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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-05-22 · Heft 16 (22.5.1843) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 16 (22.5.1843)
Date
1843-05-22
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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241 sollen beruhigende Zusicherungen für die Folge in dieser Beziehung erfolgt fein. Referent (kein Jude) hält es für ein Gebot der Wicht, daran zu mahnen, daß das neue Gesetz die ausgesprochene Bestimmung hat, die Juden zu einem bessern und freiern Zustande hinüberzuführen, und daß man in der möglichsten Förderung dieser Bestimmung ihnen einigen Ersatz für die geringen reellen Vortheile des Gesetzes selbst zu bieten habe.— Berlin, 5. April. (Privatmitth.) Wenn man die jetzt wieder im Schwange seienden judenfeindlichen Artikel näher beleuchtet, so kann man sich des Resultats nicht erwehren, wie oft der Brodneid ihnen zur Grundlage dient. Es ist dies eine alte Wahrnehmung, aber man möchte sich derselben wegen der darin gelegenen, den Menschen erniedrigendenerbärmlichen Kleinlichkeit erwehren. Die einzige Wissenschaft-' die dem Juden in Deutschland noch eine öffentliche Stellung gewährt, ist die medizinische. Aber auch diese beneidet man ihnen, wahrscheinlich weil sie gerade darin schöne Erfolge erlangen. Es sind daher neuerdings wiederholte Angriffe auf die jüdischen Aerzte vorgekommen. Zwar können diese dem praktischen Arzte Nichts schaden, denn das Publikum nimmt von solchem Zeitungsgewäsch keine Notiz , und bedient sich fortwährend des Arztes, dem es einmal sein Zutrauen geschenkt. Allein man weiß ja-, .wie dergleichen in den allgemeinen Kram paßt, den man immerfort gegen die Juden zusammenkarrt, mögen sie folgen, welcher Richtung sie wollen. Es ist darum, daß wir den folgenden Artikel des Medizinalraths Dr. Sachs aus der „Allg. Medicin. Central-Zeitung No. 27. d. I." hier aufnehmen. Zu der „Judenfrage" eines Anonymus in No. 6. der allg.Zeitung fürMilitär-Aerzte. Noch sind es keine sechs Monate her, daß die alten, ehrwürdigen Oesterr. mediz. Jahrbücher wegen xiner von ihrem Redakteur verlautbarten judenfeindlichen Gesinnung, in dem Aufsätze: „über das ärztliche Mißbehagen," Borwürfe von gar vielen Seiten hinnehmen mußten, und schon wieder taucht eine ähnliche, nicht minder gehässige, auf in einer erst seit Anfang dieses Jahres in Braunschweig erscheinenden, sonst in recht guter Mannichfaltigkeit sich entwickelnden, militär-ärztlichen Zeitung. Einer alten Zeitschrift ist es eher zu verzeihen, wenn sie von verjährten Vorurtheilen sich nicht so leicht losmachen kann, als einer neuen, aus der Gegenwart hervorgegangenen, wenn sie, sonst mit der Anforderung der Zeit und ihres Fortschritts wohl vertraut, grade eine der wichtigsten Zeittendenzen ganz mißkennt! Die uns eben vor Augen gekommene No. 6. derselben hat einen Artikel „zur Juden frage" an ihrer Spitze, in welchem ein Anonymus, wie es scheint aus Preußen — wiewol er daselbst erst eine Diskussion zu eröffnen tendirt —in seiner Reinheit der Gesinnung gleich vornweg auf dem Umfang eines Oktavblattes über Juden als Wundärzte den Stab bricht, und ihnen die Qualifikation zu Ober-Militärärzten abspricht. Nach ihm sollen nämlich jüdische Wundärzte selten (also doch zuweilen!) tüchtige Wundärzte sein. Jüdische Studiosi medic. sollen bei allem ihren sonstigen Fleiße gegen das Studium der Chirurgie gewissermaßen (!) einen Abscheu haben, der durch die Nothwendigkeit, sich behufs des Examens technisch auszubilden, noch mehr genährt wird, daher sie auch häufig (also doch nicht immer!) wegen Ungeschicklichkeit die Qualifikation zum Operateur nicht Nachweisen,, also abgewiesen werden, und dann ihre Prüfungen als medici puri fortsetzen. Leisten sie indessen Genüge, so machen sie sehr selten in der Praxis von. der Ausübung »der operativen Chirurgie Gebrauch, und beschränken sich höchstens auf Tenotomie und Augenoperationen, bei denen kein Blut fließt(!). Es existiren darum sehr wenige ausgezeichnete Operateure von Ruf unter den jüdischen Aerzten. Ihre Glaubensgenossen kennen diese schwache Seite ihrer .Aerzte auch, und wenden sich daher in chirurgischen Fällen stets an christliche Aerzte. Zu bloßen Wundärzten bilden sich gar keine Juden aus (Wirklich??)*). Außerdem wird der Jude in den Verhältnissen als Ober-Militärarzt zu fungiren noch dadurch behindert, daß ihm irt den Augen der Christen stets Etwas anklebt, was wenigstens im'Stillen belächelt wird (ei! ei!), sobald jener imperatorisch durch Wort und Thal auftreten soll, und nicht durch Geld Ehrfurcht erweckt werden kann. — So weit der große Unbekannte! *) Wir können dem Anon. sagen, daß soeben an der hies. chir. Lehranstalt ein Jude sein Examen als Wundarzt gemacht, und ein andrer schon wieder eingetreten. Redakt.

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