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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-06 · Heft 18 (6.5.1843) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 18 (6.5.1843)
Date
1843-05-06
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 Schärfe des Ausdrucks, die große Menge bittrer Ausspruche, die vielen, der geschichtlichen Anschauung zuwider- Kufenöen! Behauptungen von! - nachhaltiger - Wirksamkeit scheinen konnten. Aber gerade durch das Extreme "alles Vorgebrachten verlor dies seine Kraft, die Spitze stumpfte sich Ln der eigenen Säure ab. Solche welthistorische Erscheinungen, wie das Judenthum, lassen sich nicht von den Lanzen einiger Ritter aus dem Sattel heben; an ihrem Bestände, wie an der Auflösung dessen, was etwa an ihnen verlebt wäre, arbeitet die ganze Weltgeschichte. Unter Voraussetzung dessen, werfen wir einen Blick auf die Entgegnungen, wie sie uns nach und nach zngekommen. 1) Die 'Judenfrage von Br. Bauer, näher beleuchtet von vr. Gustav Philippson. Deßau, 1843. Wir betrachten diese Schrift als einen angemessnen Vorläufer 'ausführlicher Widerlegungen, als einen dem ersten Anprallen entgegen gehaltenen Schild, hinter welchem ein regelmäßiger, kräftiger Angriff erfolgen soll. Von diesem Standpunkte aus verdient sie alles Lob. Allein stehend würde sie nicht genügen; die Bahn fegend für die weiteren Kämpfe, zeigte sie sofort, wie das Judenthum geneigt ist, den Kampf aufzunehmen. Sie ist in lebhafter, frischer Sprache abgefaßt, und ertheilt manchen tüchigen Hieb. Das eigentliche Bestreben des jungen Schriftstellers ist: zu zeigen, daß Bauer in seiner Kritik des Judenthums und deren Konsequenzen sich lediglich von denselben Vorurtheilen leiten ließ, die überhaupt wider die Juden im Schwange sind; anstatt sich von diesen frei zu machen, und dann erst die Sache von' vorn anzufangen, hat er seinen Scharfsinn nur dazu angewendet, jene in sich noch weiter zu treiben, und die Konsequenz soll die falsche Grundlage verdecken. Daß bei solchem Verhältniß Bauer's zu der Frage, die Kritik nicht rein, und darum haltlos werden mußte, ergiebt sich daun von selbst. Wir erlauben uns zur Charakterisirung folgende Stelle anzuführeu: „Bauer (S. 5) denkt sich einen Staat ganz eigner Art — wo der Souverän Logik und Metaphysik publice vorträgt, und die Glieder des Staates, vom ersten Minister bis zum Lampenputzer der königlichen Hofbühne, jedes Wort des gekrönten Professors eifrig 'vachschreiben, damit, wie in China durch die Mandarinen, die That nur nach den Heften exekutirt wird." — Der zweite, mächtigere Kämpfe ist der Rabb. Geiger, der in dem eben erschieuenen zweiten Heft des fünften Bandes der wissenschaftl. Zeitschr. für jüd. Theologie eine Reihe von Artikeln gegen Bauer mit einem „ersten Artikel" eröffnet. Geiger geht, den einzig richtigen' Weg gegen Bauer, indem er demselben ebensowol durch Positives entgegentritt, als durch Aufdeckung der Widersprüche und Irrungen Bauer's. Folgen wir Geiger. Zuerst bedauert G., gegen die jetzt unterdrückte Parthei Bauer's auftreten zu müssen, zeigt dabei, wie die Nemesis die in Judenfeindlichkeiten aufgehenden deutschen sogenannten Liberalen nach und nach und alsofort ereilt hat, und zeigt scharfsinnig, wie am Ende B. ganz in Zweifel gelassen, ob er in seinem Staate der „Freien" Christen und Inden, oder letztere allein unfrei lassen will: es ist B.'s Staat nichts anders, als ein terroristischer Meinungsstaat. Nach diesem Einleitenden entwickelt G. I. „die Grundlage;" er charakterisirt den alten oder volksthümlichen Staat, wo das Volk das Element des Staates war, und wie die Juden allein neben diesem noch „das Ewige" hatten; den mittelalterlichen oder Feudalstaat, der in sich ausschlirßende Stände zerfiel, dabei aber durch die Kirche ein Meinungsstaat war; endlich den neuen Staat oder den Staat als lebendigen Organismus. , Zu allen dreien entwickelt G. das uothwendige Verhältniß der Juden, und zeigt, wie man nur in der Halbheit, die man an vielen Orten noch dem Staate giebt, den Juden die volle Aufnahme verweigert. Hiermit hat G. einen positiven Boden gegen B. gefunden, und er kann daher II. zu den „Allgemeinen Einwendungen" übergehen. Es bedarf, um gegen B. zu kämpfen, der schärfsten Dialektik, um dieser eigentlichen und einzigen Waffe B.'s wirksam zu begegnen. B. bedient sich unzählige Male des Mittels, erwiesenen Sätzen einen ganz andern Sinn unterzuschieben, sie darm an die Spitze-zu stellen, und neue, harte Konsequenzen daraus zu ziehen. Da B. keine reine Absicht hat, sondern von vorn herein vernichten will, so zieht er zu diesem Ende alles Scheinbare herbei, und verleiht ihm ganz andere Wendungen. Dieses Spiel zu zerstören, war die Absicht G.'s in dieser zweiten Rubrik, und ist ihm vielfach gelungen. So leugnet B. die „Unschuld der Juden," G. erweist ihm, daß hiermit die „Schuld" ihrer' Bedrücker nicht aufgehoben ist. G. zeigt, wie allerdings die Juden an den Schmerzen und Entwickelungen der Zeit Antheil nehmen, wenn auch nur in den Schranken, die man ihnen stellt. Nicht das „Fehlen" der Inden in Spanien, sondern ihre Vertreibung, als Konsequenz eines terroristischen Mcinungsstaates, nicht das Vorhandensein der Juden in Polen, son-

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