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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-22 · Heft 16 (22.5.1843) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 16 (22.5.1843)
Date
1843-05-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Beilage zur Allgemeinen Zeitung des Judenthums No. 1t». Man wird mich voreilig nennen und sagen, ich suchte mich mit Gewalt zum Defensor meines Großvaters hervorzudrängen, da ich bereits in No. 50 dsr. Ztg. v. I. derart aufgetreten; doch nein, ein-Mann, der-als 88jähriger Greis mit noch jugendlichem Feuer ausgerüstet auf die Menge der Jahre und vorzüglich auf eine 66jährige, schwere Wirksamkeit mit einer Gemüthsruhe .und Heiterkeit zurückschauet, wie sie nur wahrhafte Selbstzufriedenheit und das innige, beseligende Bewußtsein einer in jeder Beziehung getreu erfüllten Pflicht zu gewahren vermögen; ein Mann, der sich der Liebe und Hochachtung aller Gutgesinnten, und besonders so vieler Hochgestellten in und außer Israel zu erfreuen hat, — der bedarf des Vertheidigecs nicht und noch viel weniger meiner, der ich nur bin der geringste unter seinen Verehrern; ihn berühren die Schmähungen eines wüthigen Journalisten nicht, der den alten polnischen Schmutz und die alte polnische Gemeinheit, in die er versunken, trotz der sich überall spreizenden Gelehrsamkeit nicht verbergen kann; ich meine, die nimmer erschöpflichen Schmähungen des Polaken Joseph Alzari i. e. zu deutsch: des Herrn Doctor Julius Fürst in Leipzig; er lächelt nur über die ohnmächtige Wuth dieses ab nb3: allein nicht bloß als Enkel meines Großvaters, desLand- Rabbknen Friedländer in Brilon, sondern noch mehr als Freund-der Wahrheit fühle ich mich berufen, abscheuliche Lügen, mit denen uns der Red. des Orients in No. 13 S. 99 seines, zum Sprüchworte gewordenen Zankblattes wieder aufwartet, gebührend zurückzuweisen. Es ist nämlich in derselben ejn Artikel von Hamburg aus gegen-den Herrn Obervorsteher Hellwitz in Soest enthalten, und da muß denn nolens vnlens auch der Red. seine Portion schimpfen und, um sich recht abzukühlen, auch meinen. Großvater mit hineinziehen, denn: „Wie Kohlen zur Glut, und Holz zum Feuer, so der zänkische Mensch zum Anschürendes Streites." Nachdem er zuerst den Hcn. Hellwitz tüchtig hergenommen, kommt die Reihe an meinen Großvater, und es heißt dort wörtlich also: „Aber indem ich diesen etwas michelhaften Don Quixote (Hellwitz) erwähne, halte ich es für eine Pietät, seines Schildknappen Sancho Pansa zu gedenken, der wie ein abgerichteter Pudel auf's Commandowort des Erznarren rapportirt, ich meine den wahrhaften Rabbiner Friedlander — Daß Ein einz'ger Funke dieser Leidenschaft , Doch unsres Hirns so viel verbrennen kann! .Lessing. in Brilon. Hr. Friedländer mußte einmal auf Befehl des Narren Hellwitz an üib br zu den Schafen seiner Heerde herumfahren, um ihnen zu beweisen, daß man den laiö äiü fca*n nicht zu halten brauche und man an jedem Tage Gras fressen kany." ° Abgesehen von der bei Fürst ganz gewöhnlichen, grenzenlosen Gemeinheit, deren aber auch nur ein solches Subject, wie er, fähig ist; welche Lüge! Es ist bekannt, daß mein Großvater die Abschaffung des w' aio tar> zuerst in Vorschlag gebracht. Er hat diese seine Ansicht durch zwei gedruckte Brochüren, „Schöresch Josephs (hebräisch und deutsch)" u. annn' tnnhlü — Brilon 1834. gehörig begründet; er hat sich aber nicht mit seiner lieberzeugung allein begnügt: von Niemandem widerlegthat er vielmehr unaufgefordert die Zustimmung 'vieler gelehrter Amtsbrüder erhalten; ich nenne nur den würdigen Chorin in Arad, und verweise übecdieß auf Sulümith letzten Band und Geiger's Wissenschaft!. Zeitschrift II. S. 236 u. ff., wo dieses Vorschlags stets nur lobend erwähnt wird. Man hat ihn allenthalben für höchst zeitgemäß befunden, und während mein Großvater längst öffentlich erklärt, „daß derjenige Israelitwelcher die nichtmosaischen Festtage zu feiern unterläßt, kein eigentliches Religions-Vergehen begehe" mit dem ausdrücklichen Bemerken: „wenn er die sonstigen mosaischen Festtage nach Gesetz und Vorschrift halt, einen musterhaften Lebenswandel führt, Gutes übt, überhaupt nach Grundsätzen zu handeln vermag," blieb er nicht, wie so vielebeim bloßen Wort, auf halbem Wege stehen, sondern har durch die That bewiesen, daß es ihm Ernst sei um die Sache der Aufklärung. Ich kann dem Hrn. Dr. Fürst auf Ehre versichern, daß mein Großvater die zweiten Feiertage nie gehalten, wo doch Herr Hellwitz nicht dabei war, daß er noch voriges Jahr am nvs bö eine Reise von 6 Stunden vorgenommen, um eine Beschneidung zu vollziehen. So ist es wohl auch nicht zu verwundern, daß er bei einem zufälligen Besuche in Soest nicht anstand, mit dem Herrn H. am *010 eine Spazierfahrt nach dem 2 Stunden von Soest entfernten Werl zn machen. Eine solche musterhafte Consequenz verdient, doch wohl wahre Anerkennung und nicht gemeine Verdächtigung. Hr. Fürst scheint aber Jeden nach sich zu beurtheilen und glaubt, Jeder nehme, wieder, zu Gun-

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