Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Erwägen wir, daß die bisherige Ausschließung von diesem Korps und der Zwang, irgend einen entfernten Garnisonsort aufzusuchen, den Juden in Berlin den Freiwilligen-Dienst sehr schwierig, wo nicht gar unmöglich machte, so werden wir jene Vergünstigung mit dem innigsten. Danke aufnehmen, und ich zweifle nicht, daß das Beispiel, welches dadurch gegeben ist, bald nicht mehr isolirt dastehen werde. Alle anderen Gerüchte, die im vorigen Jahre über die staatlichen Verhältnisse der Preußischen Juden verbreitet waren und auch innerhalb dieses Kreises, die Gemüther mit Unruhe erfüllten, haben sich ■ Gott sei Dank! als voreilig und zum Theil auch als unbegründet erwiesen. Muß es auch unser aufrichtiges Bedauern erregen, daß in den am 31. Dez. 1842 erlassenen wichtigen Gesetzen über das Preußische Heimathrecht und über die Zulassung der in Städten und Landgemeinden sich neu ansiedelnden Personen unsere Glaubensgenossen wieder von einzelnen Berechtigungen ausgeschlossen sind, indem darin ausdrücklich gesagt wird, daß die in den verschiedenen Provinzen geltenden besonderen Bestimmungen hinsichtlich der Juden dadurch nicht aufgehoben werden, so dürfen wir dies doch nur als einen einstweiligen.Vorbehalt ansehen, den die Gesetzgebung bald wieder aufheben wird. Hat es sich doch schon längst als dringende Nothwendigkeit herausstellt, die vielen Widersprüche aufzulösen, welche in den Bestimmungen hinsichtlich der Juden in den verschiedenen Lnndestheilen herrschen! Und so dürfen wir wol mit Sicherheit einem Gesetze entgegensetzen,, das auf gleiche Weise dem Gerechtigkeitssinne des Königs wie dem vorgeschrittenen Freiheitsbewußtsein des Landes entspricht. Viel aber können wir selbst dazu beitragen, ein solches Gesetz zu fördern, indem wir fortfahren, warm und theilnahmvoll zu bleiben für Alles, was das religiöse und das bürgerliche Leben derjenigen angeht, mit denen wir herangewachsen zu unserer heutigen Stellung im Vaterlande, mit deren Vätern die unserigen ihres Glaubens halber gelitten und geduldet und mit denen wir .freudig die ersten Strahlen der leuchtenden und erwärmenden Sonne des Jahrhunderts begrüßt haben. Fern bleibe von uns der indifferente wie der angeblich philosophische Standpunkt in Sachen des Glaubens! Nur indem wir auch dem Herzen und nicht blos der klügelnden Vernunft Gehör geben, sind wir Menschen in der edeln Bedeutung des Wortes, Freunde im Sinne dieser Gesellschaft. Aufklärung ist allerdings unser Panier seit 1792, aber nicht jme Aufklärung, die alles Heilige profanirt und alles. Menschliche belächelt, sondern-nur die, die sich vom Vorurtheil frei macht, während sie sich um so wärmer dem sittlichen Gefühl hingiebt, 'das jeden Edeln als Freund, jeden Vorwärtsstrebenden als Gefährten ansieht. Bleiben wir in diesem Streben vereinigt, durchdringt uns dieser Gedanke in allen Verhältnissen: im Familienwie im Geschäftslehen, bei der stillen Andacht des Herzens wie im offenen Gotteshause) so bilden wir eine sittliche Macht, die einerseits den gesetzgebenden Gewalten und anderseits 'jenen zerstörenden Sophisten, die mit dem Judenthum zugleich das Christenthum untergraben möchten, Achtung einflößt. Ja, nur auf der Bahn des Sittlichen und der Ehre ist Heil für uns; diese aber bedingt vor Allem Einigkeit, denn in der Zersplitterung, in der Anfeindung, wie sie in einigen Gemeinden anderer Städte sich kundgiebt, liegt der Keim zur Demoralisation und Auflösung. Darum wollen wir uns freuen, daß in solchen Gesellschaften wie die unsrige —und sie ist ja. nicht die einzige in unserer Gemeinde — der Sinn für das Zusammenwirken stets wach gehalten wird und wir an Tagen, wie der heutige, im Austausche der Ansichten uns gegenseitig aufmuntern, das Gute zu wollen und das Beste zu thun." Berlin, 30. Marz. Zu dem Gebäude einer Alterversorgungs-Anstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde, zu welchem bei Gelegenheit der Thronbesteigung Sr. Majestät des Königs die Beiträge freiwillig unterzeichnet wurden, ist heute Vormittags in der großen Hamburgerstraße No. 24 der Grundstein feierlich gelegt worden. Deputationen des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung erschienen bei dieser Feier. Mühlhausen, im April. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde zeichnet sich bereits durch ihren schön geordneten Gottesdienst vor den benachbarten ungemein aus, denen siezum Muster dienen könnte. Noch erfreulicher ist aber das schöne Verhältniß