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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-13 · Heft 19 (13.5.1843) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 19 (13.5.1843)
Date
1843-05-13
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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285 deren Bearbeitung, oder doch deren umfassende, aus den Quellen geschöpfte und unparteiische Bearbeitung nur durch Israeliten zu Stande kommen kann." „Zweitens glauben Viele, daß die hebräische Grammatik durch die Bearbeitungen der bekannten jüdischen Grammatiker des Mittelalters und durch die neueren verdienstlich»» Forschungen eines Heidenheim, Gesenius, Ewald und Anderer bereits einen solchen Höhenpunkt erreicht habe, daß sie als etwas Fertiges und Abgeschlossenes zu betrachten und von der Anstellung fernerer- Forschungen keine wesentliche Ausbeute zu hoffen sei." „In der Lhat ist es unter der gesammten hebräischen Literatur des Mittelalters neben der exegetischen vorzüglich die grammatische, welche nicht bloß historischen, sondern bleibenden Werth behauptet, und weit mehr als die übrigen Schriften dieser Periode dem wissenschaftlichen Standpunkte der Gegenwart genügt. Benutzt von älteren und neueren hebräischen Sprachforschern, ist diese Literatur das Fundament aller vorhandenen Lehrgebäude der. hebräischen Grammatik, und wird noch lange,, besonders da noch viele unbenutzte Manuskripte m den Bibliotheken verwahrt sind, eine unausgeschöpfte Fundgrube der grammatischen Erkenntnkß bleiben. Da nun' die neueren Grammatiker, welche in Bezug auf Methode, Darstellungskunst und vielseitigere Benutzung der verwandten Dialekte vor den älter» jüdischen entschiedene Vorzüge haben, doch in den wesentlichsten Punkten mit denselben übereinstimmen und sie gewiß in dem grammatischen Verständnisse der heiligen Schriften nicht übertreffen, in der lebendigen Kenntniß der hebräischen Sprache aber weit hinter ihnen zurückstehen, so hat sich bei Vielen die Ansicht geltend gemacht,, daß nicht durch neue Untersuchungen, sondern durch Verbreitung der bereits vorhandenen Leisiungen nur noch wahres Verdienst um die hebräische Sprache zu erwerben sei. Erklärt sich aus den erwähnten Ursachen die Unthatigkeit des israelitischen Gelehrten im Gebiete der wissenschaftlich grammatischen Literatur, so ist nicht zu leugnen, daß die zuerst angegebene Ursache mehr für den Beginn der gegenwärtigen Periode des erwachten wissenschaftlichen Geistes unter de)i Israeliten gültig ist, als für unsere Zeit, wo dieser Geist schon kräftigst sich', entwickelt, und seine schönen Blüthen in trefflichen Produktionen der den Israeliten eigenihümlich angchörenden Studien sich bereits offenbart hat; die zweite Ursache aber avfhören muß, die grammatischen Spekulationen zu hemmen, sobald sich Nachweisen laßt, daß sie gänzlich unbegründet ist, und die Lehren der früheren Grammatiker wesentlicher Berichtigungen bedürfen." — . - Bei dieser richtigen Beurtheklung der Sachlage ist es doch hervorzuheben, daß die jüdischen Theologen in der Neuzeit zu viele wesenhafte Lücken zuvor auszufüllen hatten, ehe sie an die grammatischen Forschungen herantreten konnten. Noch stand die jüdische Homiletik in der Kindheit, noch war außer der Mendelsfohn'schen nicht eine einzige'Bibelübersetzung vorhanden, noch war die Liturgie, das Religionsunterrichtswesen, noch her philosophische Ausbau des Zudenthums sehr geringfügig in Angriff genommen; hierzu gerechnet, daß der jüdische Theologe sich der politischen Bewegung seiner Glarrbensgenossenschaft nicht entziehen kann, und auch dar? auf seine Aufmerksamkeit richten muß — Gegenstände genug, die zuvor auf einen gewissen Höhenpuyklge? bracht werden mußten. Die Leser Vieser Blätter wissey übrigens, daß für die praktische Bearbeitung der hebxaf? schen Grammatik in jüngster Zeit manches. Treffliche gebracht worden. Der Verfasser des vorliegenden Mei^ kes mag übrigens den Reigen tieferer grammatischer Forscher unter uns wieder begknnrn, sein Merk zeiKt ihn würdig, an diese Spitze zu treten. Wir fühlen uns um so mehr verpflichtet, die Resultate des Werkes hier einfach aufzustellen. (Fortsetzung folgt.) Magdeburg, im Mai. (Aufforderung.) Von mehren Seiten sind wir ersucht worden, folgende Aufforderung ergehen zu lassen: Im vorigen Jahre erschien unter dem Pseudonamen Eugen Rispart ein vorzüglicher Roman: „die Juden und die Kreuzfahrer in England unter Richard Löwen Herz." Zwei Theile. Leipzig, 1841. Derselbe fand auch eine günstige BeurthUung in No. 2. 1842 dies. Arg. Freunde dieses LiteraMzwekges, denen das genannte Werk wahrhaftepi Genuß verschaffte, wünschen zu wissen 1) den wirklichen Vtamm des Verfassers, 2) ob das damals von ihm in Aussicht gestellte zweite Werk bald erscheinen werde? Eine Antwort auf diese Fragen würde uns sehr willkommen sein. 19

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