Examen für': die: Mädchen und Knaben die freudige Genugthuung, daß vom ihrem nunmehrkgen Dirigenten, dem Herrn vr. D. Sanders von hier, dieselbe aufder: von ihren Stifternvorg^zeichneten Bahn, Alles das zu leisten, was von einer höheren Bürgerschule verlangt wird) -dabei! aber auch für die dritte Klasse des Gymnasii vorzubereiten mit dem regsten Eifer und auf die-zweckmäßigste Weise geleitet wird. Diese genannten Zwecke, welche die Schule zu verbinden streben soll, hat Herr Dr. Sanders am Schluffe des Examens in geist- und gesi'nnungsvoller Rede besprochen und überzeugend dargethan, wie dieselbe, indem sie unfern derzeitigen lokalen Verhältnissen! gemäß auch die Ausbildung ihrer Schüler zu tüchtig/n Kaufleuten nicht verabsäumt, diesen drei Erfordernissen genügen kann und soll, ohne in Einseitigkeit eines dem andern zu opfern. Erfreulich tvar es zu sehn, wie auch die ersten und würdigsten Schulmänner des Landes ver Prüfung beiwohnten und den Leistungen der Lehrer, wie den ausge-