Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 256 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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256 lands und Italiens aus der merkantilischen und literarischen Welt, Hrn. M. Sachs kräftige Unterstützung versprochen, jedoch mit dem jedesmaligen Vorbehalte, wenn eine solche Unterstützung den Handelsgesetzen nicht zuwiderläuft. — Da sich aber dieses Projekt des Hrn. S. nicht realisirt, zu dem Ihrigen aber Sir Moses Montesiore bereits einen Riesenschritt gethan, so ist nicht zu zweifeln, daß alle diese edle Männer die, Hrn. S. zugesagte Unterstützung, nunmehr Ew. Ehrwürden zuwenden werden. — H. Rosenmark. QcmhetQ, 5. April. (Prioatmitth.) Das Stillschweigen, welches seit einiger Zeit über die galizischen Angelegenheiten in Ihrem verehrten Blatte herrscht, und die vielen Reformen, welche sich vorzüglich in der Hauptstadt dieses Landes in der Herbeiführung gemeinnütziger Institute kund geben, sind die Veranlassungen des gegenwärtigen Berichtes. Unter den Städten Galiziens war es hauptsächlich Tarnopol, das zuerst durch Perl Spuren des Lebens in der jüdischen Volksaufklärung von sich gab; ihm zunächst stand Lemberg und Iaroslau im schwesterlichen Vereine. Seit der Zeit der Wahl aufgeklärter Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Lemberg zeigt sich der Aufschwung im geistigen Leben dieser Gemeinde, obschon nicht zu verkennen ist, daß inmitten dieser schönen Reaktion für's Bessere, die Orthodoxie starrer Anhänger mittelalterlicher Grundsätze diesen humanen Bestrebungen durch Wort und That — wiewol vergeblich — mit aller Kraft entgegenzuarbeiten trachtet. Doch geschwunden ist die Zeit des Fanatismus, Aberglaubens und intoleranter Grundsätze. Vergeblich mühen sich einige Frömmler ab, den mächtigen Strom der Volksaufklärung in sein früheres enges Bett einzuschränken; Niemand höret ihre Stimme, die Gewalt der Vernunft siegt, und sie selbst stehen da, eine düstere Ruine. — Den jüdischen dermaligen Vorstehern gebühret hauptsächlich bas Verdienst, ihre Nation aus der Lethargie gerissen zu haben, in die sie der Despotismus des Volkswahns bis jetzt gezwängt. Durch ihre rastlose Thätigkeit, mit der sie alle Schwierigkeiten des'Parieigeistes und der Ränkesucht der Demagogen überwunden, und unter ihrer schützenden Aegide entstanden die zwei Institute des Waisenhauses und der neu organisirten Talmud-Tora-Anstalt, die in ihrer Ankündigung so viel Schönes für die Zukunft versprechen — Werke, die ihren Urhebern ein unsterbliches Verdienst und die Dankbarkeit der Mit- und Nachwelt sichern. Der neue deutsche Tempel, dessen Grundstein bereits gelegt ist, so entsprechend den Anforderungen der Zeit, verdankt ihnen — ihnen allein—seine Entstehung. Wer da weiß, welche Schwierigkeiten sie bei dieser Unternehmung zu bekämpfen gehabt, wie sie die Gegenanstrengungen gewisser Obskuranten zu vereiteln, die gegen sie gerichteten Ränke niederzuschlagen gewußt, kann ihren Eifer nicht anders als rühmend loben. Und wahrlich mögen diese Männer andern Gemeinden zum Muster dienen, und fortfahren in ihren löblichen Bestrebungen, die ein so schönes Ziel verheißen! Mögen sie fortfahren ihrer Nation ein glänzendes Beispiel zu geben, wie durch ausdauernde Thatkraft, durch Willensstärke und ein stets reges Gefühl für das wahrhaft Gute und sittlich Schöne Resultate zu gewinnen sind, durch die allein das allgemeine Beste gefördert werden kann. Während ich im Namen aller Gutgesinnten diesen braven Koryphäen der Volksbildung und Humanität Meinen innigsten Dank abstatte, ergreift mich eine Wehmuth, die aus der Betrachtung der jetzigen Lage meiner Glaubensgenossen entspringt, einer Lage, die in jedem Menschenfreunde trübe Erinnerungen weckt. Noch immer sind in Lemberg die Juden in ihrem Ghetto eingesperrt, noch immer darf der Jude nicht in solchen Stadttheilen wohnen, die ihm eine bessere Existenz, bequemere Wohnungen verschaffen könnten; Iudenantipathie wacht über ihn, und fürchtet ihn wachsen zu lassen, und Eigennutz weist ihm enge, finstere Quartiere'in den Iudengassen an, die durch die Ueberfülle ihrer Bevölkerung mehr Höhlen und widrigen Kloaken als ordentlichen Wohnstuben gleichen. ' Wie oft empörte es mich zu sehen, wie in einem Zimmer, wo kaum eine Familie ordentlich wohnen konnte, drei, vier ja sogar öfters mehre Familien eingepfercht waren. Die Reichern freilich wohnen etwas bequemer, doch die Armen sind ganz niedergedrückt, was sicherlich nicht der Fall wäre, wenn ihnen die andern Stadtviertel offen ständem So bringen Eigennutz, Glaubenshaß und sozialer Druck überall dieselben Erscheinungen hervor. Wann wirst du kommen,- o Zeit, wo" Vorurtheile schwinden, wo alle Glieder