Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 258 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Menschen finden, die sich nicht entblöden, das allgemeine Wohl ihrer Glaubensgenossen ihrem schnöden Eigennutze hintanzusetzen, wie kann da das, Heil Israels gedeihen? Wie kann da Gemeinwohl bestehen, wo das schleichende Gift der Tücke und das so zähe Hängen an dem Mammon die edelsten Bestrebungen der würdigsten Männer Israels anhaucht und sie schon im Keime zu untergraben und zu vernichten sucht. Ich will es trotz aller Einwendungen behaupten, das Heil Israels kann nur aus Israels Mitte zuerst kommen, dann erst ist's von Außen zu suchen, dann erst ist eine Erlösung aus den Fesseln der Ohnmacht denkbar, dann ausführbar. Schande, ewige Schande und Verachtung treffe den, der es sich unterfängt, die heiligen Bande des Vertrauens, der Eintracht und Liebe zwischen der Nation und ihren würdigen Vertretern durch den Pesthauch der Kabale und tückischer Selbstsucht locker zu machen und zu lösen! Und möge diese öffentliche Rüge die Ruchlosigkeit der Nichtswürdigen von Freveln gegen Israel zurückhalten, und mögen sie es vor ihrem Gewissen entschuldigen, welches Leid sie ihren Mitbrüdern durch ihr eigenes, eigenes Zuthun zufügen! — B. F. Aus Ungarn, 6. April. (Privatmitth.) Die Zeitungen bringen bereits Nachrichten aus mehren Komitaten, in welchen die Emanzipation der Juden unter die Landtags-Jnstruktionspunkte ausgenommen worden. Nächstens sollen Sie hierüber Ausführliches erhalten. Rendeg (Zalader Komitat in Ungarn), L. April. (Privatmitth.) Die Gründung einer Schule in einer Gemeinde, wo die Erziehung der Jugend bisher im Argen lag, ist, wie ich glaube, immer ein Gegenstand, der öffentlichen Besprechung würdig. Die hiesige Israeliten-Gemeinde hat mit dem löblichsten Eifer Alles gethan, um eine gediegene Anstalt, zu beschaffen und dauerhaft zu begründen, wozu der wackere rRabb., Herr Abr. Freuder, Vieles beigetragen. Sie. haben sich,' um recht bald den Unterricht beginnen zu können, um Lehrer an den Kanischaer Rabb. gewendet, und werden gewiß die Gemeinden zu Egerßeg und Csakathurn bald Nachfolgen, dem täglich fühlbarer werdenden Bedürfnisse einer bessern Jugenderziehung abzuhelfen. Ig. Pr. Naab, im April. (Privatmitth.) Unsere vor zwei Jahren gegründete Gemeindeschule kränkelt ungemein, und eröffnet sich uns für sie keine erfreuliche Aussicht. Diejenigen drei Punkte, die einer guten Schule zur Basis dienen müssen, fehlen der unsrigen ganz und gar. Wir meinen: 1) ein hinreichender Schulfonds, — aber dieser ist 'höchst schwach, und da die Gemeinde verarmt ist, ist wenig Hoffnung zur Aufhülfe da; 2) eine einige, -in ihren Grundsätzen bestimmte, und von den wahren Schulzwecken durchdrungene Schuldirektiön — aber unsre Schule ist zum Zankapfel der Partheiung geworden; 3) gute und fixirte Lehrer — aber die unsrigen wechseln alle Semester, brauchbare werden gar oft entfernt, und untüchtige an die Stelle gebracht. Auf diese Weise geht die Schule ihrem Untergang entgegen. Sollte eine Gemeinde von *140 Familien es nicht bessern können? Und was können wir unseren Gegnern erwidern, wenn sie auf unsere Fahrlässigkeit für ganze Generationen Hinweisen?-- Italien. Rom, 27. März. Die D. A. Z. enthält von hier aus folgenden Korrespondenzartikel, dessen Richtigkeit wir vorläufig dahin gestellt sein lassen. „Es heißt, daß, als vor kurzem Baron v. Rothschild durch Rom reiste, er den Papst ersucht habe, , den hiesigen Juden einige Erleichterungen zu gewähren, namentlich den Bezirk ihrer Wohnungen im Ghetto zu erweitern. Der Papst sei auch darauf eingegangen und habe mit den Vorstehern der Judenschaft, namentlich über, letztem Punkt, Unterhandlungen anknüpfen lassen. Da nun aber diese Vorsteher zu den reichern Hausbesitzern gehören, so sollen dieselben aus die Vorschläge der Regierung nicht eingegangen sein, indem sie eine Verminderung ihrer Einkünfte besorgen. Jetzt nämlich sind die Juden, da sie auf einen so kleinen Raum zusammengedrängt leben, genöthigt, uw hohe Preise die elenden Wohnungen zu miethen, welche ihre reichern Glaubensgenossen ihnen ablaffen; bei größerer Ausdehnung der Iudenstadt würde sich dies im größern oder geringem Maße ändern."