Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 16 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225298--05158-3235794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
242 Eingedenk jen.es , für Aerzte überhaupt und füü die operivenden insbesondere gültigen -Spruchs, des Lithynischen Arztes: cito, tuio etjucunde, will ich nun hier jene Behauptungen, wie ich' sie eben gelesen-,'sogleich, so gut und so schonend dies nur immer möglich ist, in Kürze beleuchten, und es Anderen überlassen, ob sie es dann noch der Mühe werth halten, die Gehässigkeit' und Nichtigkeit derselben erschöpfender an anderen- Orten darzuthun.— Insofern der Herr Anonymus gleich im Eingänge des Artikels die Existenz tüchtiger jüdischer Wundärzte nicht ganz bestreitet, sondern sie nur als „selten" bezeichnet, auch weiterhin zugiebt, daß jüdische Aerzte allerdings mit der Tenotomie, d. h. der plastischen Chirurgie und mit Augenoperationen — also mit der eigentlichen Blüthe der Chirurgie — sich be-- schäftigen, und daß der Krieg, der stets jüdische Oberwundärzte gebracht, auch seiner Zeit gewiß wieder solche bringen wird, kann er scho'n deßhalb die Zulassung der jüdischen Doktoren zu Ober-Militärärzten aus den von ihm angegebenen Gründen nicht ganz, zurückweifen, sondern sie in Tagen des Friedens nur auf die chirurgisch wahrhaft befähigten jüdischen Aerzte beschränkt wissen wollen, worin ihm Jedermann beistimmen wird. Bekanntlich gilt das: „Non omnia possumus omnescc von der Fähigkeit des Operateurs ganz vorzüglich. Es ist mM Jedermanns Sache, den akiurgischen Theil der Chirurgie auszuüben, ist auch nicht nothwendig, ja nicht einmal wünschenswerth. Denn, wenngleich scharfe Sinne, Geschicklichkeit und Schnelligkeit, Muth und Unerschrockenheit schöne Eigenschaften und Lichtseiten des Operateurs sind, die jeder Arzt besitzen sollte, so sind dagegen jene Schattenseiten: Unempfindlichkeit, Theilnahmlosigkeit, Verwegenheit und Tollkühnheit, welche die meisten Operateure von Rang charakterisiren, und zwar in den allerwenigsten Fallen aus wissenschaftlichem- Heroismus, sondern nur aus leidigem Hang zum Berühmt- und Bewundertwerden, wahrhaft verabscheuungswerth. Nächstdem fordern die chirurgischen Operationen, daß man mit ihnen beständig in der.Uebung bleibe, sie sindjedoch verhältnißmäßig nicht so häufig, als" daß viele Aerzte möglichst viele unternehmen können, um sich dadurch in der nothwendigen Routine und Festigkeit zu erhalten. Es ist daher einerseits ein achtungswerther Zug im Charakterder jüdischen Aerzte, daß sie, selbst bei der durch das Prädikat „Operateur" ihnen von Setten der Ober-Examinations-Behörde dazu ertheiltew Befähigung, dennoch das'operative Wirken in ihrem Berufskreife unterlassen, sobald sie nicht reichliche Gelegenheit dazu haben (— und diesem Bespiele, sollten 'wirklich vieles Ober-Militairärzte folgen!). Andererseitsweiß dies das christliche, wie das-jüdische Publikum auch recht gut, es wendet sich daher in großen Haupt- und Universitätsstädten stets nur an die chirurg. klin. Lehrer, oder an die chirurg. Dirigenten großer Krankenhäuser, und diese Aemter sind freilich in Deutschland nirgends von Aerzten jüdischen Glaubens bekleidet. In kleinen Städten aber, wo die berühmten chirurg. Kliniker nicht sogleich bei der Hand sind, stehen auch viele jüdische Aerzte, da ihnen dort die Gelegenheit zum Operiren nicht fehlt, als Akiurgen in recht hübschem Ansehen. Uebrigens gehören die Ober-Militairärzte keineswegs immer den ausgezeichneten Operateuren ay, für welche sie ihrer Stellung nach, auch in Friedenszeiten gern gelten mögen. Es giebt ansehnliche Provinzialstädte in Preußen, wo ihnen sogar jüdische Aerzte hierin den Vorzug streitig machen. — Ware, wie der Hr. Anonymus glauben machen möchte, Scheu vor Blut und Schmerzerregung bei Kranken die Ursache, daß jüdische Aerzte sich so. selten als Operateure Hervorthun-, so müßten dieselben auch keine Geburtshelfer sein wollen, da bei Instrumental-Entbindungen beides nicht zu umgehen ist, und doch sind sie es fast Alle. (Schluß folgt.) Aus der Altmark, 9. April. (Privatmitth.) An der Bearbeitung des in Braunschweig bei Vieweg erscheinenden trefflichen „Handwörterbuch der Physiologie von Prof. R. Wagner," von welchem bereits vier Lieferungen uns vorliegen, hat auch unser Glaubensgenosse, Herr Prof. Valentin in Bern, sehr rühmlichen Antheil. Von den fünfzehn Artikeln in den erschienenen vier Lieferungen hat Valentin die sechs wichtigen bearbeitet: Absonderung, Elektrizität der Thiere, Ernährung, Flimmerbewegung, Galvanismus, Gewebe des menschlichen und thierischen Körperst Es ist hier nicht der Ort, auch nur vorübergehend sich über die ausgebreiteten Studien, über den angestrengten Fleiß, die mühsamen Forschungen, Experimente und. Fertigkeiten, welche zu dieser Arbeit nothwendig sind und vorausgesetzt