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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-13 · Heft 19 (13.5.1843) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 19 (13.5.1843)
Date
1843-05-13
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 sich sehr thätig der Sache annahm. Die Polizeibehörde setzte er aber vergebens in Bewegung; erwirkte indeß von geistlicher Behörde, vom Bischof in Paderborn, einen Befehl, die Taufe zu suspendiren bis auf weiteres. Der Befehl langte per Estafette in Werl an, als eben der Pastor zur Kirche gegangen war, wohin ihm das Mandat überbracht wurde, das er klüglich uneröffnet ließ, bis nach vollendetem Kirchendienst, und die Taufe war also vor Erbrechung vollzogen. Wie ich höre, ist bereits unter Einwirkung des Herrn Hellwitz Klage auf Untersuchung und wegen Kinderraub wider beide gedachte Pastoren eingeleitet. Man hört noch von manchen empörenden Jntriguen, die sich die beiden Pastoren sollen zu Schulden kommen lassen, als Aufhetzung des Pöbels (der jedoch nicht zum Ausbruch gekommen) u. s. w., mit deren ELnzelnheiten ich Sie jedoch nicht belästigen will. — Wie war es nun aber möglich, einen jüdischen Knaben so zu verleitend Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen meine Ansicht sage, worin der Grund zu finden. — Zn Gesecke sind die israelit. Einwohner so kurzsichtig, sich mit einem unwissenden sogenannten Lehrer und Schächter in einer Person, sei es au-s sogenannten religiösen oder geizigen Absichten zu behelfen, und so ohne Religionsunterricht ihre Kinder aufwachsen zu lassen. Der Erfolg liegt nun durch vorliegendes Beispiel klar zu Tage." — So weit unser Korrespondent. Derselbe hat aber die Q-uelle des Uebels bereits angegeben. Wenn jüdische Eltern ihre Kinder ohne allen tiefern und geläuterten Religionsunterricht aufwachsen lassen, wenn sie genug gethan zu haben glauben, so ihre Kinder zur Roth die hebräischen Buchstaben kennen, wenn die Gemeinden für das religiöse Bedürfniß gesorgt zu haben meinen, sobald nur Kascherfleisch und Jemand, der die üblichen Gebete sabbatlich ableiert, da ist: so können sie keine andren Früchte erwarten. Wenn nun gar den Kindern ein wissenschaftlicher Unterricht ertheilt wird, diese im christlichen Lehrer den Inhaber aller Weisheit, dem polnischen Jüngling, der das Schächten zu besorgen, gegenüber, verehren lernen: so bedarf es wahrlich nicht viel, um auch den letzten Damm hinwegzuräumen. O die Kurzsichtigen, die einen geregelten jüdischen Religionsunterricht von sich weisen, aus Besorgniß, ihre Kinder würden dadurch der blinden Orthodoxie entzogen,- und sie lieber blindlings den Händen fanatischer Proselytenmacher übergeben! Mit aller Kraft, die den wahrhaften Anhängern des Judenthums noch einwohnt, müssen wir solchen Zuständen entgegenarbeiten.^ Von diesem Standpunkte aus haben wir einen jüdischen Missionsverein in Vorschlag gebracht, und hoffen zu Gott, ihn noch in's Werk zu setzen. Einstweilen aber legen wir Obiges allen Gemeindevorstehern an's Herz. Erwachet, ihr saumseligen Knechtei Wollet Ihr in Jeschurun irgend ein Amt, irgend eine Würde bekleiden, so thuet und wirket auch! Aber nicht bloß der Vorsteher, jedes Einzelnen Pflicht ist's, auf Besserung zu wirken. Hülfsmittel sind genug einem Jeden vorhanden. Verbreitet gute Bücher, gute Lehrbücher unter die Masse, gebet sie Allen und Jedeyr in die Hände, zeiget euch eifrig und rüstig, und wartet nicht, bis ihr Veranlassung habet, die Hände über den Kopf zu schlagen!») - *) Dieser Zweck leitete den Redakteur in der Abfassung und Herausgabe des „kleinen israelit. Katechismus, der für 24 Ngr. durch jede Buchhandlung zu beziehen (Baumgärtner, 1843.). Wir machen Gemeindevorsteher darauf aufmerksam. Sie können hier mit dem Opfer einiger Thaler, allen Kindern ihrer Gemeinde etwas Fundamentales geben. Die Unbedeutenheit der Sache von materieller Seite schützt den Abfasser Dieses vor der Verdächtigung eigennütziger Absichten in der dringenden Empfehlung des Büchleins. Die Redaktion. Zeitimgs«achrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 15. April. (Privatmitth.) Wenn es nicht zu leugnen ist, daß häufig einen Juden, weil er dies ist, eine Zurücksetzung trifft: so geschieht es doch eben so oft, daß ein Individuum nicht als solches auf seine Persönlichkeit, sondern sofort auf seine Eigenschaft als Jude die Zurücksetzung und mit Unrecht bezieht. Wenn dadurch das Individuum sich bequem dem entziehet, was etwa Beschämendes für ihn in der Zurücksetzung lag: so wird doch das Judenthum selbst dadurch oft genug in eigenwilligen Schatten gestellt, als daß wir nicht dagegen protestiren sollten. Es giebt dann immer gutmüthige Lermschlager genug, die über Intoleranz schreien, und dadurch das Judenthum selbst nur an den Pranger stellen. Dem muß nicht also sein. Man muß die Fälle der Intoleranz nicht selbst vermehren, sondern im Gegentheil sie eher zu ver-

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