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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-06 · Heft 18 (6.5.1843) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 18 (6.5.1843)
Date
1843-05-06
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Korrespondenz. Die Jsraeliten-Gerneinde zu Groß-Kanischa in Ungarn. - - (Von H. Rosenmark, Lehrer in Warasdin.) (Fortsetzung aus No.-48 v. I.) Kurze Zeit nach?der Gründung der Knabenschule sing an die Wahrheit sich augenfällig herauszustellen: daß, indem die erste Kindeserziehung fast ausschließlich von der Mutter ausgeht, der Unterricht seine wohlthätige Wirkung, wenn nicht 'ganz doch großen Theils nicht hervorbringe, in so lange er sich nicht auch im entsprechenden Gräde auf das andere Geschlecht erstrecke/ Männer, die diese Wahrheit zuerstbegriffen und beherziget, waren unter andern einsichtsvollen und das GettstiNnütziggttte fördernden, vorzüglich die Herren vr.M. Horschetzky, H. Wettendorfer und S. Welisch, und nur ihren vereinten Bemühungen hat es auch die hiesige weibliche Jugend zu verdanken, daß schon im Jahre, 1833 ^ei'n -Jtchr nur« später -als'die Knabenschule — für sie eine regelrechte Unterrichts- und weibliche HandarbeitsaNstalt eröffnet 'Wurde. Die Gemeinde nahm aber dieses Institut unter. ihr Protektorat nicht, weßhalb diese, drei Männer bemüßiget waren, es nur unter ihre eigne Aufsicht zu stellen. Diese, damals noch geringe Theilnahme für das Gemeinnützkggute, wirkte leider gleich im Keime nachtheilkg auf das Emporwachsen und Gedeihen' des ' zarten Sprößlings. . Die Frequenz war sehr geringe.! 'Die; Schule konnte sonach, selbst beim besten Willen, 'aus sich selbst hinlängliche Kraft und Festigkeit zu .einer, fortdauernden Existenz nicht entwickeln, und da die Gemeinderepräsentanten dieses Kind noch immerfort stkefelterlkch behandelten, und überdies die Leistungen den, bei so beschaffnen Verhältnissen ein wenig zu hochgestellten Anforderungen nicht entsprachen — nicht entsprechen konnten —, so sank diese Anstalt, nach einem fünfjährigen kränkelndem Dasein — gerade um die Zeit als man darauf ernstlich sann, den Fortbestand der Knabenschule zu verfestigen. — in sein voriges Nichtdasein zurück, um — nach seinem kurzen Scheintode, wieder alsbald neu aufzuleben, und in jugendlicher Kraft und Lebensfülle frisch aufzugrünen und aufzublühen, und zu einer herrlichen, fruchtreichen Pflanze zu gedeihen. — -: Zudem"nicht erschlafften guten Willen und ikräftigen Fortwirken der/erwähnten Herren Gründer: der Mädchenschüle gesellten sich nun -auch noch, e n e rgl sich, u n- 1 erstützend und mitwirkend, die Krafte der;Herren M. Danneberg, M: Hirschnec, Israel Löwinger Joseph: Löwy,-S. Pollak/ R. Weinbergec r'c. und strebten-allesammt dahin der-Schule neuerdings ihre Existenz zu geben. Um aber -dieses edle Vorhaben sobald als möglich zu realisiten, und die Theilnahme hiefür allgemein zu erregen, erließ Herr vr. Horschetzky unter dem 2,-Februar 1840 einen Aufruf an die sammtlichen Familienväter, der auch feine Wirkung nicht verfehlte. . Dieser Aufruf ist der Veröffentlichung werth, und könnte auch wol noch anderswo seine Früchte tragemdeshalb chik: nicht anstehen ihn hier mitzütheilen, um sö mehr,, .da.er, in. der Geschichte dieser Gemeinde avol 'ein bescheidenes Plätzchen verdient." Er lautet:' . „Unsere Töchter und der vernünftige Theil der Welt können uns den gegründeten Vorwurf machen, daß in unserer Gemeinde durch eine öffentliche Lehranstalt nur für die Erziehung der Söhne gesorgt würde, jene der Mädchen aber dabei ganz unberücksichtigt blieb; eine Vernachlässigung, die eben so sträflich als lieblos ist, und von den verderblichsten Folgen werden kann. — Wenn das Glück des Mannes wahrhaft begründet werden solle, so muß ihm ein moralisches, wohlerzogenes Wesen als Gattin zur Seite gestellt wer- ' den. Eine gebildete Mutter ist die beste Erzieherin ihrer Kleinen., die in den ersten Jahren größtenth'eils sich um sie befinden. Ihre guten Beispiele, ihr vernünftiger Umgang werden die wichtige Grundlage für den Charakter ihrer Kinder, für-die Erziehung derselben, kurz für ihr ganzes künftiges Wohl abgeben. Es ist eine -bekannte Wahrheit, daß eine biedere Gattin schätzbarer denn Perlen ist. Sie ist die treueste Gehilfin des Mannes, und, verfolgt ihn ein feindseliges Gestirnist sie die mächtigste Trösterin in der Roth , und der köstlichste Balsam für seine Leiden. Ein rohes, ungebildetes und sittenloses Weib aber ist 'dem Manne, 'unter allen Verhältnissen des Lebens, selbst unter den günstigsten, die unerträglichste Folter. ' Von diesen wichtigen Rücksichten aus geleitethaben ' es die hier Gefertigten (die obeN nahmhaft erwähnten Männer)' unternommen,‘ eine Unterrichtsanstalt.für Töchter in's Leben treten lassen, in welcher die Schülerin gegen das billige' Schulgeld von 1 fl. C. M. pr.

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