Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1843)
- Date
- 1843-04-15
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Tür k ei. Von der türkischen Gränze, 15. März. In Tyrus hätte beinahe eine Judenverfolgung wie in Damaskus stattgefunden. Ein Einwohner erhob eine Klage, daß ihm seine Tochter verschwunden sei und daß er glaube, die Juden hatten sie ihm gestohlen. Der französische Konsul durchsuchte,, mit Hülfe der bewaffneten Macht, das ganze Judenviertel, fand aber nichts. Das Volk schrie bereits, daß die Juden das Mädchen ermordet hätten, als man erfuhr, daß das Mädchen in Gesellschaft eines Geistlichen in Beirut zu Pferde gesehen worden sei. Dieß bestätigte sich auch. Der Papas hatte das Mädchen entführt, und beide wurden, bevor sie mit dem Dampfboot nach Konstantinopel abgehen konnten,' in einem Garten entdeckt und verhaftet.' > .v. -. Personalnachrichten. Krüssel, Ende Februar. (Privatmitth.) Die vom Staate besoldete General-Jnspektoisirlle über alle israelitischen Schulen Ln Belgien hat der Dr. phil. H. Somershausen, laut Konsistorial-Dekrets vom 21. Febr. erhalten. Ares lau, Ende März. Der Lberrabbiner Tiktin ist gestorben. Geschichte. Geschichtliche Anekdoten. Als Franz I, König von Frankreich, durchaus einen jüdischen Arzt haben wollte, fand er einen solchen in seinem Reiche nicht, und bat Karl V. um einen. Dieser hatte an seinem Hofe nur einen jüngst getauften Juden zum Arzt, aber Franz wollte, als er erfuhr, daß er Christ geworden, ihn durchaus nicht annehmen, und sandte ihn zurück. Man erzählte ihm daraus von - einem berühmten Arzte dieses Glaubens in Konstantinopel, und er befahl sofort seinem Gesandten alldort, diesen nach Paris zu schicken, was es auch kosten mag. Der jüdische Arzt kam an, und fand den König sehr schwach; er verordnete ihm nur den Gebrauch von Eselsmilch. Dieses'Hilfsmittel schlug sehr gut an, und der Hof trank sogleich nichts als Eselsmilch. Eines Tages begab sich zu demselben Könige, Franz I, nach Paris ein Rabbiner von großem Rufe, Salomon Molcho, in der Absicht, ihn zum Judenthum zu bekehren; der König amüsirte sich sehr über diesen Vorschlag. Nichtsdestoweniger gelangte R. Salomon Molcho nicht zu seinem Ziele. Aergerlich darüber reiste er ab, und begab sich nach Italien, seil?Heil an Kaiser Karl V. zu versuchen. Dieser aber verstand keinen Spaß, und ließ den bekehrungssüchtigen Rabbi in Mantua lebendig verbrennen(1582.) Ein merkwürdiges Beispiel einer Gemeinde von Enuffim, oder versteckter Juden ist folgendes. Als sich die Zahl der portugiesischen Juden in Bordeaux sehr gemehrt hatte, bewirkte die Kaufmannsgilde im Jahre 1597 ein Verbannungsdekret für alle, die nicht seit 10 Jahren bereits ansässig wären: Als diejenigen von ihnen, die sich nach Bayonne zurückgezogen hatten, auch von hier im Januar 1602 durch Patent Heinrichs IV. vertrieben wurden, ließen sie sich in St. Esprit nieder. Sie gründeten hier heimlich zwei Synagogen. Ungeachtet dieser Synagogen waren sie doch gar nicht als Juden bekannt, sondern galten für spanische und portugiesische Kaufleute. Sie ließen ihre Kinder taufen/ und durch die katholischen Pfarrer ihre Brautpaare trauen. Erst gegen 1686 unterließen sie das erstere, und gegen 1705 das letztere. Um diese Zeit bekannten sie sich offen wieder als Juden, undweihten 1710 ihre Hauptsynagoge ein. So traten sie also erst nach einem ganzen Jahrhundert wieder als Juden auf. Erst im Jahre 1565 wurde der Grund zu der großen Gemeinde in Metz wieder gelegt, indem vier Juden gegen jährlich 209 Lhaler die Erlaubniß erhielten, sich daselbst niederzulaffen. (Schluß folgt.) 15