Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1843)
- Date
- 1843-05-06
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
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die diese Sache habenkönnte, und übersandte den Proselyten den Venetianischen Juden. Anthoine brannte vor Verlangen, in die israelitische Gemeine ausgenommen zu werden, und forderte bei seiner Ankunft in Venedig die Beschnejdung. Man verweigerte es,- weil der Senat die Beschneiduyg eines nichts als. Jude Gebornen strengverboten, hatte.. Am thoine begab sich. nach Padua , aber auch .hier dieselbe Weigerung. . Indessen trösteten ihn die dortigen Rabbinen, indemsie ihn. seines. Seelenheils versicherten, sobald er nur die Einigkeit Gottes anerkenne. Dieser Bescheid beruhigte seine Seele. Er kehrte nach Genf zurück, wo er den.Ruf eines talentvollen Mannes besaß. Bald wurde er aber hier des Judaismus angeklagt, und da er seinen Glauben offen bekannte, verurtheilte man ihn am '16. April 1632 auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt zu werden. Das Urtheil wurde an demselben Tage vollzogen, und Anthoine zeigte den Muth eines wahrhaften Märtyrers. . . Lheilen wir als Gegensatz zu diesen düsteren Katastrophen ein heitereres Gemälde mit, es handelt sich um — eine Rabbinenwahl, Wir begeben uns nach Metz. Wir versetzen uns^ in's Jahr —1715. Ein gelehrter .Lalmudist, Herr Benjamin Wolf Smigrod aus Lublin bewarb sich um den Rabbinenstuhl. Da geschah es am „Wochenfeste," wahrend man-im Gebete war, als sich, ein sonderbares Gerauscht auf dem . Dache der Synagoge hören ließ. Dir.Frauen bildeten sich ein, das Dach wolle einstürzen, wurden von einem panischen Schrecken ergriffen, /und drängten sich dermaßen zur Lhüre hinaus, daß sieben von ihnen erstickt wurden. Nun fiel Alles über — den armen Rabbinen her, erhübe den.Chasan zu lange singen lassen,- und darum sei das 'Gebet so lang geworden,. und darum — kurz darum sollte er nicht Rabbiner sein, und ein andrer, Jakob R eischer, wurde 1716 installirt. Jndeß gab sich Smigrod nichts so leichten Kaufes , . er verblieb in Metz, und bildete sich einen Anhang. Es war wieder um. das W.ochenfest 1718, als mam Gelegenheit nahm,. den. Streit in der Synagoge auf eine glanzende Weise auszufechten. Man gerieth in's Handgemenge, und endlich - mußte man die Wache holen lassen, um die Kämpfenden auseinander zu bringen. An der Spitze der Aufwiegler stand ein gewisser Simon Lrenel. Der Syndikus der Gemeinde ließ ihn am andern. Morgen zu sich zitiren. — aber ein solcher Partisan ergieht sich so schnell nicht, und bleibt weg... Man legte, ihm für. jeden Tag Zögerung eine Strafe von 50ll Livres Tournöis auf — aber darum schor er sich nicht. Die Strafe stieg hoch in hie Tausende. — aus dem Papiere, Monsieur Lrenel kam nicht. Endlich begab sich seine Frau, nach Paris,- und warf sich dem, Könige zu Füßen. Ludwig XV. verwies sie an das Syndikat, mit der Bestimmung, daß die Strafe.4006 Livres nicht übersteigen solle. Da war denn endlich Herr Lrenel zu Paaren getrieben, und erschien vor den Aeltesten , die ihn nur zu 15v0Livresverurtheiltenwelche er — auch nicht bezahlte. Doch mußte er ein Jahr lang wahrend des Gebets vor der Lhüre der Synagoge stehen, Herr Smigrod , mußte abziehen. Unter den Männern, die, am Ende des fünfzehnten und am Anfang des sechszehnten Jahrhunderts einen ehrenwerthen Platz -in unsrer Geschichte verdienen, leuchtet Iosel Luanz hervor, der seines ganzen Lebens Bemühung' darin setzte, zu beruhigen , zu trösten, die zahllosen Leiden zu mildern, die damals das traurige Leibgedinge seiner Glaubensgenossen waren. Im Jahre 15O2 wurde-er vom Kaiser. Maximilian zum Oberhaupt aller Israeliten des deutschen Reichs ernannt, und während fünfzig Jahre arbeitete er rastlos für das Wohl seiner Brüder. Er folgte dem Reichstage, um die Sache der unglücklichen Juden zu verfechten, und Lausende von ihnen entriß er dem Henkerbeil. Die Memoiren, die er uns hinterlaffen, sind unedirt geblieben, wie seine anderen Werke, nur einige Fragmente sind gedruckt worden. Bekannter ist dieser große Mann unter dem Namen Jose! Rosheim. 18*