Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 257 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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der Menschheit einander brüderlich die Hand reichen, Alle ein und dasselbe Ziel der sittlichen Vervollkommnung und Wirksamkeit verfolgen? — Die Zeit, die doch Alles reifet, Alles zum Bessern führt, die Fesseln des Wahns bricht, die Sympathien der Völker einander näher bringt, diese Zeit ist leider hier im Lande — wenigstens für die Juden— noch nicht da. Noch hauset das Gespenst des Hasses, des Neides und der kleinliche Krämergeist fort, noch immer sieht man in dem Juden einen Fremdling, einen Staat im Staate, noch immer eine wuchernde Pflanze, die verdetbend sich um die edlen Triebe schlingt, ohne bedenken zu wqllen, daß man ja selbst die nähere oder entferntere Ursache davon ist. Man sieht auf die Folgen ohne Rücksicht auf die Quelle, aus der sie doch fließen. O daß ihnen doch einmal die Schuppen von den Augen sielen, dann würden sie selbst, ja.selbst einsehen, daß sie und Niemand mehr die Ursache so vieler Uebel sind, über die sie, wenn es auf die Verbesserung'der jüdischen Zustände ankömmt, so ärgerlich thun! — Man nehme dem Menschen das Licht, die Luft, diese Lebenselemente, — er wird elend verkümmern. Man klagt, daß sich die Juden dem Handel und den niedrigen Erwerben des Wuchers, der Uebervortheilung Anderer ergeben, wahrend man ihnen alle andere Mittel zu einer ehrenvollen Existenz nimmt, ■ sie von allen Bedienflungen, von aller nützlichen Thätigkeit ausschließt. Und dennoch habe ich' zu viel gesagt. Noch giebt es Menschenfreunde, die von dem reinen Eifer fürs allgemeine Wohl geleitet, auch ihrer jüdischen Mitbrüder sich annehmen, die es lebhaft fühlen, daß nicht die Religion die Scheidewand zwischen den Sympathien der Völker sein könne, daß alle Menschen, von einem und demselben Vater abstammend, obschon in ihren Meinungen von einander abweichend. Blutsverwandte, Brüder sind. Wir brauchen der Zukunft nicht zu entsagen! Denn wahrlich nicht an der österreichischen Regierung liegt es, daß die Israeliten in ihren Staaten noch nicht so weit gekommen als in dem hochgebildeten Frankreich und in den Nachbarstaaten, Belgien und Holland, und in andern Staaten Deutschlands. . Diese ist human genug und ermangelte nicht, öfters Anfragen in Bezug der Emanzipations-Würdigkeit der Israeliten zu machen, allein da diese an die untern Instanzen geschahen, die sich nicht selten durch ihre judenfeindlichen Gesinnungen und Äußerungen auszeichneten, so geschah es, daß die Regierung ihr Gutachten lange beurtheilte, verglich und zuletzt — das Ganze verwarf. Nur der große Feuergeist eines Joseph, konnte sich über solche Bedenklichkeiten hinwegsetzen. Ihm hauptsächlich verdanken die Juden die Vortheile, die sie bis jetzt noch besitzen. Er sprach: „Und es werde Licht, und es ward Licht." Und wie sollte auch die Negierung an die Verbesserung der jüdischen Zustände denken, da die Juden selbst — freilich ist ihre Zahl geringe, doch groß genug, um der guten Sache zu schaden — da die Juden selbst aus schnödem Egoismus und pietiftischem Sinne das Wohl ihrer übrigen Mitbürger zu untergraben suchen? Um meine Behauptung faktisch nachzuweisen, will ich einen Zug von der Nichtswürdigkeit dieser Pharisäer schildern, einen Zug, der unter Barbaren kaum seines Gleichen zählt. Der ehrenwerthe Lemberger israelitische LZorstand, stets geleitet von den edelsten Absichten zur Beförderung der Humanität und des Nationalwohls, unterließ nicht, bald nach dem Antritte seines Amtes ein Gesuch an Se. Majestät wegen Aufhebung der, die armen Volksklassen so sehr drückenden, Lichterzündungssteuer einzureichen, wozu ein hochgestellter biederer Christ seine günstige Einbegleitung gegeben, als auf einmal einige Juden — ihre Namen verdienten öffentlich gebrandmarkt zu werden — bei Sr. Majestät eine Gegenschrift einreichten. Die Verworfenheit dieser Unthat, die sich durch nichts rechtfertigen läßt, ist so groß, daß sie der unbefangene Menschenfreund einem Morde an der Nation gleichhält, und verletzt um so tiefer das Rechtsgefühl des Redlichen, als diese Handlung von Menschen herkömmt, die den, Schein der Pietät in den Augen des Volks zu behaupten suchen, und eine Demuth heucheln, deren ihr verstocktes Gemüth niemals fähig gewesen. Und das alles sollten sie darum gethan haben, .weil sie bei der Aufhebung dieser Steuer zu andern größern Abgaben herbeigezogen zu werden vermeinten. Aus Furcht also vor einem eingebildeten Uebel wollte die superfeine Klugheit dieser Geldaristokraten ein Uebel, , das mit einem solchen Drucke auf ihrer Nation lastet, lieber beibehalten wissen, als nur im mindesten Gefahr laufen, vielleicht einen Mehrbetrag an einer anderweitigen Steuer entrichten zu müssen. Wenn sich nun solche 17 *