Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1843)
- Date
- 1843-05-13
- Page
- Seite 287 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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257 sprochenen Ansichten des ^Dirigenten . den ungetheiltesten Beifall und die wärmste Anerkennung bezeigten. Aachen, April. Wenn man den französischen-Boden verlassen, wo auf der einen Seile nur. der gxößte^Jndiffeccnrismus, awf: der andern der alte Zelotismus vorherrschend ist, freuet man sich, wieder einmal eine deutsche Gemeinde zu finden, in der ein edles B.streben nach Fortschritt sich kund giebt. Dies war mein Gedanke, als ich den ersten Sabbat nach einem längeren Aufenthalte in Frankreich in Aachen zu1)rachte; überzeugt, daß die Anerkennung des Guten, wo man es auch findet, einen günstigen Einfluß auf andere Gemeinden ausübt, bitte ich Sie, geehrter Herr Rabbiner, diese Zeilen in Ihrem Blatte aufnehmen zu wollen. — Aachen ist nur eine kleine Gemeinde, sie zahlt höchstens vierzig Mitglieder; aber wenn von Gottesdienst, Unterricht, äußerer Einrichtung die Rede ist, so darf sie sich dreist den größeren besseren Gemeinden an die Seite stellen. Ich kenne wenig Gemeinden,' die so eifrig mit der Zeit fortschreiten, als diese, und dieses verdankt 'sie einzig und allein dem-Vorstände, an dessen Spitze Herr Levy steht.' Die Wahl des'Vorstehers ist für die Gemeinde eine sehr wichtige Sache, und Aachen hat eine glückliche Wahl getroffen, weil sie einen Mann gewählt, der — obgleich noch sehr jung, und wie oft wählt man aus einer Ehrfurcht, die nicht an ihrem Platze, grade den Aeltesten der Gemeinde, der dem Amte nicht gewachsen ist —- mit Eifek und Sachkenntniß die Angelegenheiten der Gemeinde leitet.. Ich . fand in Aachen , den Gottesdienst. in größtmöglichster Vollkommenheit; die Gebete , werden mit .größter: Ordnung und Ruhe rezitirend vorgetragendas Chor ist trefflich geleitet, und besonders hervorzuheben, daß nicht nur dje Jugend, sondern auch erwachsene Prrsonen sich demselben anschließen; ist auch der Vorsänger kein vorzüglicher Sänger, so versteht er es doch, einen Chor zu leiten und durch seinen Vortrag den Gottesdienst zu heben. Der Tempel, der hier vor einigen Jahren erbauet, ist von einfacher Schönheit, der Boden durchweg mit Teppichen belegt, was sehr viel dazu beitragt, daß die hier herrschende Ruhe wahrend des Gottesdienstes nicht unterbrochen wird. Hier sah ich auch das erste Gotteshaus, das durch Gas erleuchtet wird. Mag diese Einrichtung auch sehr zweckmäßig sein, für Aachen um so zweckmäßiger, da Sir Möses Montesiöre der Gemeinde ein Geschenk damit machte, so . möchte ich sie doch nicht loben., Diese Act von Erleuchtung machte nicht den Eindruck auf mich, den sonst der mit Kerzen hell erleuchtete Tempel wol auf jedes fühlende Herz machte Doch mag. auch der-Grund .in der Unvollstandigkeit der Beleuchtung zu suchen sein, und waren einige Flammen mehr in diesem Geberhause gewiß sehr zweckmäßig. — Der Gottesdienst am mtt, dem ich beiwohnte, ward noch besonders gehoben durch den Vortrag eines jungen Kandidaten, der zu diesem Zwecke vom Kreisrabbiner dorthin ^geschickt war. Es ist dies sicher ein sehr guter Gedanke: junge Theologen haben dadurch.Gelegenheit, sich auszubilden, sie treten, wenn sie einmal im Amte sind, hoch "nicht ganz ohne Uebung auf die 'Kanzel, und kleine Gemeinden ^brauchen auf diese Art doch wenigstens.wahrend-der Festtage der Predigt nicht zu entbehren. Daß der Vorstand in Aachen übrigens sich bemüht,Zeinen Prediger.zu engagiren, ist ein Beweis, wie sehr man die Nothwendigkeit und den Nutzen regelmäßiger^ Vorträge fühlt; doch, - treten , hier freilich finanzielle .Verhältnisse..hindernd, im Wege... Dernungeachtet ist der Unterricht von zwei Gemeindelehrerti sehr 'gut geleitet..////'" ' / ' / Vf . ' Außerdem hat die Gemeinde noch sehr gewonnen durch die jüdische 'Erziehungsanstalt, - welche De. Ludwig Wihl hier begründet, und; die -trefflich gedeihet. - Diese Anstalt, mit /her/ ein. Pensionat verbunden, hat den Zweck:/-.''.Kdische^ Knaben,>zu/: einer , höheren / Stufe, .'her Bildung^ zuerziehen, . und können wir sie - mit .Recht allen Eltern empfehlen. Die äußere Einrichtung so.wvl als die treffliche Leitung der.. Anstalt, an der dieersten Lehrer der Stadt wirken, das Gemüthlkche des Familienlebens, das in diesen Kreisen Herrscht, und mich veranlaßte, mich mehrere Tage hier aufzuhaltm, die Herrliche, gesunde Lage der Anstalt machen sie zu einer der besten, die mir bekannt geworden. Wenn ich diese Gemeinde mit andern' vergleiche, die ich Gelegenheit - hatte kennen zu lernen, so glaube ich mit vollem Rechte sagen zu können, daß sie eine der besten ist, die hier am Rhein sind, und wünsche ich nur, daß ihr Beispiel segensreich auf andere einwirke.