Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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255 auch umgekehrt, nicht betrachtet; sie erkennen sich vielmehr gegenseitig als Juden an. — Wohl wird jetzt im Gebiete des Judenthums vielfach verhandelt . über die Abschaffung mancher unwesentlichen und veralteten Formen, die sich im Verlauf der Zeiten gegen den Geist der Religion in sie eingeschlichen haben; wohl strebt man allenthalben, besonders den Gottesdienst zu verschönern und ihm seine frühere Gestalt wieder zu geben; wohl wagen es manche jüdische Gelehrte in wissenschaftlichen Abhandlungen und Schriften die Tradition zu bekämpfen. Dieses Alles führt aber nicht zum Schisma, vielmehr zur allmäligen innern (Übereinstimmung und zum allseitigen Verständnisse, und legt Zeugniß ab, daß die jüdische Religion keine todte, sondern eine.lebende ist, die daher ihre Bekenner belebet und zur Ausübung alles Guten und Wahren bestimmt. Und so siegen auch in unserer Zeit die religiössortschreitenden Grundsätze, zumal wenn sie vom Staate unterstützt und befördert und nicht— wie vorzüglich in Baiern — gehemmt und unterdrückt werden, immer mehr und mehr. — Und so lasse der Staat die jüdische Religion sich aus sich selbst entwickeln und' fortbilden auf ruhigem wissenschaftlichen Wege, und nur auf diesem ist es möglich, daß mit der Zeit sich manches anders Herausstellen werde; in keinem Falle erwarte er aber, daß die Juden zu Gunsten der Emanzipation oder sonstiger äußeren Vortheile auch nur das Geringste von ihren Religionsvorschriften aufgeben und schnöde Verräther werden an der heiligsten Sache! — . Oesterreich. Wsarnsdin, 19. März. (Privatmitth.) Wenn wir uns veranlaßt fühlten in einem (No. 1b.) Artikel, die Voyageurs errans sammt den heiligen Pilgrimmen in Farbe und Gestalt darzustellen, wie sie gewöhnlich sind *), so wollen wir hiermit nicht gesagt haben, daß es unter ihnen nicht auch. ehrenwerthe Ausnahmen gäbe. Wir können vielmehr das Ge- •) Herr Moses Sachs aus Koburg-Meiningen, nun in Jerusalem wohnhaft, sagt in seinem weiter unten benanntem Aufrufe, baß: Viele ins heilige Land pilgern, nicht aus innerm Antrie.be, sondern der Unterstützung wegen. Korresp. ' gentheil Nachweisen, indem wir hier mehr als einmal Gelegenheit gehabt, mit solchen Durchreisenden dieser Klaffe bekannt zu werden, denen man ohne alle Beanstandung das Zeugniß rechtlicher Gesinnung und ungeheuchelter Frömmigkeit erth.eilen darf. So hielt sich hier vorige Woche auf seiner Durchreise mehre Tage, Hr. Rabb. S. Salomon Netter aus Jerusalem auf, und verdient dieser Mann mit vollem Rechte zu den Ausnahmen gezählt zu werden. Die Absicht seines nach.Europa Kommens ist, hier mehre hebr. Manuskripte zu Tage zu fördern. Auf unsere Erkundigungen über die Verhältnisse der dortigen Juden, gab er uns eine Schilderung, die mit denen, die Ew. Ehrwürden zu verschiednen Malen in diesen Blättern gegeben, übereinstimmt. — Das Elend steigert sich aber ins. Grenzenlose, sobald sich zu ihrer drückenden Armuth Krankheiten gesellen. In-solchen Fällen müssen sie dann entweder ihr Leben der größten Gefahr Preis geben, oder ihre Zuflucht zu den Missionären nehmen. Die Juden bezeigen sich aber ganz und gar nicht dankbar fürdie von diesen erhaltne Hilfe, denn es hat sich bisher nur ein einziges Beispiel ergeben, daß ein Kranker auf dem Sterbebette seine Religion verlassen. Erreichen sie aber schon jetzt äußerst selten ihren Zweck, so werden sie ihn gänzlich verfehlen, sagte mir Hr. Netter, so bald Ihr Plan.mit der Gründung eines Spitals zur Ausführung kömmt. — Gleichzeitig mit Hm. Rabbiner Netter verryMe durch mehre Tage hier, auf seiner Durchreise nach Jerusalem, Hr. M. L. Reich aus Wien. .Sehr glaubwürdige Zeugnisse aus Wien besagten, dass Herr Reich sehr frommen Sinyes ist, und nur arrs tiefem Motive hat er sich vor bereits) seit einigen Jahren in der heiligen Stadt niedergelassen. Verschiedne Angelegenheiten aber bewogen ihn eine Rückreise nach seiner vormaligen Heimath Wien »zu machen, und da er diese geordnet, geht er wieder nach Jerusalem zurück. Von der Wichtigkeit undNothwendigkeit.eines israel. Spitals in Jerusalem, spricht er mit vieler Wärme und großem Eifer. — Er hat den Original - Aufruf hei.sich, den Hr. Moses Sachs, aus Koburg-Heiningen, vor einigen Jahren Betreffs „der Urbarmachung des heiligen Landes .durch Israeliten, an die deutsche Israeliten machte, wie auch.das Album, in welchem sehr viele angesehenen Männer Deutsch-