Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1843)
- Date
- 1843-05-13
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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278 mit unseren Gesinnungen ei^erstawden^ diesem edlen und ge mein n ü tzige ü'St r ehe n ^..Mr.ey Beifall und augewessiten Beitrag nicht versagen werden; und so wird der Ort, der nicht nur Lu der Geschichte unsres Glaubens, sondern auch in der der Mensch, heit von so großem Einfluß auf die Bildung und Gesittung war, durch die Anlage dieser beiden Institute die Rückwir, kung jener, von dort aus verpflanzten und verbreiteten Lehren und Gefühle empfangen." Diese herrlichen Worte werden dem Leser völlig klar sein, wenn wir ihm sagen, daß die Herren von Rothschild nur die einzige Bedingung an das Geschenk geknüpft haben, daß, ganz nach den Intentionen, die wir von Anfang an kund gethan, (s. No. 3. d. I.) mit dem Hospitale eine Schule für die Israeliten beiderlei Geschlechts in getrennten Abtheilungen, verbunden werde, so daß das Institut zu gleicher Zeit imin tnVm sei. Die Munifizenz der Herren von Rothschild tritt um so schöner hervor, als sie sonst durchaus keinen Vorbehalt gestellt, sondern die Ausführung lediglich nach den von uns aufgestellten Grundsätzen dem Kommite überlassen, welchem wir alle Dokumente zur Zeit übergeben werden. Wir verzichten heute auf alle weitere Diskussion, und legen nur den Lesern vor, was zunächst Noth thut: 1) Ein oder mehre sichere Banquierhäufer zur Annahme der auf 30,000' Thlr. ca; angewachfenen Fonds zu deren einstweiliger Anlegung mit möglichst , guten Zinsen zu bestimmen; wozu wir auch bereits Aussicht haben. 2) Diese Summe möglichst zu vergrößern; wozu wir nunmehr unsere dringende Aufforderung an alle Israeliten, mit Zugrundelegung der bisherigen Veröffentlichungen in No. 39. 41. 47. 1842. No. 3. 1843. ergehen lassen. 3) Sobald die Fonds die Summe von 50,000 Thalern erreicht haben werden, und so Zeugniß geben, daß die Subskriptionen in bestem Fortgänge sind, an die Kreirung des Komite's zu gehen. Zu allem Diesem werden wir bis dahin wesentliche Materialien sammeln, worüber ein Weiteres in den nächsten Nummern. Magdeburg, den 1. Mai. Verhandlungen -er ersten sächsischen Kammer. Die Resultate dieser Berathungen haben wir bereits gegeben; auch ist es gar nicht unsere Absicht, mit dem Detail unsere Leser aufzuhalten, sondern nur jene in Etwas zu charakterisiren. Die sächsische Regierung wie die sächsischen Kammern laboriren in der Iudenfrage an einem Uebel, das in einer vorübergehenden Extase seinen Grund hat — an dem Liberalismus der'Zeit kur; nach 1830. Damals war Alles freisinnig, damals wollte man selbst den Juden zu einem freien Bürger machen — aber diese Zeit ist ja vorüber, und man hat ein Stück nach dem andern abgelegt. Damals sprachen sich die Kammern fast einstimmig für ein Emanzipationsgesetz aus; damals legte die Regierung einen viel wenigere Beschränkungen enthaltenden Gesetzentwurf vor; damals trat die erste Kammer der zweiten entgegen, welche letztere diese Freisinnigkeit nicht theilte. Alles Dieses hat sich geändert, weder die Regierung noch die erste Kammer will den Juden selbst die Rechte noch ertheilen, die jener Gesetzentwurf beabsichtigte, sondern sie sind ganz damit einverstanden, daß den Juden Nichts mehr eingeräumt werde, daß die Juden ein Schattenbürgerthum besitzen, das zwar Vorwürfe den Juden zu machen erlaubt, aber ihnen die Gelegenheit nimmt, das Bessere in's Werk zu setzen. Aber die Vergangenheit, die früher ausgesprochenen Gesinnungen sind doch einmal da? Die schiefe Stellung, die daraus erwächst, ist nun einfach die: daß, sobald Etwas für die Juden eingebracht wird, die Deputation zwar, in Konsequenz der Vergangenheit, ein günstiges Gutachten abgiebt, die Kammer aber bei der Berathung recht derb gegen,die Juden loszieht, ihnen den guten Fortschritt abspricht, die Resultate der Emanzipation als ungünstig darstellt, und so Entschuldigung hat — ungünstige Beschlüsse zu fassen. Dies ist der einfache Gang, den die erste Kammer diesmal verfolgt hat. Mau sieht daraus, daß frühere gute Beurtheilung selbst schaden kann; denn hätte die Kammer früher sich nicht so günstig gezeigt, würde sie, bei jetzt veränderter Stimmung, wohl nicht so hatte