Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1843)
- Date
- 1843-05-13
- Page
- Seite 279 (sequence 3)
- Language
- German
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279 Urtheile gefällt haben. Es ist dies rein menschlich, und wir haben es in Deutschland schon mehre -Male erlebt: die Juden müssen es zuletzt büßen, wenn man früher im Aufschwünge von humanerer Gesinnung zu günstig sich für fit interessirt hat. Um daher die in den Laudtagsmittheilungen jetzt uns vorliegenden Verhandlungen mit einem Worte zu charakterisiren, brauchen wir. nur eiw Wort, das Se. K. H. Prinz Johann in der Debatte fallen ließ, hervorzuheben (S. 815): „Den zu 1) gestellten Antrag wünschte ich allerdings nicht in Wegfall gebracht zu sehen; denn Einiges möchte ich doch den Israeliten gewähr ren." Es ist dieser Satz au sich ganz ohne Bedeutung, aber im Zusammenhang mit der Totalität der Debatte giebr er doch ein zu lebhaftes Charakteristikum ab. Man stelle sich ein Prinzip vor, eine Konsequenz dieses Prinzips, eine auf theoretischer Anschauung und praktischer Erfahrung gegründete Ansicht, von der aus über das Wohl einer ganzen Korporation, über die Verwirklichung der Glaubensfreiheit, über die Anerkennung des Menschen und seines angebornen Rechts abgeunheilt werden soll, und dann—diesen Satz gegenüber, der Einiges gewähren will, der Einiges gewähren möchte, der -och Einiges gewähren möchte, und — man hat genug. An sich ist in den Verhandlungen nichts Neues gesagt worden, am wenigsten Etwas, was nicht bereits in der zweiten Kammer vorgebracht worden. Bereitwillig erkennen wir an, daß jedenfalls eine Gehässigkeit, wie sie Mitglieder der' zweiten Kammer ungescheut zu Tage gebracht, in der ersten nicht zur Aussprache gedieh. Am kräftigsten sprach für die Juden der Referent Graf Hohenthal sPüchau), und h^ben wir aus seiner gediegenen Rede folgenden Passus hervor: „Mein edler politischer Freund, Freiherr v. Friesen, hat behauptet, daß die Zulassung der Juden zu Ehrenrechten gegen das Prinzip des christlichen Staates verstoße. So sehr ich nun von den hohen Wahrheiten des Christenlhums durchdrungen bin, so kann ich doch hierin mit ihm nicht einverstanden sein. Ich weiß, daß mein edler Freund zu sehr den klassischen Studien obgelegen hat, als daß er nicht zugeben sollte, daß die höchsten und edelsten Beispiele von Vaterlandsliebe, Bürgersinn und Strebe» für Gemeinwohl aus der Geschichte Griechenlands und Roms zu uns herüber gekommen sind. Ich hleibe aber bei Deutschland stehen und erinnere ihn daran, daß jetzt nach fast 2000 Jahre» für den deutschen Eheruskerfürsten Hermann ein Monument errichtet wird, üi denselben Auen, wo die Römer vor feinem Schwerte fielen; Hermann aber war ein Heide." Magdeburg, den 2. Mai. Proselyterrmacherei. Bis jetzt hat sich eine schonungslose, eine alle natürlichen Rücksichten überschreitende Proselytenmacherei am öftersten im Großherzogthum Posen, thatsächlich gezeigt. Nunmehr offenbart sie sich auch am Rheine, und um so nothwendiger wird es, ihr kräftig entgegenzutreteu. Wir glauben dabei nicht allein im Interesse des Judenthums, sondern auch der Humanität, ja des Christenthums selbst zu handeln. Doch der Fall, den wir speziell hier meinen, spricht zu sehr für sich — daher schnell zur Sache. Der Korrespondent erzählt folgendermaßen: „Von wohlhabenden, israelitischen, honetten Eltern, in religiöser Beziehung dem Alten, auhängend, ward ihr jetzt vierzehnjähriges Söhnchen zum katholischen Pastor ihres Wohnortes (Gesecke im Paderbornschen) seit etlichen Jahren geschickt, um bei demselben Sprach-Unterricht zu genießen. — Die Eltern, selbst unvermögend den genossenen Unterricht zu prüfen, waren für denselben sehr eingenommen, und glaubten nichts anders als einen tüchtigen Lateiner und Franzosen an ihrem Söhnchen zu haben; wie arg aber fanden sie sich getäuscht, als ihnen vor Kurzem vcrrathen wurde, daß jener Pastor statt des ver, meinten Sprachunterrichts ihr Söhnchen in der katholischen Religion hauptsächlich unterrichtete, und das Kind so verstrickt hatte, daß es die wahre Lage der Sache seinen eignen Eltern verlangnete, Diese in ihrer Verlegenheit schicken den Knaben zu ihren Verwandten nach Werl, etwa sieben Stunden von Gesecke entlegen, um ihn von der D-uelle seines Jrrthums abzuführen. Der Geseckcr Pastor gab indeß heimlich dem Knaben Empfehlungsschreiben an den katholischen Pastor zu Werl, der im Geheimen die Sache geschickt fortzusetzen und in seinem bekannten "Inquisitions-Eifer zu ergänzen wußte; indem er endlich den Knaben den Verwandten ganz entzog und ungeachtet aller P'rotestatiöüen der Ettern am 15. d. M. taufte. — Die bornirten Eltern suchten zu wenig vernünftigen Rath und trugen aus verkehrter Scheu vor der^eröffentlichung ihren Gram geheim, bis zum öffentlichen Auftreten des Werter Pastors, welches > aber nur wenige Tage vor der Taufe war.; da wendeten sie sich an ven pma Obervorsteher Hellwitz in Soest, der