Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 254 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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254 welches zwischen -er hiesigen christlichen und jüdischen Bevölkerung statt findet.' Als vor Kurzem der hiesige jüdische Frauenverein eine Verlosung von Handarbeiten bewerkstelligte, wurde über die Hälfte der Loose von christlichen Mitbürgern erkauft. Aber noch erhebender ist folgendes. Am 14. Sept. v. I. wurde hier das dritte Reformations-Jubelfest gefeiert. Die jüdische Gemeinde ließ eine Gratulations-Adresse durch einezDeputation einreichen, der der Bürgermeister Gier mit folgenden Worten den Dank abstattete: „Der von Ihnen, liebe Mitbürger, aus Achtung „dessen, was sich Herrliches unter uns begiebt, dar- „gebrachte Gruß und Glückwunsch ist uns herzlich „willkommen, er gilt uns als Beweis der Eintracht, „Duldsamkeit, Hülfslust und Liebe zum Fortschritt. „Nirgends soll ja Stillstand sein. Auch unter Jh- „nen herrscht jetzt ob der Läuterung des Glaubens „im Fortschritte 'Regsamkeit zu Gott wohlgefälligen, „sittigenden Reformen. Wir nehmen nun so aufrich- „tigen Lheil daran, als die in unsrer Mitte wohnende Judenschaft durch die Emanzipation zum „vollen Stadtbürgerrecht uns näher, als in alter „Zeit verbrüdert ist. Wir können uns über diesen „Ihren Vorzug in Mühlhausen nur freuen, er hat „gute Früchte gebracht. Das bekundet genaue Kennt- „niß und Vergleichung der ftühern und jetzigen „Verhältnisse. Wenn auch wesentlich verschieden nach „der Konfession, gegenüber sind wir doch einig in „der Anbetung und Furcht des alleinigen Gottes. „Auf solchem Grunde legen wir in Erwiederung Jh- „res Grußes das danksagende Gelübde nieder! „Wir „wollen uns gegenseitig achten und lieben, in allen „guten Dingen unterstützen, in allen Nöthen und „Gefahren beistehen." — Trier, im März. (Privatmitth.) Sonderbar sind oft die Forderungen und Bedingungen, welche, selbst von sonst gutgesinnten Christen, für die Gleichstellung der Israeliten aufgestellt werden. Sie verlangen, daß wir einen Grundpfeiler unsrer Religion nach dem andern absägen sollen, bis wir — Nichts wären. Dann soll uns die Grtade der Gleichstellung gewährt werden. Bald ist es die Beschneidung, bald der Sabbat, bald die Festtage, bald die hebräische Gebeisprache ff., die abgeschafft werden sollen. Man kann dieses Verfahren nicht genug in sich widersprechend, um kein schärferes Wort zu brauchen, finden. Durch die Abschaffung dieser Gesetze des Judenthums wird auch nicht ein einziges Individuum moralisch besser und sozial tüchtiger — wohl aber würde ein Geschlecht daraus hervorgehen, das im Nichts religiöser Ueberzeugung verschwimmend, eine gefährliche Haltungslosigkeit darböte. Alsdann, was wäre dies für eine Gleichstellung, die um das erkauft würde, um das es sich gerade handelt, um das wir kämpfen. Als Juden wollen wir emanzipirt sein, als Juden müßt Ihr, wollt Ihr gerecht sein, uns emanzipiren; nicht aber nachdem die wesentlichsten Formen des Judenthums aufgelöst sind. Um so mehr sind solche Fraubasereien widersprechend — da sie zu Nichts führen. Die Juden werden diese, das Judenthum basirende Gesetze nicht fahren lassen; wollt Ihr nun diese Bedingung durchaus festhalten, nun, so spart Euch die Mühe, wir sind Beide dann keinen Schritt weiter. Diese Aeußerungen wurden durch einen Aufsatz in der, sonst den Israeliten sehr günstigen hiesigen Zeitung vom 14. März veranlaßt, der vom Oberrabb. Kahn in der Nummer vom 18. März derselben treffend zurückgewiesen wurde. Am Schlüsse spricht sich derselbe noch über einen andern Punkt folgendermaßen aus: „Wenn ferner der Verf. voneinem sich jetzt im Judenthum vorbereitenden.„eklaktan-. ten Schisma," von welchem er die Leser ein andermal unterrichten wolle, spricht, so rathe ich demselben wohlmeinend, sich selbst doch erst in der jüdischen Geschichte alter und neuer Zeiten zu unterrichten, bevor er Andere.unterrichtet, damit er nicht in den gewöhnlichen Fehler so vieler einseitigen Beurtheiler der jüdischen Zustände geräth, die da auf das schwache Fundament eines Zeitungsartikels ganze Gebäude aufthürmen. Er wird sich alsdann leicht überzeugen, daß im Jndenthume, wenigstens von der Zeit an, als der Monotheismus alle Israeliten durchdrungen und der Hang zum heidnischen Götzendienst aufgehört hat, nie ein Schisma wie in andern Religionen sich gebildet; daß ein solches auch mit dem Wesen und Geiste der jüdischen Religion, die da keine Dogmen hat und Niemanden, wenn er nur an den einzigen Gott glaubt, von sich ausschließet, im Widerspruch stehe. Die Karäer, die einzige Sekte, die sich im Judenthum gebildet, werden von den Rabbiniien als Schismatiker, und so