Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 259 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Holland. Aus dem Haag, im März. (Privatmitth.) Der Aufruf des Rabb. Herzveld in Zw olle zur Bildung einer Synode ist zwar ungehört verhallt; indeß hat er doch die Zentralkommiffion für die israelit. Angelegenheiten aufmerkfam gemacht, Etwas wenigstens zu thün. Indem dieselbe die Initiative bewahren wollte, sandte sie ein Zirkular an die verschiedenen Gemeinden, in welchem sie die Gemeinden auffordert, ihr einen Bericht über die vorzunehmenden Verbesserungen einzusenden, besonders irr Bezug auf den Gottesdienst. Die hiesige Gemeinde ernannte nun zur Abfassung dieses Berichtes eine Kommission, deren Arbeit aber von der Versammlung der Notabeln als zu nichtssagend verworfen wurde. Man bewilligte daher einen Aufschub von vier Wochen, und trug dem Herrn A. Belinfante auf, einen neuen Bericht, mehr im Geiste der Verbesserung, ohne dabei die Schranken der Mäßigkeit zu überschreiten, zu verfassen. Derselbe wandte sich zur Unterstützung an den Redakteur dieser Zeitung, der nicht anstand, ihm nöthige Materialien zu geben. Rotterdam, im April. (Privatmitth.) Im Vließingschen Courant tritt jetzt von Zeit zu Zeit ein Anonymus ziemlich derb in Artikeln gegen den Stillstand in den Angelegenheiten der Synagoge auf, ungefähr, wenn auch nicht so heftig, wie ehemals Zarphati in Frankreich. (Wir haben durch einen Korrespondenten eine ganze Ladung dieser Holländ. Zeitung erhalten, und werden davon in einer der nächsten Nummern eine Uebersicht liefern. Redakt.) —. Im Haag ist der Prospektus einer Monatsschrift: de Nederlandsche Israelit ausgegeben worden. Rußland und Polen. Warschau, 10. April. (Privatmitth.) Am Sonnabend uninn 's wurde das erste Mal in dem Wethause der Rabbinerschule konfirmirt! Diese Worte allein, ohne alle Erläuterungen, ohne Nebenerzählungen von der auf diese Feierlichkeit allgemein gespannten Neugierde; von der in Masse zu dieser Zeremonie herbeigeströmten Mengejüdischen und christlichen Publikums von verschiedenem Stande; ohne Bemerkungen über die segensreichen Folgen, die uns dieser Vorfall in Aussicht stellt, so wie über den bisherigen gänzlichen Mangel an ordentlichem Religionsunterricht überhaupt bei dem weiblichen Geschlechte; diese Worte allein? sage ich, es wurde bei uns konfirmirt, ohne Schmuck u-id Prunk ausgesprochen, sind inhattschwer. So wie sie von der einen Seite' den innern Drang unserer hiesigen Brüder nach Fortschritt im Gebiete der Religion bezeugen, so beweisen sie andererseits, wie unser Prediger Herr Dr. Goldschmidt mit unfern Mängeln und Gebrechen bereits bekannt, die zweckmäßigsten Mittel ergreift, um dieselben aus unserer Mitte mit der Zeit allmälig schwinden zu machen; wie derselbe, um unsere Jugend dem Zeitgeiste näher zu rücken, sich das Ziel setzt, diese Jugend vorerst für die hohe Bestimmung eines Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts empfänglich zu machen; welche durchgreifende und geeignete Maßregel er faßt, um diesen Zweck zu. erzielen, und welche Thätigkeit er entwickelt, um sie auszuführen. — Es sind 9 Mädchen konfirmirt worden — eine schwache Anzahl — aber doch sehr bedeutend für die Folge; denn der Sinn für die heilige Sache ist geweckt und schon sind viele Eltern geschäftig ihre Kinder >zum Religionsunterricht anbringen zu können; eine vielversprechende Zukunft! — - Eingeleitet wurde die Zeremonie von einer, nach meiner Ansicht, höchst gelungenen, gedankenreichen Predigt über den Levit. X. I. 2. — Der Predigt folgte die Katechisation, die so eingerichtet war, daß dem Zuhörer ein Ganzes anschaulich gemacht wurde; dann folgten einige Gebete der Konfirmandinnen, Schlußrede und Einsegnung. Trotz der großen Menschenmaffe im engen Raume blieb doch alles aufmerksam auf seiner Stelle bis zu Ende des Aktes. Dieser feierliche Akt hat in allen Kreisen den gewünschten Eindruck nicht verfehlt und er wurde in den hiesigen Lagesblättern 'als eine neue Epoche in der immex mehr und mehr um sich greifenden Bildung der Hiesigen Juden bezeichnet. — Drei Lage darauf, wurden zwei der Konfirmandinnen, rühmlich beide, Töchter unsers ehrwürdigen und Anerkennung erntenden Direktors der Rabbinerschule, in demselben Bethause getraut; ebenfalls ein Neues bei uns. Der hiesige Rabbiner Herr Chaim Dawidsohn und der Dr. Goldschmidt vollzogen die Trauungen. Letzterer hielt passende Reden an die Brautpaare; unser bereits tüch-