Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1843)
- Date
- 1843-05-13
- Page
- Seite 284 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Unter diese Mittel rechne ich auch das vorliegende Gebetbuch für israelitische Frauen und Mädchen. Sehen wir zuerst auf die Form, so ist der weiche, das weibliche Herz treffende Gebetton sehr gut getroffen, und eben so weit von Schwulst wie von kraftlosem Hinschmelzen entfernt. Die Sprache ist rein und edel (hie und da einiges Inkorrekte), gerundet und fließend. D.ie Gebete sind nicht zu lang. Was den Inhalt betrifft, so findet man zwar keine Originalität der Gedanken, wol aber ist der große Schatz religiösen Denkens und Fühlens, der in dem gemüthvollen Israeliten nach dem jetzigen Stande religiöser Bildung vorhanden ist, in vollem Strom benutzt, und reichlich herangebracht. Bibel- und hie und da Talmudsprüche sind gut benutzt. Gegenständlich legen sich die Gebete an alle religiösen und häuslichen Veranlassungen wohl bedacht an; zu loben ist es auch^ daß Erklärungen der Zehn Gebote nicht fehlen. Auszusetzen hatten wir nur, daß nicht eine Reihe freier Betrachtungen und eine Auswahl von Psalmen gegeben ist; ferner hätten wir, da das Buch jungen Mädchen auch in die Hände gegeben werden soll, die No. 91. 92. 93. feiner, umschriebener betitelt gewünscht. Warum ist das geschwisterliche Verhaltniß nicht bedacht? — Um aller dieser Eigenschaften willen, und da der Verfasser so gut verstanden, weder über, noch unter den Horizont gebildeter Mäochen und Frauen zu gerathen, und daS Ganze zart und edel gehalten ist, empfehlen wir das Buch denjenigen Vätern und Müttern, die in ihrem,Hause einen frommen, gehobenen Ton zu entwickeln wünschen. Gebet es euren Töchtern in die Hände; weiset sie an, (zuerst an einigen Tagen eine Nummer daraus zu lesen, und immer öfter, damit sie sich daran gewöhnen, ihr Herz der Religion zu öffnen. Die heilsamen Wirkungen werden nicht ausbleiben. — Ausstattung ziemlich gut. — Magdeburg, 28. April; (Privatmitth.) (Grammatik.) Die Lehre vom Tempus und Modus in'der hebräischen Sprache. Von Vr. Simon B. Scheper. Frankfurt am Main, 1842. — Der scharfsinnige Verfasser dieses Werkes sagt inder Einleitung mit großem. Rechte: „Es kann dem aufmerksamen Beobachter der literarischen Bestrebungen unserer Glaubensgenossen nicht entgangen sein, daß unter den vielen israelitischen Schriftstellern, welche im Laufe der letzten Dezennien im Gebiete der israelitischen Studien auftraten, und über Geschichte, Theologie und. Exegese herrliche Erzeugnisse, ja zum Theil Meisterwerke zu Tage förderten, keiner zu nennen ist, welcher die Grammatik der hebräischen Sprache zum Gegenstände einer tiefern Forschung machte, und eine über die vorhandenen Leistungen hinausgehende, wissenschaftliche Darstellung derselben zu liefern versuchte. Daß dieser Mangel an schriftstellerischer Thatigkeit im Anbau des Feldes der grammatischen Forschungen keineswegs einer eingetretenen Lauheit für das Studium der hebräischen Sprache beizumessen ist, wird Niemand in Abrede stellen. Zu viele Beweise sprechen dafür, daß auch die heutigen israelitischen Gelehrten von begeisterter Liebe für die hebräische Sprache beseelt sind, und auch sie, gleichwie unsere Vocältern, das Wirken für die Erhaltung und Pflege und für das immer gründlichere Verstandniß derselben als ihren heiligen Beruf betrachten. Ist ja auch in unserer Zeit, wie es von jeher der Fall war, die lebendige Kenntniß dieser Sprache nur im Besitze der Israeliten, aus deren Mitte auch in der Gegenwart hebräische Werke hervortceten, welche denen aus der Zeit des höchsten Flors der hebräischen Literatur nicht unwürdig an die Seite zu stellen sind. Irren wir nicht, so ist die Ursache der geringeren Sorgfalt, welche man in unserer an wiffenschaffentlichen Bestrebungen doch so reichen Zeit den hebräisch-grammatischen Forschungen widmete, eine doppelte." „Erstens gehört die hebräische Grammatik, wiewol als Mittel zum Verständnis der heiligen Schriften eine wesentliche Disziplin der jüdischen Theologie, dieser nicht ausschließlich an, da auch die Gelehrten anderer Konfessionen, welche unsre Schriften als die Quelle religiöser Erkenntnisse, oder zu historischen Zwecken benutzen, der hebräischen Grammatik eben so gut als wir bedürfen, und dieselbe bereits seit vielen Jahrhunderten mit rastlosem Eifer und zum Theil nicht mit geringem Erfolge bearbeiteten. Als daher unsere Glaubensgenossen beim Beginne der gegenwärtigen Periode, wie in der ihr ähnlichen arabisch -spaniscyen, Wissenschaft und Theologie zu vermählen strebten, waren es nicht, wie ehemals in Spanien, grammatische Forschungen, welche die neu erwachte wissenschaftliche Thatigkeit sonderlich in Anspruch nahmen; vielmehr zogen es die israelitischen Gelehrten mit Recht vor, zuvörderst diejenigen Zweige der israelitischen Studien anzubauen, welche den Israeliten eigenthümlich sind und sie. als solche betreffen, und