Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 16 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 246 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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246 daß ihnen mindestens dieselbe Freiheit gewahrt werden wird, deren sich die übrigen preußischen Juden längst erfreuen. Oesterreich. Gvoß-Kanischa, 15.März. (D. A. Z.) Das wache Selbstbewußtsein der Nationalitäten in unserm vielbewegten Vaterlande, der große Kampf, den unsere Patrioten unablässig für den Ausbau unserer Konstitution und für .Erweiterung des Magyarenthums führen, haben auch in die träge Masse der magyarischen Juden eine gewisse Beweglichkeit geworfen, welche die beste Garantie für ihre' künftige Emanzipation auf ungarischem Boden gewährt. Nicht bloß für den Handel und den Schacher, sondern auch für seine geistigen Interessen, für seine bürgerliche Freiheit, für, feine Ehrenrechte ist der hiesige Jude wach geworden, und mit jener Ausdauer und Gelehrigkeit sehen wir dieses Volk in die magyarische Nationalität sich versenken, wie sie der judenfeindlichste Patriot nur beloben kann. In allen jüdischen Schulen ist die magyarische Sprache ein Gegenstand des Elementarunterrichts geworden, auf vielen jüdischen Kanzeln ertönen die magyarischen Laute, und ein Jude Moritz Bloch, der Erste, welcher die Bibel ungarisch übersetzte und kommentirte und jetzt auch der Erste ist, welcher ein magyarisch-deutsches Wörterbuch herausgibt, ist sogar Mitglied der ungarischen Akademie, Und doch war noch vor zehn .Jahren die Sprache der Magyaren dem hierländischen Juden eine fremde, die er weder sprechen noch schreiben konnte, ja noch viel fremder als z. B. die englische, wenn sie ihm nicht gar verächtlich war. Aber diese Regsamkeit erstreckt sich, wie gesagt, nicht blos auf magyarische Sprache und Bildung, sondern auch auf die Erlangung der noch entbehrten bürgerlichen Rechte. Außer dem Finanzpunkte nimmt die Statthafterer die Sache der Juden auch gegen die Unduldsamkeit einzelner Komitate in Schutz. Von unserm Rabbiner Dr. Löw und von einigen andern Gemeindevorständen werden übrigens, wie wir hören, schriftliche Petitionen an den Reichstag um völlige Emanzipation vorbereitet. Frankreich. Paris, 1l>. April. Gleich nachdem die Nachricht von dem Erdbeben in Guadeloüp eingetroffen, erließ der Großrabbiner von Paris ein Pastoralfchreiben, um zu Beiträgen für die Verunglückten aufzufordern. —. Der Kriegsminister hat eine Kommission ernannt, die über die Organisation der Israeliten in Algier eine Arbeit einreichensoll. Dieselbe ist zusammengesetzt aus den Herren: Janvier, Deputirter, als Präsident, Cerfberr und Cremieux, Deputirre, Anspach, Substitut des königl. Prokurators, Artaud, Generalinspektor der Universität, Cuvier, Chef des Büreau'für die nicht-katholische Kulte im Ministerium, Fellmann, Bureauchef im Kriegsministerium für die algier'schen Angelegenheiten, Maurice Meyer, als Sekretär. (Die Kommission besteht also zu gleichen Theilen aus Juden und Christen.) —. Der Minister der Kulte hat eine Kommission ernannt, um sich mit dem Organisationsentwurf zu beschäftigen, den das israelit. Zentral-Konsistorium eingereicht. Diese Kommission, vom Minister präsidirt, besteht aus den Herren Cerfberr und Cremieux, Ennery, Großrabb., Ed. Halpsen«, Mitglied des Departemental-Konsist., Dessauret und Cuvier, vom Ministerium der Kulte. (Arch. isr. de Fr.) Personalnachrichten. Pesth, 29. März. (Eingesandts Berichtigung.) So eben kommt mir die zehnte'Nummer (vom 11. März 1843) Ihrer vielgeschätzten und weitverbreiteten Zeitschrift zu Gesichte, die in einem Korrefpondenzberichte aus Ungarn folgende Stellen enthält: „Ein höchst böswilliger Artikel war jüngst in einem ökonomischen Journal (Magyar Garda) zu lesen. Der Verfasser fand es gut, sich nicht' zu nennen. Da konnte cs der Redakteur des „Pesther Tageblattes" Herr Dr. Sigm. Saphir, ein Israelit, nicht (?) über sich gewinnen, diesen auf die Juden die schändlichsten Verläumdungen häufenden Artikel ins Deutsche zu übersetzen und durch sein Blatt erst recht zu verbreiten. Welche Gründe dieser Israelit dabei hatte, laßt sich gar nicht absehen, wir müssen es ihm selbst überlassen, Beruhigung in sich selbst zu finden, da kein anderes ungarisches Blatt es ihm hierin zuvor- oder nachgethan hat." — Für Diejenigen, die mich und meine Gesinnungen genauer kennen, dürfte eine Entgegnung auf'diese jedenfalls unberufene Beschuldigung überflüssig sein, da sie überzeugt sind, daß ich die Aufnahme jenes Artikels, falls er wirklich hämische Ausfälle auf eine ganze Körperschaft enthal-