Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 16 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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243 werden müssen, auszulaffen. Walentin -steht als einer der bedeutendsten Anatomen und Physiologen unserer und aller Zeiten, unbestritten da. Aber alle die, welche es sich jetzt angelegen sein lassen, den jüdischen Namen auch in der Arzn «Wissenschaft zu schmähen, übersehen freilich geflissentlich solche Verdienste. Es ist nt der That betrübend, auch in dieser Sphäre den Fanatismus auftauchen zu scheu. Der ärztliche Kreis hat sich bis jetzt durch alle Zeiten hindurch ziemlich rein gehalten von dem Schmutze religiöser Intoleranz. Immer waren die Aerzte diejenige Klaffe von Gelehrten, welche, wenn auch trübe Elemente von Neid, Eifersucht u. dgl. genug in. sich bergend, doch im Allgemeinen zu aufgeklärt -war, um sie auf. eine besondere Glaub ensgenossenschaft unter ihren Kollegen exquisite zu übertragen; das Studium der Natur hebt über alle Vorurtheile hinweg, die wohl Andern anklebrn. Jetzt ist es freilich auch hierin anders geworden, und auch die deutschen , Aerzte sind nicht mehr freigesinnte Weltbürger, sondern eben — deutsche Aerzte, denn der Deutsche verflacht zwar jetzt Alles, nur seinen Judenhaß läßt er sich nicht nehmen, der gehört zum „spezifischem Charakter" des Deutschen, er sei von dieser oder -jener Varietät, Liberaler oder Konservativer, Reicher oder Proletarier, Gebildeter oder Pöbel, Dichter oder Prosaiker, Pietist oder Rationalist oder Atheist, Demagoge oder Geheimerath, Theologe oder Jurist oder Arzt oder Chirurg oder Barbier! Was uns zu diesen Expektorationen veranlaßt? Das ist der perfide Aufsatz in der neuen Zeitschrift für Militächeikkunde, welche zu Braunschweig herauskommt und worin den Juden die Befähigung zur hohem Chirurgie abgesprochen wird, -weshalb ihnen die militär-ärztliche Karriere verschlossen bleiben müßte. Das ist auch wieder so eine aus der Lust gegriffene Behauptung. Denn erstens ist es schon.hypothetisch sehr lächerlich, in einer besondern Abstammung oder einem besondern Glauben den Mange! an Fähigkeit in irgend einer Kunst zu wittern, ferner braucht man sich nur umzusehen , um unter dm praktischen Medizinern jüdischen Glaubens verhaltnißmäßig eben so viele und geschickte Wundärzte zu finden, als unter den christlichen; giebt es weniger große Öperüleure unter den Juden, so hat der Umstand die Schuld, daß Juden eben nicht als Direktoren von Heilanstalten und klinischen Lehrern angestellt werden können) in welcher Stellung es allein möglich ist , Gelegenheit, Uebung und — Ruf als Operateur zu erlangen*). Die preuß. Militärärzte haben gerade 'keinen Ueberfluß an großen Operateurs, wo sollten sie es auch werden? Krieg hat es seit 28 Jahren nicht gegeben, im Frieden bietet das aus jungen und kräftigen Männern bestehende Militär wenig Gelegenheit zur operativen Praxis. Daß sich jüd. Aerzte wohl mit den Operationen der Tenotomie und den Augenoperationen, beschäftigen, giebt der Vers, jenes Aufsatzes selbst zu, er meint, weil dabei wenig Blut flösse! Gehört etwfi weniger anatomische'Kenntniß, weniger GeschiMchkeit, Geistesgegenwart dazu, als zum Amputiren? Giebt das vergossene Blut den Maßstab zur Würdigung einer Operation, so hätte der Bader, der zur Ader läßt, mehr Verdienst, als der Arzt, 'der dem Unglücklichen durch eine Staaroperation, Pupillenbildung u. dgl. das Licht der Augen oder der Tenotom und Orthopäd, der dem Verkrüppelten grade Glieder schafft**). Zudem wird hier noch in den meisten Fällen etwas genützt, wie weit seltner durch Exstirpationen u. dgl. Nun, behaltet 'eure militärärztlichen Stellen nur für euch, wir gönnen euch das Leben als Kompagniechirurgen und Garnisonsärzte, lasset uns nur das Feld der wiffettfchastlichen Ausbildung und Tüchtigkeit, für praktische Wirksamkeit wird das Publikum sorgen. Ü. Dresden, 7. April. (Privatmrtth.) Aus de kn beifolgenden Deputationsberichte *'*) werden Sie ersehen, wir die Majorität der dritten Deputation der ersten Kamcker nach einer längeren, für die Juden sich günstig aussprechenden Einleitung endlich zu dem Schluffe kommt, der zweiten Kammer fast in allen *) Wie.lang-e war indeß nicht der treffliche. H erzberg in Berlin Assistent des sel. v. Gräfe und so könnten wir viele Namen anführen. "Korresp. ^*) Mit. wie viel Neid und Scheelsucht und wirklicher Verfolgung hat nicht unser verdienter Behrend in Berlin zu kämpfen, der sich mit so vieler Humanität bet Verkrüppelten annimmt und Ausgezeichnetes als Tenotom und Orthopäde leistet. Er hat sich selbst ein Institut geschaffen und gegründet, wie wäre es ihm sonst Möglich geworden, seine Virtuosität nicht allein zu erlangen, sondern auch zu behaupten und in Ruf zu bringen? „ Kvrresp. ***) Da« nähere in nächster No. We d.